Protest gegen Ortstaxe

Hoteliers wollen nicht „Melkkuh von Wien“ sein

Wien
29.09.2026 16:00

Pläne für die nochmalige Steigerung der Ortstaxe würden Wiener Hotels reihenweise „das Genick brechen“ und so die Wirtschaft der Stadt mit in die Tiefe ziehen, wird gewarnt. Schon jetzt zeige der genaue Blick auf die Zahlen, dass Wiens Tourismus ins Hintertreffen gerate.

Vor einem Jahr konnten Wiens Hoteliers Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) noch eine schlagartige Anhebung der Ortstaxe von 3,2 auf 8,5 Prozent ausreden. Angesichts der jüngsten Tourismus-Zahlen warnen Wirtschaftskammer und Hoteliersvereinigung (ÖHV) aber gemeinsam, dass auch die schrittweise Erhöhung – zuerst 5 Prozent, ab Juli 8 Prozent – „vielen das Genick brechen wird“, vor allem einheimischen Hoteliers.

„Schlaraffenland“-Träume von Hotellerie im Rathaus?
Kammer-Obmann Felix Neutatz und ÖHV-Vize Alexander Ipp spüren die Ortstaxe in den eigenen Häusern: Dem einen gehört das Hotel am Stephansplatz, dem anderen das arte Hotel bei der Stadthalle. Das Rathaus habe eine „schlaraffenartige Vorstellung von der Wiener Hotellerie“, zürnen sie: Man könne die Ortstaxe nicht einfach auf die Preise aufschlagen, „wir zahlen die Ortstaxe zur Gänze selbst!“ Das bedeute für manche Häuser, dass am Ende des Jahres nichts mehr für Instandhaltung, Erneuerungen, oder gar Ausbau und Gewinn übrigbleiben werde.

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Einen Beitrag zu leisten, ist okay, aber wir sind nicht die Melkkuh der Stadt

WKW-Hotellerie-Obmann Felix Neutatz

In Zeiten knapper Budgets „einen Beitrag zu leisten, ist okay, aber wir sind nicht die Melkkuh der Stadt“, empört sich Ipp. Der geleistete Beitrag der Hoteliers durch die Ortstaxe sei ohnehin, auch durch steigende Gästezahlen, inzwischen auf 41, 7 Millionen Euro gestiegen: „Ist das nix? Wenn die Stadt solche Summen für nix hält, dann versteht man die Schieflage im Budget.“

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Die Ortstaxe betrifft 450 Betriebe in der Stadt. Was ist mit den 125.000 anderen?

Hoteliersvereinigung-Vize Alexander Ipp

Die Hoteliers sehen durch die Ortstaxe ein absolutes Ungleichgewicht in der Belastung: „Das betrifft 450 Betriebe in der Stadt. Was ist mit den 125.000 anderen?“ Sie finden: Die Erhöhung der Ortstaxe sei eine „relativ schnell getroffene Willkürentscheidung“ gewesen, die man auch ebenso schnell wieder zurücknehmen könne, oder zumindest bei fünf Prozent Ortstaxe einfrieren.

„Weniger Tourismus – ist es das, was die Stadt will?“
Schon jetzt entwickle sich Wien immer schlechter im Vergleich zum Rest von Österreich“, warnen Ipp und Neutatz: Während der österreichweite Städtetourismus vergangenen Sommer um fast vier Prozent mehr Umsatz pro Hotelzimmer gemacht habe, sei der Wert in Wien um drei Prozent gesunken. Eine achtprozentige Ortstaxe würde mit den Hotels auch „den Tourismus, den Handel, aber genau so den Installateur und den Tischler, die im Hotel Reparaturen durchführen, und viele andere mehr“ in die Tiefe ziehen.

„Weniger Tourismus und eine Marktbereinigung zugunsten internationaler Hotelketten – ist es das, was die Stadt will?“, so die Hotelbetreiber mit Verweis auf Amsterdam: Das sei weltweit die einzige Stadt mit einer vergleichbaren Ortstaxe – und zwar als deklarierte Maßnahme, um angesichts von Übertourismus möglichst viele Menschen von der Reise dorthin abzuhalten.

Rathaus bleibt fürs Erste hart
Im Rathaus dürften die Hoteliers jedoch fürs Erste auf Granit beißen: Finanzstadträtin Novak betont die „wichtigen Einnahmen für Tourismus, Infrastruktur und Lebensqualität“, die die erhofften 94 Millionen Euro aus der Ortstaxe nach der Erhöhung brächten. Noch dazu handle es sich dabei um eine Abgabe, die zu 80 Prozent von Nächtigungsgästen aus dem Ausland bezahlt werde.

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