„Krone“-Kommentar

Kollaps im Musikgeschäft und radikales Umdenken

Kultur
04.09.2026 07:00

Sterben Österreichs Musikverlage und Musikalienhandlungen aus? Während der Corona-Jahre schlitterten sie in die Krise. Nun erlitten drei berühmte Unternehmen einen Kollaps.

Ende September schließt in Salzburg nach 434 Jahren die der Familie Mozart eng verbundene Mayrische Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung; und in Wien folgt das traditionsreiche Musikhaus Müller. Alle Versuche der Eigentümerin, der Wiener Universal Edition, beide Geschäftsstandorte, aber auch einen dritten in Hamburg zu retten, blieben erfolglos.

Die Universal Edition, ein weltberühmter imternationaler Verlag für Neue Musik, der 32.000 Urheberrechte von Gustav Mahler, Bartók, der Wiener Schule bis Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen hat, muss aber auch selber den Gürtel enger schnallen. Die historischen Büros im Musikvereinsgebäude wurden aufgegeben.

Auch „der Doblinger“, 1817 in Wien gegründet, blieb von der Krise nicht verschont: Um das Weiterbestehen der berühmten Musikalienhandlung wird noch vor Gericht gekämpft. Gegen eine drohende Schließung protestieren tausende Prominente auf einer Unterschriftenliste.

Traurige Bestandsaufnahme
Der von der Musikalienhandlung unabhängige Musikverlag Doblinger von 1876, der u. a die Rechte von Lehàrs „Lustiger Witwe“, Oscar Straus’ „Walzertraum“ besitzt, wurde von Wise Music Group, London, gekauft. Sie betreut über 60 Verlage und 500.000 Urheberrechte. Aber zumindest bleibt Doblinger als Wiener Marke mit Wiener Büro erhalten.

Eine traurige Bestandsaufnahme. Ohne Aussicht auf Verbesserung! Die Verkaufszahlen bei Notenmaterial sinken rapid: Statt aus Notenheften und Partituren spielen viele Musiker bereits nach E-Noten von Tablets und Downloads. Digitalisierung und Online-Handel wachsen rasant. Kleine Musikalienhändler können mit Versandhäusern, Verlagsgiganten & Plattformen nicht konkurrieren.

Die Kosten für Mieten, Energie und Personal steigen. Es gibt immer weniger Fachkräfte zur Kundenbetreuung. Und das Kundenverhalten hat sich – wie im Buchhandel – stark verändert. Das heißt: neue Geschäftsmodelle finde! Gehört die Zukunft des Musikalienhandels – wie KI vermutet – Läden mit angeschlossener Musikschule, Coffeeshop, Instrumentenverkauf und -restaurierungswerkstätten? Wir werden radikal umdenken müssen!

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