Nächster Preisschock?

Öl-Krise spitzt sich zu: Saudis drehen Pipeline ab

Außenpolitik
12.09.2026 13:29

Die Straße von Hormuz blockiert, die wichtige Meerenge Bab al-Mandab bedroht – und jetzt dreht auch Saudi-Arabien eine extrem wichtige Öl-Pipeline ab. Die Lage im Iran-Krieg spitzt sich gefährlich zu und die Sorge vor einer weiteren Preisexplosion bei Öl und damit auch bei Benzin und Diesel wächst.

Schon längst ist die wichtige Handelsroute Straße von Hormuz zur zentralen Bühne des Iran-Kriegs geworden. Jetzt rückt auch die Meerenge Bab al-Mandab in den Fokus, sie wird zunehmend bedroht. Doch auch abseits der Meerengen wird der Öl-Export eingeschränkt: Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien hat jetzt nach einem Angriff eine wichtige Öl-Pipeline abgeschaltet.

Die Pipeline hat seit Beginn des Iran-Kriegs eine noch größere Bedeutung bekommen, weil die Straße von Hormuz praktisch blockiert ist. Saudi-Arabien transportiert durch die Pipeline nämlich Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer und umgeht so, dass Öl-Tanker die Straße von Hormuz passieren müssen.

US-Medien wie CNN und das „Wall Street Journal“ berichten, dass bei den Angriffen wohl Pumpstationen der Pipeline getroffen worden seien. Wer hinter dem Angriff auf die Pipeline steckt, wurde nicht mitgeteilt. Im Irak operieren jedoch einige vom Iran unterstützte Milizen.

Die Pipeline

Die Angriffe auf die Pipeline treffen Saudi-Arabien an einer sehr empfindlichen Stelle: Über die mehr als 1200 Kilometer langen Röhren können pro Tag bis zu sieben Millionen Barrel Öl (ein Barrel entspricht 159 Liter) aus der Region am Persischen Golf zur Verschiffung nach Westen ans Rote Meer gepumpt werden.

Öl-Preis könnte weiter explodieren
Auch wenn die Hintergründe nicht ganz klar sind, Fakt ist: Durch die Pipeline fließt gerade kein Öl. Wenn Saudi-Arabien jetzt länger das Öl nicht durch die Pipeline schicken kann und die Exporte noch weiter eingeschränkt werden, könnte das empfindliche Auswirkungen auf unsere Geldbörserl haben.

Für Experten Walter Boltz, Ex-Chef der Energieregulierungsbehörde E-Control, gilt es als sicher, dass der Ölpreis nun weitersteigen wird, sagt er im Ö1-„Mittagsjournal“. Zumindest ein kurzfristiger Schub stehe bevor. Wie nachhaltig dieser sein werde, hänge davon ab, wie rasch und wie glaubhaft Saudi-Arabien einen Plan zur Reparatur der bedeutenden Pipeline vorlege bzw. diese wiedereröffne. Sorgen vor einem Öl-Mangel zerstreute der Fachmann trotzdem. Es gebe eine Fülle anderer Regionen, die zumindest einen Teil kompensieren würden.

Die Karte zeigt wichtige Schifffahrtsrouten zwischen Asien und Europa. Die Hauptwege verlaufen durch die Straße von Hormuz, Bab al-Mandab und den Suez-Kanal und sind durch Konflikte im Iran und Aktivitäten der Houthi-Miliz stark gefährdet. Eine Alternativroute führt um Afrika über das Kap der Guten Hoffnung. Mehrere neuralgische Stellen sind markiert. Quelle: washingtoninstitute.org.

Houthi kontrollieren Gebiet um Meerenge
Die abgeschaltete Pipeline ist nicht das einzige Problem, das Saudi-Arabien gerade lösen muss. Inzwischen ist auch Saudi-Arabiens wichtigste Routenalternative zur Straße von Hormuz zunehmend gefährdet: die Verschiffung über das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab in Richtung Asien.

Die mit dem Iran verbündeten Houthi-Rebellen nahmen jemenitischen Regierungsquellen zufolge die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen und strategisch wichtige Inseln ein. Damit haben die Houthi nun deutlich mehr Zugriff auf Bab al-Mandab. Ein Houthi-Sprecher versicherte am Freitag zwar, die Sicherheit der Schifffahrt werde gewährleistet – das gelte jedoch nicht für saudische Schiffe.

Die Straße von Hormuz

  • Der Iran hat die Straße von Hormuz wegen des Krieges gegen die USA größtenteils blockiert.
  • Die Straße von Hormuz ist extrem wichtig: Im Normalfall wird ein Fünftel des gesamten weltweiten (!) Energiehandels über die Meerenge abgewickelt.
  • Die USA setzen die Iraner mit einer eigenen Seeblockade und Wirtschaftssanktionen unter Druck.
  • Zuletzt kam es immer wieder zu militärischem Beschuss zwischen den iranischen Revolutionsgarden und US-Streitkräften.

USA setzen Zeitfenster für Straße von Hormuz
Dazu kommt auch noch, dass die USA ihren „Schutzpanzer“ in der Straße von Hormuz zurückfahren. Das Land schützt seit mehreren Monaten Tanker in der Meerenge vor iranischen Angriffen. Doch seit Anfang September haben die USA diesen Schutz aus der Luft stark eingeschränkt: auf zwei tägliche Zeitfenster, wie die Zeitung „Financial Times“ berichtet.

Die Schiffe seien aufgefordert worden, die Meerenge nur noch zu festgelegten Zeiten zu passieren, schreibt die Zeitung unter Berufung auf E-Mails des US-Marinekoordinationszentrums. Der Grund dafür sind verstärkte iranische Angriffe auf Schiffe in der Nacht.

Iran-Präsident: Hormuz könnte bald geöffnet werden
Glaubt man dem iranischen Präsidenten Massoud Pezeshkian, könnte sich die Lage zumindest dort bald etwas entspannen. Er stellt eine Wiedereröffnung der Straße von Hormuz in Aussicht, wie die Nachrichtenagentur ISNA berichtet. Pezeshkian knüpft diesen Schritt jedoch an ein Ende der US-Seeblockade und militärischer Aktionen der US-Armee.

Laut Pezeshkian unterzeichnen der Oman und Iran am Montag in der omanischen Hauptstadt Maskat ein Abkommen über neue Schiffsrouten in der Meerenge. Beide Länder sind Anrainer der Straße von Hormuz.

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