Vor den anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst stehen die Zeichen schon jetzt auf Sturm. Denn von einer Lohnzurückhaltung wie im Vorjahr ist bei der Gewerkschaft keine Rede mehr. Vida-Chef Roman Hebenstreit nennt zwar keine Prozentzahl, fordert aber einen vollen Ausgleich der rollierenden Inflation und darüber einen realen Lohnzuwachs.
Heuer im Herbst finden für rund 288.000 Beschäftigte in den Bereichen, Eisenbahn, Handelsarbeiter, Busbetriebe, Straßengüterverkehr und Sicherheitsdienstleistungen Lohnverhandlungen statt. Die Gewerkschaft Vida lässt dazu mit einer klaren Ansage aufhorchen: „Schluss mit der Lohndrückerei“. Boss Roman Hebenstreit fordert einen vollständigen Ausgleich der Inflation und reale Lohnzuwächse – insbesondere für niedrige und mittlere Einkommen.
„Beschäftigte haben ihren Beitrag geleistet“
Der Ober-Gewerkschafter begründet seine harte Linie vor allem mit der Entwicklung der letzten Jahre. Die Arbeitnehmer hätten in den Krisenjahren mit moderaten Abschlüssen teilweise unter der Teuerung ihren Beitrag zur Stabilisierung der Wirtschaft geleistet. Die Effekte seien jedoch ausgeblieben und Lebensmittel, Mieten und Energiepreise nicht entsprechend gesunken – während die Arbeitslosigkeit weiterhin hoch sei.
So zeigt die Schnellschätzung der Statistik Austria für September einen Preisanstieg von durchschnittlich 3,6 Prozent, während die Reallöhne seit 2019 im Schnitt um 0,8 Prozent gesunken sind. Hebenstreit sieht daher keinen Spielraum mehr für Abschlüsse unter der Inflation: „Alles unter einer Teuerungsabgeltung ist Lohnkürzung“.
Alles unter einer Teuerungsabgeltung ist Lohnkürzung.

Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft Vida
Bild: krone.tv
Gewerkschaft beklagt „Lohndrücker-Kartell“
Ein Dorn im Auge ist der Gewerkschaft auch die aktuelle Diskussion zum Fachkräftemangel. Es passe nicht zusammen, wenn Unternehmen fehlende Mitarbeiter beklagen, gleichzeitig aber die Löhne niedrig halten und keine Lehrlinge ausbilden, heißt es. Hebenstreit spricht von einem „Lohndrücker-Kartell“ als Zusammenspiel der Interessen von Arbeitgebern und Politik. Durch die Ausweitung der Rot-Weiß-Rot-Karte, höherer Saisonierskontingente und einer längeren Mangelberufsliste würde das Arbeitskräfteangebot steigen und damit der Lohndruck dämpfen. Statt den Mitarbeitermangel zu beklagen, sollte die Betriebe handeln. Hebenstreit: „Wenn wir Fachkräfte brauchen, müssen wir sie auch ausbilden“. Erstmals gebe es in Österreich weniger als 100.000 Lehrlinge.
„Löhne als Konjunkturmotor“
Die Kaufkraft der Österreicher sei auch entscheidend für den privaten Konsum und somit für die wirtschaftliche Entwicklung. Höhere Löhne seien damit ein wirtschaftspolitisches Instrument, denn Menschen mit niedrigem bzw. mittlerem Einkommen würden zusätzliches Einkommen überwiegend wieder ausgeben, etwas für Lebensmittel, Energie oder Dienstleistungen. „Österreich kann sich nicht gesundsparen. Lohnzurückhaltung schwächt vielmehr die Nachfrage“, so Hebenstreit abschließend. Die Ansagen der Gewerkschaft dürften zu einem heißen Herbst führen.
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