Seit Juli ist die Mehrwertsteuer auf bestimmte Lebensmittel halbiert. Laut Finanzministerium sollen Haushalte so bis zu 100 Euro jedes Jahr sparen. Doch eine neue Berechnung zeigt jetzt: In der Praxis sparen die Konsumenten viel weniger Geld als vom Ministerium berechnet.
Statt zehn Prozent beträgt die Mehrwertsteuer seit gut zwei Monaten nur noch 4,9 Prozent – das gilt allerdings nur für Grundnahrungsmittel. Das Finanzministerium geht davon aus, dass jeder Haushalt im Schnitt so bis zu 100 Euro im Jahr sparen kann. Die Realität ist laut einer neuen Berechnung allerdings viel ernüchternder.
57 statt bis zu 100 Euro
Im Schnitt spart ein Haushalt im Jahr durch die Steuersenkung nämlich nur 57 Euro ein. Zu diesem Schluss kommt das Marktforschungsinstitut OGM in seiner Auswertung – und hat auch eine Erklärung dafür, wieso die Entlastung deutlich geringer ausfällt als vom Finanzministerium berechnet.
OGM hat etwa 2000 Kassenzettel von knapp 870 Personen untersucht und herausgefunden: Die meisten Lebensmittel, die die Konsumenten kaufen, sind nicht steuerbegünstigt. Nur knapp ein Viertel von dem Geld, das die Konsumenten für Lebensmittel ausgeben, ist für Produkte mit einem gesenkten Steuersatz von 4,9 Prozent. Umgekehrt heißt das: Drei Viertel ihrer Lebensmittel-Ausgaben entfallen auf Produkte mit regulärer Mehrwertsteuer von zehn Prozent.
Weizenmehl ja, Roggenmehl nein
Der Grund, wieso die Konsumenten nur 57 statt bis zu 100 Euro im Jahr einsparen, ist einfach: Die Regelungen, welche Lebensmittel jetzt einen gesenkten Steuersatz haben, sind kompliziert. „Der Warenkreis, der tatsächlich erfasst ist, ist kleiner, als man vorher geglaubt hat“, erklärt Johannes Klotz von OGM gegenüber der APA.
Zum Beispiel gilt der ermäßigte Steuersatz von 4,9 Prozent zwar für Weizenmehl, nicht aber für Roggenmehl. Auch bei Brot und Gebäck macht es einen Unterschied, welcher Laib oder welches Weckerl im Einkaufskorb landet. Ist der Fett- oder Zuckeranteil zu hoch, werden nämlich weiter zehn Prozent fällig. In der Praxis kann das bedeuten: Laugenstangerl ja, Laugenecken nein.
Berechnungen gehen auseinander
Wie viel Geld die Haushalte sparen können, hängt also vom Einkaufsverhalten ab. Ursprünglich hatte der Budgetdienst des Parlaments die Entlastung mit 45 bis 119 Euro pro Jahr eingeschätzt (abhängig von der Größe des Haushalts). Das Momentum Institut wiederum kam je nach Einkommensklasse auf 77 bis 108 Euro.
Das Finanzministerium ging von Gesamtkosten von bis zu 400 Mio. Euro jährlich aus. Rein rechnerisch wären das knapp unter 100 Euro für jeden der 4,16 Mio. Haushalte in Österreich. Eine Sprecherin des Ressorts betont gegenüber der APA, dass bei dieser Kostenschätzung die Steuer-Ausnahmen bereits berücksichtigt worden sind.
Manche sparen gar nichts ...
Insgesamt dürfte die Ersparnis für die Konsumenten überschaubar sein. Und wer viele Packerl bestellt, spart bald womöglich gar nichts mehr. Denn eine Paketsteuer soll die Mehrwertsteuersenkung auf die Grundnahrungsmittel gegenfinanzieren. Ab Oktober ist eine Abgabe von 2,40 Euro (zwei Euro ohne Steuer) pro Paket fällig, gültig für alle Online-Händler mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro im Jahr. Unterm Strich ist bei manchen Österreichern dann womögliche sogar weniger Geld im Börserl.
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