Läuft frei herum

20 Beamte müssen täglich Terror-Bubi (16) bewachen

Wien
21.09.2026 05:30

Nach der Attentats-Planung im Kinderzimmer wurde er bereits zweimal verurteilt. Nun wurde der junge IS-Fan erneut vorzeitig aus der Haft entlassen und steht unter ständiger Beobachtung.

Der brisante Fall ist ein Paradebeispiel für verfehlte Deradikalisierung. Andere in seinem Alter gehen in die Schule, spielen Fußball und haben die erste Freundin. Nicht so der Wiener mit türkischen Wurzeln. Mit erst 14 Jahren macht er im Februar 2025 durch einen verhinderten Anschlag auf den Wiener Westbahnhof weit über die Grenzen Österreichs hinaus erstmals Schlagzeilen.

Strichmännchen mit Macheten
Der über TikTok radikalisierte Jugendliche hat offenbar Großes vor. Sichergestellte Skizzen zeigen das Gebäude, ebenso Strichmännchen mit Macheten und Maschinengewehren, die Passanten und Polizisten töten. Auf einer weiteren Zeichnung die Anleitung für eine Bombe. Passendes Material liegt im Keller des Wohnhauses: Aluminiumrohre, Tischbeine, Tape. Und eine Flagge mit dem islamischen Glaubensbekenntnis.

(Bild: Mario Urbantschitsch)

„Jeden erstechen, der mir in Quere kommt“
Im Chat mit einem gleichgesinnten IS-Fanatiker schreibt er: „Ich werde ein Blutbad anrichten und jeden erstechen, der mir in die Quere kommt.“ Verurteilt wegen Terrorverdachts, kommt Can (Anm. Namen von der Redaktion geändert) vergangenen Herbst wieder auf Bewährung frei.

„Will als Märtyrer auf dem Weg Gottes sterben“
Aber nur kurz: denn vier Wochen klicken erneut die Handschellen. Der Jugendliche will sich ein 12-Zentimeter-Kampfmesser im Army-Shop kaufen. Was seinem Cousin – während er vor dem Geschäft wartet – gelingt. Wieder steht der mittlerweile 15-Jährige im März dieses Jahres vor demselben Richter. Der Suchverlauf auf seinem beschlagnahmten Handy: Messer, Nagelbombe, Rohrbombe, „Machete kaufen“, „Axt kaufen“. „Ich will als Märtyrer auf dem Weg Gottes sterben. Wer will das nicht?“, so Can im Prozess.

Zitat Icon

Dieser brisante Fall des Terrorverdächtigen ist eine Bankrotterklärung der Regierung für die Sicherheit der Österreicher.

FPÖ-Nationalrat Reinhald Maier

Nach dem zweiten Schuldspruch sitzt er in der Justizanstalt Klagenfurt, wo er den Villach-Attentäter verherrlicht. Obwohl die Anstaltspsychologin schon 2025 warnt („extrem gefährlich“), wird der nun 16-Jährige Ende August wieder vorzeitig entlassen.

20 Beamte pro Tag sind für IS-Fanatiker notwendig
Auch die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) ist ob seiner Radikalität höchst alarmiert. Während offiziell von „geeigneten Maßnahmen“ gesprochen wird, deckt die FPÖ auf, dass das frei herumlaufende Terror-Bubi praktisch rund um die Uhr überwacht werden muss. Die Elite-Polizei Cobra ist jederzeit auf Abruf. Pro Tag sind für die aufwendige Beobachtung 20 Beamte notwendig. Eine große Belastung für die ohnehin dünne Personaldecke der Exekutive.

Nationalratsabgeordneter Reinhold Maier, stellvertretender FPÖ-Sicherheitssprecher und selbst Polizeigewerkschafter, übt deshalb heftige Kritik: „Die Justiz hat hier zweimal unverantwortlich gehandelt – und ausbaden müssen es die Polizisten.“

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