Russische Drohnen?

Schwarzes Meer: Erneut Frachtschiff gesunken

Ausland
05.10.2026 19:20

Zwei Tote, ein brennendes Schiff und der nächste schwere Zwischenfall: Die Angriffe auf zivile Handelsschiffe im Schwarzen Meer häufen sich. Besonders brisant ist der Fall eines jüngst gesunkenen Frachtschiffs.

Die unter der Flagge von St. Kitts und Nevis fahrende Royad Mammadov war am Montag auf dem Weg von Izmail (Ukraine) nach Ravenna (Italien), als sie rund 30 Seemeilen vor der rumänischen Küste in Brand geriet und später sank (siehe Video unten). Zwei Menschen kamen ums Leben, elf Besatzungsmitglieder wurden gerettet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte russische Drohnen für den Angriff verantwortlich. Kiew habe mehrfach vorgeschlagen, Schritte zur Deeskalation im Schwarzen Meer zu unternehmen. „Doch Russland entscheidet sich konsequent für Terror und das Versenken ziviler Schiffe anstelle einer normalen Seeschifffahrt“, schrieb der ukrainische Präsident auf Facebook und der Onlineplattform X

Schiff war mit Getreide beladen
Das Schiff befand sich dabei außerhalb der rumänischen Hoheitsgewässer, allerdings in der rumänischen Wirtschaftszone und hatte dem Vernehmen nach Getreide geladen. Brisant ist der Fall deswegen, weil sich der maritime Krieg möglicherweise weiter in Richtung der internationalen Handelsroute und unmittelbar vor einen NATO-Staat verschiebt. Russland bestätigte zwar am selben Tag Angriffe auf Frachtschiffe im Schwarzen Meer, nahm aber nicht konkret zur Royad Mammadov Stellung. Die genaue Ursache des Untergangs ist noch Gegenstand von Ermittlungen.

Situation spitzt sich immer weiter zu
In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich die Situation im Schwarzen Meer zugespitzt. Am 3. Oktober wurde in einem Hafen der Region Odessa ein unter liberianischer Flagge fahrendes Frachtschiff bei einem russischen Angriff getroffen. Ein Besatzungsmitglied starb, drei weitere wurden verletzt. Noch dramatischer war der Fall der Golden Leo im Juli: Der unter der Flagge von Guinea-Bissau fahrende Frachter wurde nach ukrainischen Angaben von drei russischen Marschflugkörpern getroffen, als er mit einer Ladung Mais den Raum Odessa verließ. Zehn Menschen – neun Besatzungsmitglieder und ein ukrainischer Lotse – kamen ums Leben. Das Schiff sank eine Woche später.

Auch im Juni gerieten mehrere Handelsschiffe ins Visier. Am 22. Juni trafen russische Drohnen drei Frachter auf dem Weg zu ukrainischen Häfen. Auf der panamaisch beflaggten Victress brach Feuer aus, ein ägyptischer Besatzungsangehöriger starb. Im August wiederum wurde die Nadeschda rund 20 Seemeilen vor dem russischen Hafen Noworossijsk von einer Drohne getroffen. Drei der 22 Besatzungsmitglieder wurden schwer verletzt. Wer hinter diesem Angriff steckte, blieb zunächst offiziell ungeklärt. Im September traf es schließlich den somalisch beflaggten Schlepper TEDY nahe Odessa: Zwei aserbaidschanische Seeleute starben, zwei weitere wurden verletzt.

Ukraine greift Russlands „Schattenflotte“ an
Auch die Ukraine greift Schiffe an – vor allem Tanker, die sie mit dem russischen Ölhandel bzw. der russischen „Schattenflotte“ in Verbindung bringt. Ende Mai wurden mit der James II, Altura und Velora drei Tanker vor der türkischen Schwarzmeerküste von Drohnen bzw. unbemannten Booten angegriffen. Der maritime Sicherheitsdienst Ambrey sieht es als sehr wahrscheinlich an, dass ukrainische Drohnen die Schiffe trafen. Die Tanker standen laut Ambrey im Zusammenhang mit russischen Ölexporten. Mindestens zwei waren demnach von ukrainischen Sanktionen betroffen. Damit wird das Schwarze Meer immer mehr zum maritimen Schlachtfeld – mit Handelsschiffen, die zwischen die Fronten geraten.

Türkei „zutiefst besorgt“
Zuletzt hat die türkische Regierung Russland und die Ukraine aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit im Schwarzen Meer zu gewährleisten. Man sei „zutiefst besorgt darüber, dass trotz all unserer Warnungen“ zivile Schiffe ins Visier genommen würden, sagte das türkische Außenministerium.

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