Ernährung auch Faktor?

Darmflora kann Reaktion auf Impfungen beeinflussen

Wissen
09.10.2026 14:39

Impfungen sind eine der wirksamsten Maßnahmen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und schwere Infektionskrankheiten einzudämmen. Selbst Verwendung gleicher Vakzine reagieren die Menschen häufig recht unterschiedlich auf die Impfung – warum war bisher unklar.

Während manche Menschen nach einer Impfung mehr oder weniger hohes Fieber oder etwa grippeähnliche Symptome entwickeln, bleiben andere völlig unbeeinträchtigt. Warum nur ein Teil der Geimpften unter den beschriebenen Nebenwirkungen leiden und die Impfantwort oft so unterschiedlich ausfallen kann, war bisher unklar.

Das Risiko von Nebenwirkungen wie Fieber kann bei vielen Menschen Zweifel auslösen, was die Impfbereitschaft beeinträchtigen, die Impfquoten senken und das Risiko für vermeidbare Erkrankungen und Todesfälle erhöhen kann. Das Fieber ist ein Zeichen einer entzündlichen Immunreaktion, doch woher kommt diese?

Forschende des Max-Planck-Instituts für Biologie im deutschen Tübingen, der Georgia State University, des Institut Pasteur in Paris und des French National Institute for Health and Medical Research (INSEREM), der University of Manitoba, der University of California San Diego und des Instituts für Tropenmedizin der Universität Tübingen haben nun gezeigt, dass eine Ursache für die Unterschiede in der Immunantwort nach Impfung das Darmmikrobiom (umgangssprachlich auch als Darmflora bezeichnet; Anm.) sein könnte.

Wechselwirkung mit Immunsystem
Die Billionen von Mikroorganismen, die den menschlichen Darm besiedeln, unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und stehen zudem in ständiger Wechselwirkung mit dem Immunsystem. Durch die Interaktion mit unseren Immunzellen tragen sie dazu bei, den Immunstatus einer Person bereits vor der Impfung zu prägen.

Die Forscher fanden heraus, dass Unterschiede in der Zusammensetzung des Darmmikrobioms von Menschen schon vor einer Impfung beeinflussen, wie stark sie nach der Impfung Fieber entwickelten.

Mikrobielles Flagellin spielt Schlüsselrolle
Es zeigte sich, dass Personen mit stärkeren Fieberreaktionen bereits vor der Impfung mehr bakterielle Motilitätsproteine produzieren, darunter auch Flagelline. Die Übertragung von Mikrobiomen dieser Personen auf Mäuse führte zu stärkeren Entzündungsreaktionen auf die Impfung, teilweise durch die Erkennung von Flagellin durch den Wirt.

Was sind Flagelline?

Flagellen sind Strukturen, die es Bakterien ermöglichen, sich durch Flüssigkeiten zu bewegen. Sie bestehen aus kleinen Proteinen (Eiweißkörpern), den sogenannten Flagellinen. Da Flagelline auch von schädlichen Erregern wie zB den Salmonellen produziert werden, erkennt das Immunsystem sie als potenziell gefährliche Signale und löst daraufhin eine Entzündungsreaktion aus.


Beeinflusst Ernährung die Wechselwirkung?
Bei Versuchen mit Mäusen zeigte sich, dass die Produktion von mikrobiellem Flagellin – und damit die Impfreaktionen bei Mäusen – durch die Ernährung beeinflusst werden konnte. Es seien allerdings weitere Studien nötig, um festzustellen, ob eine Ernährungsumstellung die Impfreaktionen auch beim Menschen verändern kann, so die Wissenschaftler.

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