„Gotteslästerung“ nennt es FPÖ-Chef Herbert Kickl, wenn man Menschen für den Klimawandel verantwortlich macht. Experten sehen das freilich anders: „Es ist nicht zu leugnen, dass der Mensch das Klima beeinflussen kann“, sagt etwa Klimaforscherin und „Krone“-Kolumnistin Helga Kromp-Kolb.
„Es ist halt so: Wenn man in ein Gleichgewicht eingreift – und das tun wir, wir greifen mit unseren CO2- und Treibhausgas-Emissionen in das Strahlungsgleichgewicht ein –, dann haben sozusagen auch Zwerge unheimlich große Kräfte“, führt Kromp-Kolb aus.
„Man müsste Herbert Kickl fragen, welche Belege er eigentlich noch braucht“, sagt Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb. Denn aus wissenschaftlicher Sicht sei seit rund 40 Jahren klar, dass der Mensch die entscheidende Rolle beim derzeitigen Klimawandel spielt. Keine andere Theorie erkläre die beobachteten Veränderungen annähernd so gut.
Der blaue Parteichef hatte im ORF-„Sommergespräch“ erklärt, dass seine Partei sich als einzige zum Klima-„Wandel“ bekenne: Denn Veränderungen – eben „einen Wandel“ – habe es schon immer gegeben und der Mensch habe sich immer angepasst. Die anderen Parteien würden das Klima gegen seine Natur „festnageln“ wollen.
„Dazu muss man sagen: Nur weil es natürlichen Klimawandel gibt, heißt das ja nicht, dass es nicht auch menschengemachten gibt“, sagt die Klimaforscherin.
Nur weil es natürlichen Klimawandel gibt, heißt das ja nicht, dass es nicht auch menschengemachten gibt.

Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb
Bild: Klemens Groh
Der Unterschied: Anpassung früher und heute
Natürlich habe sich der Mensch auch früher angepasst, oft durch Migration: „Doch die Veränderungen, an die wir uns in der Vergangenheit anpassen mussten, waren langsam. Was jetzt passiert, ist hingegen ziemlich schnell und die Klimaveränderungen haben ziemlich dramatische Dimensionen angenommen.“
Und der Mensch sowie die Natur generell könne sich an langsame Veränderungen viel besser anpassen als an so rasante wie jetzt. „Freilich können wir das Klima nicht festmachen“, ergänzt sie, „aber Kickl versucht, unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaftsformen festzumachen - doch die stehen ja in Wechselwirkung mit der Natur.“
Österreich kann wirksam sein
Dass Österreichs Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß mit 0,17 Prozent viel zu gering sei, als dass regionale Klimamaßnahmen etwas bewirken würden, wie Kickl erklärt, lässt sie so auch nicht gelten.
Natürlich ändere sich nichts etwa an den Hitzeperioden, wenn nur Österreich CO2-neutral werde, und ja, es gäbe mehr Schalter zum Umlegen als nur hier und beim CO2. Und wenn Österreich nichts unternehme und auch alle anderen Länder nichts täten, „dann kann es ja nur schlimmer werden“, so die Expertin. „Also sollte Österreich als reiches, international angesehenes Lad doch vielmehr mit gutem Beispiel vorangehen und demonstrieren, dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg einander bedingen.“
Waldsterben, Ozonloch: Frühere Warnungen halfen
Für den FPÖ-Chef ist das alles nur „Alarmismus“ und „Dramatisierung“: „Einmal war es das Waldsterben, dann das Ozonloch, jetzt ist es der Klimawandel.“ Darüber kann Kromp-Kolb nur staunen: „Das sind dumme Vergleiche. Denn wir haben damals ja entsprechend reagiert – und zwar gewaltig.“
So wurde der Ausstoß des für das Waldsterben mitverantwortliche Schwefeldioxid (SO2) in Österreich um rund 80 Prozent gesenkt und Ozon zerstörende Substanzen in der Produktion weltweit weitgehend verboten. Und nur deswegen könne man heute meinen, die Warnungen damals seien grundlos gewesen.
„Gott verlangt schon auch, dass wir das mitgegebene Gehirn nutzen“
Also von wegen „Gotteslästerung“? „Also, wenn wir uns schon auf Gott berufen“, sagt die Klimaforscherin, „dann muss man sagen: Gott hat uns ein Gehirn mitgegeben und verlangt schon auch, dass wir es nutzen.“
„Natürlich gibt es in der Wissenschaft auch immer wieder Fehler“, sagt sie, „die Naturwissenschaft ist ja ein ständiges Suchen und Korrigieren.“
Aber gerade die Klimawissenschaft sei mittlerweile bereits jahrzehntelang heftigem Gegenwind ausgesetzt und daher ständig gezwungen gewesen, ihre Aussagen immer wieder zu überprüfen – „und das passiert ja nach wie vor“, so die Forscherin: „Aber die große Linie, dass der Klimawandel ein menschengemachter Effekt ist, ist jetzt eigentlich seit rund 40 Jahren unumstritten.“
Dass der Klimawandel menschengemacht ist, ist seit rund 40 Jahren unumstritten.

Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb
Bild: Klemens Groh
„Was in der Diskussion oft übersehen wird: Klimaschutzmaßnahmen fördern ja auch den Wohlstand und unsere Lebensqualität“, betont Kromp-Kolb. „Wenn wir also unser Land und unsere Menschen schützen wollen, Österreichs Täler bewohnbar halten und Österreichs Bergwelt erhalten wollen – dann ist das ja auch Klimaschutz.“
Das sollte doch gerade einer heimatverbundenen Partei wichtig sein: „Ich glaube, da könnte man durchaus auch gemeinsame Positionen mit der FPÖ finden.“
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