Das Wien Museum will wieder mit Hilfe der Bevölkerung klüger werden: Nach mehreren anderen erfolgreichen Crowdsourcing-Projekten geht es nun um unzählige alte Stadtansichten, die durch das Insider-Wissen von Wienerinnen und Wienern über ihre Heimat-Grätzeln mit Leben erfüllt werden sollen
Die ohnehin schon unermesslichen Archivbestände des Wien Museums bekommen durch die Digitalisierung der Bestände ständig weiter Zuwachs, werden so dauerhaft bewahrt und im Internet für alle sichtbar. Daraus will das Museum mit einem weiteren Crowdsourcing-Projekt Nutzen ziehen und die Sammlung von seit dem 19. Jahrhundert fotografierten Stadtansichten mit dem Wissen der Wiener Bevölkerung von heute hinterlegen.
Es geht um weit mehr als „nur“ die Adresse
2691 Fotos auf crowdsourcing.wien sind erst der Anfang, denn im ersten Schritt geht es nur um Ansichten aus der Josefstadt, Penzing, Döbling und der Brigittenau. Weitere Bezirke werden nach und nach folgen. Alles, was man an Information zu den gezeigten Ansichten geben kann, ist erwünscht. Es geht nicht nur um die Verortung der Ansichten – die Adresse ist bei vielen Ansichten bekannt, leicht festzustellen und steht manchmal sogar in den Bildern. Mehr aber auch nicht.
Jede und jeder kann nach einer kurzen Registrierung an dem Projekt teilnehmen, sich bisher unerforschte Fotos vornehmen oder die von anderen bisher zusammengetragenen Fakten kritisch bewerten. Man setze bewusst auf „menschliche Expertise“, betont das Wien Museum: „Rückseitige handschriftliche Notizen, individuelle Beschriftungen und bildliche Besonderheiten erfordern Kontextwissen, Genauigkeit und ein Gespür für historische Zusammenhänge.“
Für das Wien Museum ist die Mitwirkung der Bevölkerung alles andere als nur ein Gag. Die gemeinsame Entschlüsselung von alten Kochrezepten etwa, zu der auch die „Krone“ aufgerufen – und bei einem Test die Künstliche Intelligenz an ihre Grenzen gebracht – hatte, ist etwa bereits zu 97 Prozent abgeschlossen. Die Hälfte der Rezepte braucht allerdings noch einen zweiten kundigen Blick für eine Überprüfung, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügt – denn schließlich werden alle Beiträge der Wienerinnen und Wiener bei dem Crowdsourcing-Projekt Teil des offiziellen Gedächtnisses der Stadt.
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