720 Kilo Drogen

Größte Cannabisplantage Österreichs: „Habe Lizenz“

Gericht
10.09.2026 13:16

Die Ermittler staunten nicht schlecht, wie hochprofessionell ein Trio in Wien-Liesing Cannabis in Industriemengen produziert und verkauft haben soll. Genutz wurde eine riesige Lagerhalle in Wien. Die beiden Hauptangeklagten überraschen im Prozess mit ihrer Verantwortung: Alles legal dank einer Forschungslizenz der Stadt Wien. 

Das Trio, das am Donnerstag im Wiener Landl vor der Richterin sitzt: Der „Wissenschaftler“ Herr D., der „Manager“ Herr K. und ein – wie sein Anwalt Christian Werner ihn nennt – „klassischer Kleinkrimineller“ Herr S. – alle drei Österreicher. Sie sollen die Köpfe hinter der größten Cannabisplantage Österreichs sein, die in einer Lagerhalle in Wien-Liesing entdeckt wurde. 

Lagerhalle ausgestattet wie eine Vollpension
Auf 3062 Quadratmetern gediehen dort 9720 Cannabispflanzen. Sichergestellt wurden unter anderem auch 720 kg abgepacktes Cannabiskraut sowie mehr als eine Million Euro in bar: „Es ist erstaunlich, wie professionell die Plantage ausgestattet war“, sagt die Staatsanwältin zum Schöffensenat, „die Beamten haben beim Zugriff neun illegal als ,Gärntner‘ beschäftigte Serben angetroffen, die dort sogar gelebt haben. Die Lagerhalle war ausgestattet wie eine Vollpension mit Schlafräumen, Küche und Spielkonsolen.“

Die Lagerhalle in Wien-Liesing
Die Lagerhalle in Wien-Liesing(Bild: LPD Wien)
(Bild: LPD Wien)
(Bild: LPD Wien)
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(Bild: LPD Wien)
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Die Beamten haben beim Zugriff neun illegal als „Gärntner“ beschäftigte Serben angetroffen, die dort sogar gelebt haben.

Die Staatsanwältin im Prozess

Abgeerntetes und in kleine Päckchen verpacktes Cannabiskraut soll in angemieteten Lagerabteilen gebunkert worden sein.

Das Verfahren gegen die „Gärtner“ lief bereits und endete nicht rechtskräftig mit mehrjährigen Haftstrafen. Diese drohen nun auch dem unter anderem wegen Suchtgifthandel angeklagten Trio. 

Die Anwälte Normann Hofstätter und Christian Werner
Die Anwälte Normann Hofstätter und Christian Werner(Bild: AR)

Legale Duftstoffe und Geschäft mit Stecklingen
Der „Wissenschaftler“ bekennt sich nicht schuldig: „Er behautet, der Anbau der Pflanzen ist durch eine von der Stadt Wien verliehenen Forschungslizenz gedeckt“, so die Anklägerin. Dank dieser habe er 5 Kilogramm THC jährlich erzeugen dürfen – mit dem Ziel, ein Verfahren zu entwickeln, den Pflanzen das THC zu entziehen und so THC-freie Pflanzen zu züchten. Diese Version bestärkt auch Verteidiger Normann Hofstätter in seinem Plädoyer: „Mein Mandant beschäftigt sich mit der Produktion und dem Verkauf von Genetika. Er hat sich damit international einen Namen gemacht, auch in den USA.“ Es gehe dabei um die Produktion von Duftstoffen.

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Mein Mandant beschäftigt sich mit der Produktion und dem Verkauf von Genetika. Er hat sich damit international einen Namen gemacht, auch in den USA.

Anwalt Normann Hofstätter

Auch habe D. THC-freie Stecklinge legal verkauft und damit viel Geld verdient: „3,55 Millionen Euro in eineinhalb Jahren. Das hat er auch versteuert.“ Auch sei D. monatelang observiert worden, sogar ein Peilsender wurde auf seinem Auto moniert: „Über den ganzen Zeitraum hinweg gab es keine objektivierte Verkaufshandlung“, argumentiert Hofstätter. Allerdings: Der Angeklagte hat vier einschlägige Vorstrafen wegen Suchtgifthandels, die letzte aus 2015.

Auch der „Manager“, verteidigt von Volkert Sachmann, bekennt sich nicht schuldig. Auch er will ausschließlich legale Geschäfte mit Cannabis-Stecklingen gemacht haben.

Schuldig für einen Teil der Vorwürfe bekennt sich indes der „Kleinkriminelle“. Er habe Lagerräume angemietet und Cannabis verkauft. „Allerdings weder im Auftrag noch zusammen mit dem Erstangeklagten“, sagt Anwalt Werner. Urteile stehen aus.  

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