„Lässige Haxn ...“

So macht sich Kickl über SPÖ und Zeiler lustig

Innenpolitik
28.09.2026 14:35

Nach der Ankündigung von Medienmanager Gerhard Zeiler bei KronePLUS, den SPÖ-Parteivorsitz übernehmen zu wollen, stehen die Genossen wieder einmal vor einer Zerreißprobe. FPÖ-Chef Herbert Kickl machte sich am Montag im Nationalrat über den aktuellen Zustand der Sozialdemokratie lustig und überschüttete diese mit Spott und Hohn. Der rote Konter ließ nicht lange auf sich warten.

Kickl würden die roten Abgeordneten im Hohen Haus besonders leidtun. So zählte der Chef der Freiheitlichen die „opportunistischen Umfaller“ der Parteibasis in den letzten Jahren auf – zunächst von Pamela Rendi-Wagner auf Hans Peter Doskozil und wenig später von Doskozil auf Andreas Babler.

„Und jetzt ist schon wieder keine Ruhe, möglicherweise muss man schon wieder opportunistisch umfallen – dieses Mal vom Marxismus zum Kapitalismus amerikanischer Prägung“, spottete Kickl. 

„Aus ,Klassenkampf ist super‘ ist ,Klassenkampf ist gaga‘ geworden“ 
Ihm zufolge hätten die SPÖ-Parolen unter Babler bisher so gelautet, dass Multimillionäre böse Kapitalisten und übliche Klassenfeinde seien, die am besten aus dem Land vertrieben müssten. „Die neue Parole lautet jetzt: Multimillionäre sind ganz lässige Haxn, die besten Sozialdemokraten, die es überhaupt gibt, die Lichtgestalten des Sozialismus“, so Kickl süffisant.

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Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral.

FPÖ-Herbert Kickl verwendete in seiner Analyse über den Zustand der SPÖ ein Zitat des Lyrikers Bertolt Brecht 

Aus seiner Sicht sei aus dem SPÖ-Motto „Klassenkampf ist super“ nun „Klassenkampf ist gaga“ geworden. „Und die roten Lichtgestalten sind die Allerbesten, wenn sie dann aus der Altersklasse 70+ kommen“, so Kickls Seitenhieb auf Zeiler Alter. Kickl schloss mit dem Satz: „Ganz Österreich weiß, dass die meisten Windräder im Land nicht irgendwo draußen in der Natur stehen, sondern sich in den Reihen der Sozialdemokratie befinden.“

Medienmanager Gerhard Zeiler will Andreas Babler als SPÖ-Bundesparteiobmann ablösen.
Medienmanager Gerhard Zeiler will Andreas Babler als SPÖ-Bundesparteiobmann ablösen.(Bild: APA/Florian Wieser)

Kucher kontert: „Kickl hat Hofer als Parteichef abmontiert“
SPÖ-Klubobmann Philip Kucher konterte den spöttischen Bemerkungen Kickls prompt und verwies auf dessen Umgang mit seinen Vorgängern. „Kickl hat Norbert Hofer als Parteichef abmontiert, während dieser auf Reha war. Bei Heinz-Christian Strache hat Kickl plötzlich nicht mehr gewusst, dass er ihn überhaupt gekannt hat.“

SPÖ-Klubobmann Philip Kucher konterte den Aussagen Kickls.
SPÖ-Klubobmann Philip Kucher konterte den Aussagen Kickls.(Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)

Schließlich kam Kucher auch auf die politischen Differenzen zwischen Kickl und Jörg Haider zu sprechen: „Haider hat einmal über Kickl gesagt, dass dieser zu radikal für die Politik ist. Dann hat Kickl Haider ständig beleidigt. Jetzt trauert er ihm nach – DAS ist Opportunismus“, so Kucher.

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Bei Heinz-Christian Strache hat Kickl plötzlich nicht mehr gewusst, dass er ihn überhaupt gekannt hat.

SPÖ-Klubchef Philipp Kucher

Doskozil gegen Zeiler
In der Causa Zeiler selbst war Kucher bereits vor seiner Rede im Parlament um Beruhigung bemüht. Nach der Klubsitzung stellte er sich demonstrativ hinter Parteichef Andreas Babler. Zeilers Vorstoß wollte er nicht kommentieren, nur so viel: „Ich glaube, dass diese öffentlichen Personaldebatten auch ganz gut ohne mein Zutun funktionieren.“ Schaden von der SPÖ abwenden könne man nur, indem man solche Diskussionen intern führe und weiterhin die „Probleme der Bevölkerung“ löse. Auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil sprach sich gegen Zeiler als SPÖ-Parteichef aus.

Auch Marterbauer macht Babler die Mauer
Auch Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) äußerte Sympathien für einen Verbleib Bablers. Darauf angesprochen, dass Zeiler bei der SPÖ mangelnde Wirtschaftskompetenz ortet, meinte er nach Aufzählung zahlreicher Vorhaben: „Die Partei, die Wirtschaftskompetenz hat, ist die SPÖ.“ Auch lobte Marterbauer, dass er in einem „guten Team“ in der Regierung arbeite und betonte, dass ihn Babler in die Regierung geholt habe.

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) äußerte am Montag Sympathien für einen Verbleib Bablers ...
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) äußerte am Montag Sympathien für einen Verbleib Bablers als Parteichef.(Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)

Wie geht es in der SPÖ nun weiter?
Völlig unklar ist, wie es nach der Ankündigung Zeilers, der bisher keine Taten folgten, weitergeht. Der nächste Vorstand tagt erst Anfang November und zumindest Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim sieht keinen Anlass, die Sitzung vorzuziehen. Er verwies auf Zeilers Aussagen im „Krone“-Interview, wonach dieser den Oktober in New York, London und auf Urlaub verbringen wolle.

Sehr schweigsam blieben bisher andere großen Namen im SPÖ-Parlamentsklub. Weder FSG-Chef Josef Muchitsch, der jüngst in einer internen Sitzung einen Personalwechsel gefordert hatte, noch der Vorsitzende der Produktionsgewerkschaft pro-ge Reinhold Binder, wollten am Montag einen Kommentar abgeben. Andere sagten auch nicht viel mehr: „Wir haben jetzt einen Vorsitzenden“, meinte immerhin Jan Krainer.

Selma Yildirim betonte, mit Babler einen gewählten Vorsitzenden zu haben, derartige Führungsdebatten in der Partei würden seit Jahren ähnlich verlaufen. Ihr eigentliches Problem: „Die Umfragen machen uns ernsthaft Sorgen.“ Sicherheitssprecher Maximilian Köllner hat „eine klare Meinung“, wer Vorsitzender sein sollte, sagte dies aber öffentlich nicht.

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