Streit um Arbeitszeit

WKV-Chef Fässler schießt gegen Gewerkschaft

Vorarlberg
09.09.2026 11:15
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Weniger schuften, aber volles Gehalt kassieren? Die Wirtschaftskammer Vorarlberg erteilt den Plänen der Gewerkschaft eine radikale Absage – und rechnet vor, warum das Modell den Wirtschaftsstandort ruiniert.

Die Debatte um die Arbeitszeit in Österreich schlägt erneut hohe Wellen. Nach den jüngsten Forderungen des Interregionalen Gewerkschaftsrat Bodensee (IGB) nach einer generellen Arbeitszeitverkürzung meldet sich nun Julian Fässler, Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) zu Wort:  „Österreich braucht mehr Wertschöpfung, nicht weniger Arbeitsvolumen“, stellt er klar. Bei Arbeitskräftemangel und schwacher Produktivitätsentwicklung sei weniger Arbeit der falsche Weg.

Deutlicher Rückgang der geleisteten Arbeitszeit
Zur Begründung verweist Fässler auf die Faktenlage der vergangenen Jahre: Die tatsächlich geleistete Arbeitszeit lag im Jahr 2025 bei nur noch rund 29,4 Stunden pro Woche – ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vor-Pandemie-Jahren. Die Kammer-Verantwortlichen fordern ein Umdenken bei den Arbeitnehmervertretern. „Vor diesem Hintergrund eine weitere generelle Arbeitszeitverkürzung zu fordern, ist wirtschaftspolitisch schlicht widersinnig“, betont Fässler. Wer jetzt pauschal die Zeiten weiter kürze, verschärfe den Arbeitskräftemangel und reduziere die wirtschaftliche Leistung des Landes.

Besonders kritisch beurteilt die WKV den geforderten vollen Lohnausgleich. Steigen die Lohnkosten pro Stunde schneller als die Produktivität, verteuere sich die Produktion und der Standort verliere international an Boden. „Wer weniger arbeiten will, muss auch sagen, wer am Ende die Rechnung bezahlt. Wohlstand entsteht nicht durch Arbeitszeitverkürzung, sondern durch Wertschöpfung und Produktivität“, erklärt der WKV-Direktor.

Fässler: Produktivität muss erhöht werden
Man könne nicht dauerhaft weniger Stunden leisten, höhere Löhne und mehr Sozialleistungen verlangen und vorgeben, dass die Wertschöpfung automatisch gleich bleibe. „Diese Rechnung geht nicht auf“, warnt Fässler. Die zentrale wirtschaftspolitische Aufgabe laute deshalb nicht, die vorhandene Arbeitszeit immer weiter zu reduzieren, sondern die Produktivität zu erhöhen, Arbeitskräfte zu mobilisieren und Leistung wieder attraktiver zu machen. Darüber sollten die Gewerkschaftsfunktionäre gründlich nachdenken.

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