Ein prächtiges Farbenspiel am Himmel, das die Menschheit seit jeher fasziniert. Auch der Naturfotograf Bernd Römmelt ist ein „Polarlichtsüchtiger“ und seit fast 30 Jahren hinter dem Naturphänomen her. Über 160 seiner schönsten Fotos finden Sie in seinem Bildband „Polarlichter“.
Ein unerklärliches Glühen am finsteren Nachthimmel – und niemand weiß so recht, woher es kommt und was es bedeutet. Kein Wunder, dass sich zahlreiche nordische und skandinavische Mythen jahrhundertelang rund um die Nordlichter rankten. Die Wikinger glaubten, das Leuchten am Himmel sei eine Reflexion der Rüstungen und Schilde der Walküren. Eine andere Legende besagt, dass die Lichter der Atem von gefallenen Soldaten wären. Auf Island darf man die Himmelserscheinung keinesfalls anpfeifen – die Geister von Verstorbenen würden dadurch geweckt und herbeigerufen.
Der Wind pfeift, die Kamera und die Finger frieren
Viel Aberglaube also um ein Himmelsphänomen, welches sich mittlerweile wissenschaftlich erklären lässt: Die Sonne schleudert ständig winzige, geladene Teilchen ins All, den Sonnenwind. Diese Teilchen treffen auf das Magnetfeld der Erde, welches sie ablenkt und entlang der Feldlinien in die Polarregionen am Nord- und Südpol führt. In der Erdatmosphäre prallen die Teilchen auf diverse Gase, so entstehen die unterschiedlichsten Farben. Sauerstoff leuchtet meist grün oder rot, Stickstoff eher violett oder blau.
Die Leidenschaft für Polarlichter erwachte bei dem deutschen Naturfotografen Bernd Römmelt in einer kalten Nacht im September 1997: „Ich zeltete an den nördlichen Ausläufern der Brooks Range im Norden Alaskas, als plötzlich ein blassgrüner Schleier am noch nicht ganz dunklen Himmel auftauchte. Die dünnen Farbspuren begannen, sich langsam nach oben zu ziehen und intensiv grün zu leuchten. Ich war wie gebannt, es lag etwas Magisches in der Luft.“


Auch in Österreich kann man Polarlichter sehen
Seit damals zog es den heute 57-Jährigen regelmäßig in den hohen Norden. Neben Alaska auch nach Nordkanada, Grönland, Island oder Skandinavien. Die Jagd nach den Nordlichtern ist ein Abenteuer in Kälte, Eis, Schnee und Dunkelheit. Geduld und die richtige Ausrüstung sind wohl die wichtigsten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Beutezug. Und trotzdem wird der Einsatz nicht immer belohnt – aber wenn doch, dann gleicht kein Nordlicht dem anderen. Farbe, Form und Ausbreitung werden von der Natur gezeichnet. Genauso wichtig, wie die Polarlichter selbst ist dem preisgekrönten Naturfotografen auch die Landschaft, in der sie erscheinen. Ob über Wasser, karger Gras- oder Schnee- und Eislandschaft.
Sehr große Chancen, Polarlichter selbst zu beobachten, bestehen ab sofort. Zwischen Ende September und Ende Februar zeigen sie sich in nördlichen Regionen. Doch auch in unsere Breiten verirren sie sich immer wieder. Erst im Jänner dieses Jahres gab es spektakuläre Schauspiele am Himmel über Österreich. Also Augen auf und den Blick nach oben richten.
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