Ein geleaktes Geheimdienstpapier sorgt für Aufsehen: Westliche Spezialkräfte-Veteranen sollen im NATO-Staat Bulgarien sowie in Serbien russische Staatsbürger – darunter aktive Soldaten – militärisch ausgebildet haben. Im Zentrum der Vorwürfe steht das Trainingsunternehmen Alfa-Metal.
Es klingt wie eine Geschichte aus einem Spionageroman: Während Russland seit Jahren Krieg gegen die Ukraine führt, sollen russische Staatsbürger in Europa von westlichen Militärveteranen für den Kampfeinsatz geschult worden sein. Ein geleakter Geheimdienstvermerk, der für den australischen Auslandsgeheimdienst ASIS erstellt und innerhalb des westlichen Geheimdienstverbundes Five Eyes verbreitet worden sein soll, kommt laut dem britischen „Telegraph“ mit „hoher Zuversicht“ zu diesem Schluss. Grundlage sind unter anderem Gespräche mit zwei ehemaligen australischen Spezialkräften und einem aktiven Reservisten. Sie sollen als Ausbilder für Trainingslager in Bulgarien und Serbien angesprochen worden sein.
Trainingszentrum im Norden Bulgariens im Visier
Besonders im Fokus steht das Alfa-Metal-Trainingszentrum im nordbulgarischen Mejdeni. Das Unternehmen bietet unter anderem Spezialkräfte- und fortgeschrittene Scharfschützenkurse an. Die Kosten einzelner Lehrgänge sollen bei rund 4000 Euro liegen. Zielgruppe sind laut den verfügbaren Angaben unter anderem angehende Mitarbeiter privater Militärfirmen, Personenschützer und Sicherheitskräfte. In dem Geheimdienstpapier wird zudem von Ausbildern mit Verbindungen zum britischer SAS, australischen Spezialkräften, US-Polizeieinheiten und den US Navy SEALs gesprochen.
Brisant ist vor allem der behauptete Zeitpunkt: Russische Staatsbürger sollen auch nach dem Beginn der russischen Großinvasion im Februar 2022 an solchen Kursen teilgenommen haben. Laut den vom „Telegraph“ ausgewerteten Aussagen sollen Mitarbeiter des Zentrums sogar berichtet haben, dass Russen noch 2025 dort trainiert worden seien – unter anderem in fortgeschrittenem Häuser- und Nahkampf. Ob darunter tatsächlich aktive russische Soldaten waren und ob die Ausbildung für einen Einsatz in der Ukraine gedacht war, lässt sich allerdings nicht unabhängig bestätigen. Der „Telegraph“ selbst konnte die zentralen Vorwürfe nicht verifizieren.
Unternehmen weist Vorwürfe kategorisch zurück
Allerdings wurde auf der Website von Alfa-Metal mit dem SAS-Logo bei der Vorstellung von Ausbildern geworben. Zudem soll das Unternehmen erst vor wenigen Monaten auf LinkedIn ausdrücklich nach einem britischen Ausbilder mit SAS-Erfahrung gesucht haben. Das Unternehmen weist die Vorwürfe kategorisch zurück. Weder seien ehemalige britische SAS-Mitglieder eingesetzt noch seit Beginn der russischen Invasion russische Staatsbürger ausgebildet worden, heißt es gegenüber dem britischen Medium.
Ermittlungen in Australien eingeleitet
Auch eine Ausbildung von Personen, die für Russland am Krieg in der Ukraine teilnehmen wollten, wird dementiert. Mehrere Quellen aus dem SAS-Umfeld äußerten ihrerseits ebenfalls Zweifel an den Vorwürfen und verwiesen darauf, dass sich in der privaten Sicherheitsbranche immer wieder Personen fälschlich als ehemalige SAS-Mitglieder ausgeben.
Die Affäre ist damit noch lange nicht geklärt. Nach Angaben des „Telegraph“ wird der geleakte Geheimdienstvermerk inzwischen von der australischen Seite untersucht.
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