Saisonstart Josefstadt

Eine zähe Verführung im Cinemascope-Format

Kultur
04.09.2026 09:52

Die neue Josefstadt-Direktion eröffnet mit der Arthur Schnitzler-Rarität „Komödie der Verführung“. Das Projekt laboriert an Eskapaden.

Einer nach 20 Jahren beendeten Erfolgsgeschichte etwas entgegenzusetzen, ohne die Tradition zu guillotinieren, ist eine Herausforderung, der die neue Josefstadt-Direktion pragmatisch begegnen wollte: Der populäre Hausgott Schnitzler sollte es sein, allerdings seine rare „Komödie der Verführung“, ein verrätselter erotischer Todestanz Minuten vor dem Ersten Weltkrieg.

Schnitzler schrieb das Stück, das viel mit der „Traumnovelle“ zu tun hat, im Jahr 1924 und sah dabei die Reprise des Weltuntergangs schon voraus. Eine privilegierte Gesellschaft unerlöster Hedonisten taumelt da in den Abgrund. Aber das Schnitzler’sche Personal gewissenloser Männer und ihrer weiblichen Opfer hat sich verändert: Zwei Protagonistinnen sind erfolgreiche Musikerinnen (in der „Liebelei“ hat den Beruf noch der Vater ausgeübt), die über ihre sexuellen Verhältnisse selbst bestimmen.

Dass die jüdische Sängerin Judith am Ende mit dem Prinzen des fiktiven Reichs Perosa vor dem Krieg emigriert, scheint spätere Schicksale vorauszuahnen, in der finstersten Variante das der in Auschwitz ermordeten Violinistin Alma Rosé. Doch erinnert die Konstellation auch etwas an die „Lustige Witwe“.

Eindickung statt Intimität
Genügend Material also für eine pazifistische Parabel von Rausch und Untergang weltferner Partyexistenzen. Dass die ungarische Regisseurin Ildikó Gáspár nicht flach aktualisiert, ist ihr gutzuschreiben.

Sonst aber nicht viel. Grundlos werden die auch noch mangelhaft gearbeiteten Dialoge aus Foyers und Zuschauerraum auf eine Filmleinwand übertragen. Statt Intimität und Nähe wird damit lautstarke Eindickung erzielt, unterhoben mit lärmend arrangierten Passagen aus der „Csardasfürstin“. Auch das hätte Sinn, musste doch der Komponist Emmerich Kalman, der mit dem Werk 1915 den Krieg behübscht hat, 1938 vor den Nazis fliehen. Aber was die Musikerin Flora Lilli Matisz live produziert, verschärft bloß die Überlänge.

Feines Ensemble
Wenigstens eine halbe Stunde am Schluss darf das feine Ensemble Schnitzler-Format präsentieren. Dass Joseph Lorenz, Nils Arztmann, Johanna Mahaffy, Ulli Maier, Lili Winderlich und die anderen es können, steht außer Frage. Dennoch freut man sich auf baldigen Nachweis.

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