
Auf der Bühne kennt Comedian Gernot Kulis keine Gnade: Wer ihn reizt, lebt gefährlich. Vor seinen Auftritten in Rust und Oberwart verrät der 50-Jährige, warum Burgenländer erst ab Donnerstag aufdrehen und was seine persönliche KI über Schulden, Mautpflicht und Wein zu sagen hat.
Gernot Kulis (50) liebt den schnellen Schmäh. Als „Ö3-Callboy“ führte er Unternehmen, Behörden und Privatpersonen mit absurden Geschichten aufs Glatteis und nicht selten zur Verzweiflung. Als begnadeter Stimmenimitator gehören Hans Krankl, Armin Assinger, Niki Lauda, Robert Seeger, Tarek Leitner und Viele mehr zu seinem Repertoire. Manchmal reicht ihm das aber nicht. Dann macht Kulis aus so manchem Promi gleich eine eigene Kunstfigur. So wurde zu Corona-Zeiten der damalige Innenminister Karl Nehammer kurzerhand zu „Karl Schmähhammer“ vom „Ministerium für Irreres“.
Seit 15 Jahren ist Kulis auch als Kabarettist erfolgreich. Sein aktuelles Programm trägt den passenden Titel „Ich kann nicht anders“. Damit gastiert der zweifache Vater – Tochter 14, Sohn 11 – demnächst auch im Burgenland, dem Land der langen Geraden. Braucht es hier länger, bis ein Schmäh zündet? „Nein, die Resonanz auf meine Pointen ist die gleiche wie in Kärnten oder in Oberösterreich. Die Affinität zum Kabarett ist hierzulande allerdings auffällig groß. Sehr viele Burgenländer besitzen ein Kabarett-Abo. Sie wollen offenbar laufend eine Gaudi haben.“
Mit diesen Zuschauern fährt er besonders gerne Schlitten
Einen kleinen Unterschied hat Kulis dennoch ausgemacht: die Tagesform des Publikums. „Montag bis Mittwoch sind die Burgenländer phlegmatischer. Spätestens am Donnerstag, wenn das Wochenende vor der Tür steht, gibt es jedoch kein Halten mehr. Und samstags wird sowieso die Sau rausgelassen!“ Da trifft es sich bestens, dass Kulis am 19. September in Oberwart und am 26. September in Rust jeweils an einem Samstag auf der Bühne steht.
Wer für sein Geld ordentlich Tempo erwartet, kommt voll auf seine Kosten. Kulis braucht keinen Smalltalk betreibt, um sich und die Leute aufzuwärmen: „Ich gehe raus auf die Bühne und los geht’s!“ Wer sich lieber berieseln lassen möchte, sollte aufpassen. Kulis hat ein Gespür dafür, wen er aus der Reserve locken kann. Besonders gefährdet: die erste Reihe, notorische Zuspätkommer und alle, die mit der Standardausrede „Parkplatzproblem!“ auftauchen. „Die erste Reihe schaut mich vor lauter Nervenkitzel generell nie richtig an, weil alle fürchten, dass sie drankommen – so wie in der Schule!“
Dann wird‘s wirklich brenzlig
Ohren spitzen heißt es auch, wenn Kulis über Familienalltag, Ehe, Reisen oder seinen Umgang mit smarten Haushaltsgeräten philosophiert. Für die kleinen und großen Fragen des Lebens hat er sogar eine eigene KI erfunden: die „Kulis-Intelligenz“. Beim „Krone“-Interview musste sie gleich drei Fragen beantworten, die das Burgenland derzeit beschäftigen. Erstens: Wie werden wir den Schuldenberg wieder los? Kurz rattert es im Rechenzentrum, dann kommt die Antwort:
„Das Burgenland hat sechs Achthunderter, allen voran den Geschriebenstein, und dazu noch jede Menge Siebenhunderter. Da kommt also eine Menge an Bergen zusammen. Solange der Schuldenberg niedriger bleibt als der Guglhupf und der Pauliberg – immerhin ein erloschener Vulkan –, besteht kein Grund zur Sorge. Sollte der Vulkan aber erneut Feuer speien, wird’s finanziell wirklich brenzlig.“
Weiter geht’s mit Frage zwei: Braucht das Burgenland wirklich eine digitale LKW-Maut? Kulis lacht. „Also wegen mir nicht. Mein Tourbus ist ein Sprinter, der bringt nicht einmal 3,5 Tonnen auf die Waage. Mautpflichtig wäre nur der Fahrer.“ Zum Glück habe sich Landeshauptmann Doskozil die Sache wieder anders überlegt. Denn: „Im Burgenland gibt’s ohnehin schon genug Baustellen. Da muss man nicht auch noch eine digitale Maut draufbauen.“
Wechselt er bald in die Politik?
Bleibt die wichtigste Frage: Wie wird die Weinernte 2026? Trotz Dürre zeigt sich die Kulis-Intelligenz optimistisch: „Der Wein wird wieder so gut, dass wir uns alle anderen Probleme schöntrinken können.“ Und sollte die Ernte tatsächlich außergewöhnlich ausfallen, gibt es nur eine kleine Nebenwirkung: „Wir wissen am Ende nicht mehr, wie hoch der Schuldenberg ist – aber auch nicht mehr, dass er uns gehört. Prost!“
Politik reizt ihn trotzdem nicht: „Auch wenn in diesem Metier Charme und eine hohe Pointendichte oft von Vorteil sind.“ Dass sein Konterfei vor seinen Auftritten im Burgenland auf erstaunlich vielen Plakaten zu sehen ist, freut ihn zwar – im Wahlkampf löst es allerdings leichte Panik aus. „Irgendwann komme ich noch auf zwei Prozent!“ Deshalb sein dringender Appell an die Burgenländer: „Bitte wählen Sie mich nicht!“ Und falls es jemand trotzdem vorhat? „Dann gehen Sie vorher in mein Kabarett. Danach erledigt sich das normalerweise von selbst.“
Die „Krone“ verlost für die Vorstellungen in Oberwart und Rust jeweils 2x2 Karten. Gleich mitspielen und gewinnen: www.facebook.com/kroneBGLD
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