Politik soll den Menschen Orientierung geben, das ist Teil ihres Wesenszwecks. Dieser Erfordernis können Parteien freilich schlecht nachkommen, wenn sie selbst auf Sinnsuche sind. Sobald jeder Weg das Ziel ist, endet das in Irrlichterei.
Der regenarme Sommer zeichnete sich in der Politik durch einen gewissen Ideenreichtum aus. Das zeigte sich bei den Sommergesprächen. Vermutlich aus Höflichkeit wollten die Parteispitzen dazu nicht mit leeren Händen erscheinen. Also wurde das Regierungsprogramm – in mühevollen 155 Tagen erstritten – diskret beiseite gelegt und Eintagsfliegen das Leben geschenkt.
Wir hörten von Pensionsgipfeln und Staatsfonds und Reformdividenden und Zukunftsdepots. Lauter Luftballons, hübsch anzusehen, aber flüchtig.
Mit glühenden Augen verkündeten Politiker im Fernsehen, dass sie uns nun jenes Geld zurückgeben wollen, das uns vorher zur Sicherheit abgenommen worden war. Ärmel wurden verbal bis auf Schulterhöhe aufgekrempelt, als einzig noch zulässiger Zorn verblieb die Arbeitswut.




Beileibe nicht alle Ideen, die vorgetragen wurden, sind schlecht. Ein paar sind sogar so gut, dass sie schon jemand anderer hatte. Aber jetzt beginnt der Herbst, das Regierungsprogramm wird hervorgekramt und die tollkühnen Ideen werden mit der jeweiligen Ideologie abgeglichen. Es zeigen sich geringe Schnittmengen.
Also werden die Eintagsfliegen mit dem Regierungsprogramm erschlagen. In einem Jahr bestehen gute Chancen auf Auferstehung.
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