Nordkorea hat nach eigenen Angaben eine Mittelstreckenrakete getestet, die ihre Flugbahn mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) verändern kann. Die am Samstag abgefeuerte Rakete sei „in der Lage, ihre Flugbahn in geringer Höhe zu ändern und KI wurde darin integriert“, erklärte die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong-un, Kim Yo-jong. Südkorea hatte zuvor über das Abfeuern der Rakete berichtet.
Laut Kim Yo-jong bedeutet der Einsatz von KI in der Rakete, dass es „keinen Weg gibt, ihr auszuweichen“. Ihr Bruder sei der Überzeugung, dass „kein anderes Land in der Welt für zumindest viele Jahre Zugang zu einer solchen Technologie“ haben werde. Kim Jong-un hatte im vergangenen Monat die Notwendigkeit hervorgehoben, „das Ausmaß von Künstlicher Intelligenz“ in den Waffensystemen zu erhöhen.
Experten sehen russische Unterstützung
Experten zufolge könnte Nordkorea seine Raketentechnik mit russischer Unterstützung schnell vorantreiben, im Austausch für die Entsendung von Truppen für den Krieg gegen die Ukraine. Laut Hong Sung-pyo vom Korea Institute for Military Affairs in Seoul ist die nordkoreanische Raketentechnik bisher noch nicht sehr fortgeschritten im Vergleich mit „führenden militärischen Mächten.“
Für eine Einschätzung der nordkoreanischen Angaben über die Fähigkeiten sei es noch zu früh, sagte er. Der Einsatz von KI in ballistischen Raketen und in Drohnen ist laut Hong nicht ungewöhnlich, wie der Ukraine-Krieg und der Iran-Krieg gezeigt hätten.
700 Kilometer weit geflogen
Der Generalstab in Seoul hatte am Samstagmorgen mitgeteilt, dass die Armee eine ballistische Rakete entdeckt habe, die aus dem Gebiet um Wonsan in Nordkorea in Richtung des Japanischen Meers abgefeuert worden sei. Die Rakete sei mehr als 700 Kilometer weit geflogen.
Das südkoreanische Präsidialamt berief nach dem Raketenstart eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein. Das südkoreanische Militär erklärte, es habe seine Überwachung wegen weiterer möglicher Raketentests verstärkt und werde Geheimdienstinformationen mit den USA und Japan austauschen.
Vor dem Raketenstart hatte Kim Yo-jong, die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong-un, eine Erklärung veröffentlicht. Darin wies sie die Forderung Seouls nach einer Entschuldigung für den Einsatz nordkoreanischer Minen zurück. Durch die Minen waren in der Demilitarisierten Zone zwei südkoreanische Soldaten bei einem Aufklärungseinsatz schwer verletzt worden.
Die Demilitarisierte Zone ist ein schwer befestigtes, vier Kilometer breites Grenzgebiet zwischen den beiden koreanischen Staaten. Nordkorea hat seine feindselige Haltung gegenüber dem Süden in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Die Regierung in Pjöngjang hat die Wiedervereinigung als nationales Ziel aufgegeben und bezeichnet Südkorea als ihren „Hauptfeind“.
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