Pröll ist jetzt am Zug

Kanzler stampft alte „KI-Mission“ Österreichs ein

Innenpolitik
14.09.2026 05:45

Österreich verpasst sich eine neue KI-Strategie – und das mehr als drei Jahre, bevor die eigentliche „KI-Mission“ erfüllt worden wäre. Kanzler Christian Stocker hat Staatssekretär Alexander Pröll mit der Ausarbeitung beauftragt. Pröll selbst hat sich hohe Ziele gesetzt. 

Die KI-Bosse wollen die Notbremse ziehen – Österreichs Regierer in Sachen KI dagegen aufs Gaspedal steigen. Die KI-Strategie der Republik wurde im Jahr 2018 angestoßen, im Jahr 2021 mit dem Titel „Artificial Mission Austria“ vorgestellt. Die „Mission“ – angelegt bis zum Jahr 2030 – wird aber bereits jetzt gestoppt.

Stocker hat Digitalisierungs-Staatssekretär Pröll (ebenso ÖVP) mit der Ausarbeitung einer neuen Strategie beauftragt. „Künstliche Intelligenz verändert unser tägliches Leben in einem bisher unbekannten Tempo. Die bisherige Strategie wurde geschrieben, bevor es ChatGPT gab. Österreich braucht jetzt eine neue Vision, die die Chancen entschlossen nutzt und Risiken klar in den Griff bekommt. Dieses Potential müssen wir für österreichische Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit heben“, so Stocker.

Pröll will „vorn dabei sein“
Diese soll Österreich auf die nächste Phase der Entwicklungen vorbereiten. Pröll selbst ortet auch Voraussetzungen dafür, dass Österreich in Bezug auf KI künftig „vorn mit dabei ist“. Zumindest sind die Potenziale groß. Wie groß die wirtschaftlichen Chancen jedenfalls sind, zeigt eine gerade präsentierte Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica im Auftrag von Microsoft Österreich. Demnach kann KI die Bruttowertschöpfung in Österreich um bis zu 18 Prozent steigern. Das entspricht rund 72 Milliarden Euro bzw. einer Entlastung von bis zu 2,24 Milliarden Arbeitsstunden. Österreich liegt mit einer KI-Nutzungsrate von 34,1 Prozent weltweit auf Rang 18.

Plattform diente für Agentenaustausch
Dass KI nicht nur Chancen bringt, macht ein in den vergangenen Tagen bekannt gewordener Fall mit Österreich-Bezug deutlich. Das „DseWiki“, eine 2001 von einem Grazer Entwickler gegründete Plattform für deutschsprachige Softwareentwickler, wurde über Wochen von KI-Agenten des US-Unternehmens OpenAI als Austauschkanal genutzt, ohne dafür autorisiert zu sein. Zwischen Mai und Juli entstanden rund 18.000 Beiträge unter mehr als 3700 selbst gewählten Agentennamen.

Die Agenten sollten eigentlich nur Informationen im Internet recherchieren. Stattdessen überschrieben sie bestehende Inhalte, legten Sicherungskopien an, um Löschungen zu verzögern, und versuchten, sich als Administratoren auszugeben. OpenAI hat den Vorfall am 5. September bestätigt.

Staatssekretär Pröll erklärt der „Krone“: „Künstliche Intelligenz ist die größte Disruption unserer Zeit, und Österreich hat alle Voraussetzungen, vorne mit dabei zu sein. Die neue Strategie wird folgende Fragen beantworten: Wie heben wir das ungenutzte Potenzial? Wie schützen wir die Menschen? Kurz: Wie sorgen wir dafür, dass Österreich auch in Zukunft ein Land ist, das handlungsfähig und wohlhabend ist und dabei menschlich bleibt.“

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