„Krone“-Kommentar

Die Kostenfalle der Künstlichen Intelligenz

Kolumnen
21.09.2026 06:00

Einem ehemaligen Wissenschaftler des US-Techkonzerns Anthropic zufolge könnte uns die KI bis 2030 auslöschen. Doch was steht uns realistischerweise wirklich bevor?

Ein neuer Wirtschaftsreport des Unternehmens skizziert drei mögliche Entwicklungen: Im ersten Szenario wirkt KI wie das Internet – langsam und schrittweise, die Jobs bleiben weitgehend stabil. Im zweiten wächst die Künstliche Intelligenz doppelt so schnell und übernimmt die Hälfte der Wissensarbeit. Die Arbeitslosigkeit steigt, während klassische Bürojobs kaum noch Gehaltszuwächse bieten. Im dritten Szenario wächst die US-Wirtschaft um 32 Prozent – rund 11.000 Milliarden US-Dollar mehr. Dafür müsste sich die maschinelle Intelligenz aber selbst verbessern können.

Bemerkenswert ist: Das größte Wirtschaftswunder ist zugleich an das größte Risiko der Computerintelligenz gekoppelt. Denn von einem immer größeren wirtschaftlichen Kuchen könnte am Ende trotzdem nur ein immer kleinerer Teil bei den Menschen ankommen. Anthropic rechnet im extremen Szenario damit, dass sich das Verhältnis zwischen Arbeit und Kapital sogar umkehrt: Statt rund 60 Prozent des Einkommens für Arbeitnehmer und 40 Prozent für das Kapital könnten es 2030 etwa 45 zu 55 sein. Die Wirtschaft wäre deutlich reicher – aber dieser Reichtum würde sich stärker zum Kapital verschieben.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, wie intelligent die KI wird, sondern: Wie wird der zusätzliche Wohlstand verteilt? Was bringt eine Wirtschaft, die um Milliarden wächst, wenn diejenigen, deren Arbeit ersetzt wird, kaum davon profitieren? Das ist die eigentliche Kostenfalle der KI.

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