Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) soll seinen engen vertrauten Andreas Babler nach dessen Abgang als Vizekanzler beerben. Er galt als linker Ideologe und avancierte zum beliebtesten Regierungsmitglied. Warum tut er sich das an – vor allem trotz Krebserkrankung?
Nach stundenlangen Sitzungen am Sonntag steht fest: Andreas Babler weicht als SPÖ-Parteichef und Vizekanzler. In seinem Amt soll ihn Anfang des Jahres ein enger Vertrauter und langjähriger Unterstützer beerben: Finanzminister Markus Marterbauer. Im Sommer hatte er seine Krebserkrankung öffentlich gemacht. Und erst Ende Jänner hatte der 61-Jährige gesagt, er wolle das Budget in Ordnung bringen und „am Ende der Legislaturperiode, hab ich meiner Frau versprochen, in Pension zu gehen“. Nun also doch nicht?
Beste Beliebtheitswerte
2025 hatte Babler den ehemaligen Chefökonomen der Arbeiterkammer in die Regierung geholt. Vertrauensindices der vergangenen Monate wiesen Marterbauer als beliebtestes Regierungsmitglied aus, als Finanzminister in durchaus schwierigen Zeiten. Wieso? „Egal, ob in gemütlicher Runde, oder in einem Uni-Hörsaal: Er ist intellektuell, aber so, dass er es jedem erklären kann“, sagt Parteikollege und Freund Wolfgang Moitzi, der mit Marterbauer gerne wandern geht. „Das ist eine Stärke, die nur wenige haben.“ Andere sagen, Marterbauer sei ehrlich und rede nicht um den heißen Brei herum.
Galt er anfangs als linker Theoretiker, erwies sich der Wahl-Wiener auch in den Augen des Koalitionspartners mehr und mehr als Pragmatiker. Auch, wenn man sich über den Weg zu einem sanierten Budget nicht immer einig war, fand man eine Gesprächsebene.
Im Sommer machte Marterbauer seine Krebserkrankung öffentlich. Seither trägt er eine Kappe. „Alles Gute und viel Kraft, mein Freund“, wünschte ihm Babler danach. Nach den ruhigeren Sommermonaten hatte Marterbauer im September kaum in der Arbeit zurückgesteckt, heißt es – und auch jetzt wird er alle Hände voll zu tun haben. Sein hohes Arbeitspensum rang Regierungskollegen Respekt ab.
Viele Krebspatienten gehen weiterhin arbeiten
Wie lässt sich die Genesung mit der Arbeit vereinbaren? „Viele Krebspatienten entscheiden sich dafür, weiter zu arbeiten“, sagt Matthias Preusser, Abteilungsleiter der Onkologie am an der MedUni bzw. dem AKH Wien. Wie das gelingt, ist individuell und hängt vom Gesundheitszustand und vom Therapieplan ab: Eine Chemotherapie kann als Tablette, Spritze oder Infusion verabreicht werden und dauert wenige Minuten bis Stunden oder sogar mehrere Tage. Zum konkreten Zustand Marterbauers kann Preusser nichts sagen. „Lymphome sind aber gut behandelbar und haben oft eine günstige Prognose.“
Idealist als Vizekanzler
Warum tut er sich das an? Weggefährten attestieren Marterbauer nicht persönlichen Geltungsdrang, sondern vielmehr Idealismus. Er sei der Partei verbunden. „Ausschlaggebend ist sein unerschütterlicher Glaube, dass er etwas für die Gesellschaft verbessern kann“, sagt Matthias Schnetzer, der ihm 2025 im Amt des Chefökonomen der Arbeiterkammer nachgefolgt ist.
„Er kann auf jeden Fall Vizekanzler“, heißt es nicht nur aus den eigenen Reihen.
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