Charles Spencer verteidigt die brisanten Enthüllungen über seine Schwester Diana vehement. Sein Buch bezeichnet der 62-Jährige als persönlichen „Schwanengesang“, danach komme nichts mehr. Zugleich zieht Spencer Parallelen zwischen Dianas Schicksal und dem Umgang der Öffentlichkeit mit Prinz Harry und Herzogin Meghan. Aussagen, die im Palast für neuen Unmut sorgen dürften.
Fast 30 Jahre nach dem Tod von Prinzessin Diana sorgt ihr Bruder Charles Spencer mit seinen Memoiren „Swan Song: Meine Schwester Diana“ für heftige Debatten in Großbritannien. In einem am Sonntag ausgestrahlten BBC-Interview verteidigt der 62-Jährige seine Schilderungen als wahr und rechnet erneut mit der Boulevardpresse ab, der er schon damals eine Mitschuld an Dianas Tod gab. Zugleich zieht Spencer Parallelen zwischen der Behandlung seiner Schwester und der Berichterstattung, der heute sein Neffe Prinz Harry und dessen Frau Herzogin Meghan ausgesetzt seien.
„Krebserregender Einfluss“
„Wenn man sich Zeitungsartikel über Diana oder Harry und Meghan ansieht, können diese wirklich sehr unangenehm sein“, sagte Spencer im Gespräch mit BBC-Journalistin Laura Kuenssberg. Der ständige öffentliche Druck könne für einen Menschen, der täglich auf diese Weise angegriffen werde, einen „krebserregenden Einfluss“ auf das Leben haben.
Spencer, der als jüngerer Bruder Dianas Harrys Onkel ist, sieht darin eine Lehre aus der Vergangenheit. Die Erfahrungen seiner Schwester müssten seiner Ansicht nach ernst genommen werden.
Sorge um Harrys Sicherheit
Besorgt zeigte sich der Earl auch über die Sicherheitslage seines Neffen. Harry stehe in der britischen Thronfolge immerhin an fünfter Stelle und habe beim Militär gedient. Spencer sprach sich deshalb für einen angemessenen Polizeischutz aus.
„Ich persönlich mache mir Sorgen darüber, dass der Fünfte in der Thronfolge, der beim Militär gedient hat, keinen Polizeischutz genießt“, sagte er. „Als Onkel, der seine Schwester unter sehr, sehr vermeidbaren Umständen sterben sah, würde ich eher zum Schutz tendieren.“
Spencer verteidigt brisante Diana-Memoiren
Gleichzeitig wehrte sich der Earl gegen die Kritik an seinen neuen Memoiren „Swan Song, My Sister Diana“ – auf Deutsch etwa „Schwanengesang, meine Schwester Diana“. Anders als der Titel vermuten lasse, gehe es darin nicht um einen letzten Blick auf seine Schwester, sondern um den Abschluss seiner eigenen Geschichte.
„Ich befinde mich im letzten Kapitel meines Lebens, danach kommt nichts mehr“, erklärte Spencer. Er verwies dabei auch auf seine Familiengeschichte: Seine Eltern seien beide bereits in ihren 60ern gestorben. Er habe deshalb das Bedürfnis verspürt, seine eigene Geschichte aufzuarbeiten.
Den Vorwurf, er habe das Buch vor allem aus finanziellen Gründen geschrieben, wies Spencer zurück.
Nur zwei Telefonate mit König Charles
Besonders heißt diskutiert werden in Großbritannien nach Bekanntwerden der ersten Auszüge aus dem Buch, seine Schilderungen über das Verhältnis zu König Charles III. Mit seinem ehemaligen Schwager habe er in seinem gesamten Leben lediglich zweimal telefoniert, stellte er in dem BBC-Interview klar. Beide Gespräche hätten mit Dianas Tod zu tun gehabt.
Das erste Telefonat habe am Todestag seiner Schwester stattgefunden. Charles habe ihm damals mitgeteilt, dass er William und Harry auf Schloss Balmoral vom Tod ihrer Mutter erzählt habe.
Spencer schildert in seinen Memoiren, er habe den damaligen Prince of Wales in diesem Moment beinahe erleichtert wahrgenommen – „wie ein Lottogewinn“. „Ich hatte den Eindruck, dass da so eine Art ausgelassener Ton mitschwang“, sagte er der BBC. Der Earl war damals in seinem Haus in Südafrika gewesen und hätte seine kleinen Kinder für den Tag fertig gemacht. Seine Tochter Eliza hätte nicht glauben wollen, dass ihre Tante tot sein.
Zugleich macht der Earl deutlich, dass es sich dabei um seine persönliche Erinnerung an einen fast 30 Jahre zurückliegenden Moment handelt, den er für sich so interpretiert habe.
„Sie werden sie bald vergessen“
Noch heftiger umstritten ist Spencers Darstellung eines zweiten Telefonats. Dabei soll es um die Beerdigung Dianas und insbesondere um den Gang der beiden jungen Prinzen hinter dem Sarg ihrer Mutter gegangen sein. Nachdem er einen Palastmitarbeiter gegenüber gesagt hatte, gegen die Teilnahme der jungen Prinzen am Trauerzug zu sein, hätte ihn wenig später der heutige König angerufen.
Dieser sei aufgebracht gewesen. Spencer zufolge habe Charles damals sinngemäß gesagt, man werde Diana schon bald vergessen. Eine Aussage, die der Earl auch im BBC-Interview nicht zurücknehmen wollte. Im Gegenteil, er habe sogar den Beweis dafür, dass dies so gesagt wurde. Als Beleg verwies er auf seine berühmte Trauerrede in der Westminster Abbey im September 1997.
Damals habe er direkten Bezug auf die Worte des heutigen Königs genommen. Am Ende seiner Trauerrede sagte der Graf von Spencer: „Vor allem danken wir für das Leben einer Frau, die ich mit so großem Stolz meine Schwester nennen darf – der einzigartigen, vielschichtigen, außergewöhnlichen und unersetzlichen Diana, deren innere und äußere Schönheit niemals aus unserem Gedächtnis verlöschen wird.“
Palast weist Vorwürfe zurück
Der Buckingham-Palast hatte Spencers Darstellung zuvor zurückgewiesen. Dabei wurde laut den vorliegenden Angaben darauf verwiesen, dass Trauer und die Erinnerung an Ereignisse die persönliche Wahrnehmung im Laufe der Jahre beeinflussen könnten.
Für Charles Spencer ein Versuch, seine Erinnerungen zu manipulieren. Die Reaktion des Königshauses bezeichnete er als „unter der Gürtellinie“ und stellte klar, dass er bei seiner Darstellung bleibe.
Seine Neffen, Prinz William und Prinz Harry, sollten von seinen Aussagen kaum überrascht worden sein, glaubt der Earl. Bei britischen Royal-Kommentatoren hingegen sorgten die offenen Worte über den König für Irritation. Vor allem, dass Charles Spencer nun auch die beiden Prinzen, William und Harry, in seine Abrechnung hineinzieht, stößt vielfach auf Unverständnis.
Diana wünschte sich „glückliche Söhne“
Besonders für Prinz William könnten die Enthüllungen schmerzhaft sein. Spencer beschreibt dessen Verhalten bei Dianas Beerdigung als „gefasster“ als das seines jüngeren Bruders Harry. William war damals gerade 15 Jahre alt und musste hinter dem Sarg seiner Mutter durch die Straßen Londons gehen. Die Wortwahl seines Onkels lässt damit den Eindruck entstehen, William habe seine Trauer weniger offen gezeigt als sein damals deutlich jüngerer und von dem Verlust schwer traumatisierter Bruder.
Was den Streit zwischen den beiden Brüdern betrifft, so hofft der Graf auf eine Versöhnung. Er stehe dabei auf niemandes Seite. „Ich stehe auf der Seite der Söhne meiner verstorbenen Schwester, auf der Seite beider. Und wenn einer von ihnen etwas bräuchte, wäre ich genauso für ihn da“, erklärte Spencer der Interviewerin. Es gebe „viele Gründe auf beiden Seiten“, warum die Beziehung der Brüder „diesen Punkt erreicht“ habe.
Einmischen wolle er sich da nicht, auch wenn er überzeugt ist, dass Diana sich glückliche Söhne wünschen würde: „Ich hoffe, dass sich die Sache eines Tages klärt, aber ich weiß nicht alles – ich weiß ganz sicher nicht, was im Detail geschehen ist, und deshalb käme es mir aufdringlich vor, wenn ich mich stärker einmischen würde, als zu sagen, dass eine Mutter natürlich möchte, dass ihre beiden Söhne glücklich miteinander sind und sich lieben.“
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