Der angeschlagene deutsche Autogigant Volkswagen steht vor einem historischen Konzernumbau: Die Zahl der Modelle soll zusammengekürzt, die Firmenbeteiligungen reduziert und nicht zuletzt weitere 50.000 Stellen gestrichen werden. Verantworten soll letzteres Erika Rasch, ab Oktober neue VW-Personalchefin.
Rasch wird ab 1. Oktober 2026 im Konzernvorstand für Personal zuständig sein, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Sie wechselt vom Autozulieferer Robert Bosch, wo sie zuletzt für das weltweite Personalwesen zuständig war. Der Posten, den die Managerin jetzt bei Volkswagen übernimmt, war schon seit Juli 2025 unbesetzt.
Damals hatte sich der Konzern überraschend mit sofortiger Wirkung von Personalvorstand Gunnar Kilian getrennt, der während seiner Amtszeit maßgeblich den Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen verantwortete.
Auch Manager-Jobs wackeln
Ein noch einschneidender Umbau steht jetzt bevor. Denn rund 50.000 Stellen sollen wegfallen, inklusive Management stehen sogar 60.000 Jobs zur Disposition, wie die „Bild“ unter Berufung auf interne Unterlagen mitteilt. Neben den öffentlich kolportierten 47.200 Stellen sollen demnach 13.000 weitere gestrichen werden, um die Gemeinkostenlücke zu schließen.
Die Streichungen sind Teil des Zukunftsplans 2030. Ein Jahr, das Erika Rasch als Zielmarke vertraut ist: Bei Bosch verantwortete sie die Personal-Strategie 2030 mit Schwerpunkten wie Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.
Weniger Modelle, weniger Beteiligungen
Der Zukunftsplan soll jetzt den Volkswagen-Konzern leistungs- und wettbewerbsfähiger machen. Ihm hatte der VW-Aufsichtsrat am Donnerstagabend überraschend zugestimmt. Eine drohende weitere Eskalation zwischen Vorstand, dem Land Niedersachsen als maßgeblichem Anteilseigner und der Arbeitnehmerseite ist damit vom Tisch. Das Sanierungskonzept beinhaltet weitere große Brocken: weniger Automodelle, weniger Firmenbeteiligungen und die drohende Schließung von vier Werken.
So strafft die Volkswagen Group bis 2035 ihre Modellpalette um rund 50 Prozent, die Angebotskomplexität um rund 75 Prozent. Der Fokus werde auf die „attraktivsten Fahrzeuge“ gelegt. Angestrebt werden zudem „schlankere Führungsstrukturen“ und „kürzere Entscheidungswege“, erklärte der Autobauer. Das Portfolio der Beteiligungen und Geschäfte werde „konsequent auf ihren strategischen und wirtschaftlichen Beitrag zum Kerngeschäft reduziert“. Es soll um rund ein Drittel gestrafft werden.
Vier Standorten droht das Aus
Die VW-Werke Emden, Hannover und Neckarsulm sowie das Werk der Tochter Audi in Zwickau stehen auf der Kippe. Denn laut dem Konzern besteht eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa. Das habe der Aufsichtsrat zur Kenntnis genommen. Ab den Jahren 2031 bis 2034 könne daher für diese Werke keine Folgebelegung gewährleistet werden. Es werden „alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft“.
Die Gewerkschaft IG Metall und der Konzernbetriebsrat betonten aber, dass kein Werk aufgegeben und keine Werksschließung besiegelt sei. Generell sehen die Arbeitnehmervertreter den geplanten Umbau als notwendig an. Konzernchef Oliver Blume sprach am Donnerstagabend vom geplanten Umbau als starkes Signal für die Zukunft. Zum Aus der Marke Seat gibt es ebenfalls noch keine offiziellen Stellungnahmen.
Schließungen „nicht ausgesetzt“
Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnete den Zukunftsplan als Light-Version. „Die Werkschließungen sind nicht beschlossen, aber auch nicht ausgesetzt“, sagte er. Immerhin sei der Kompromiss besser als die quälenden öffentlichen Diskussionen der vergangenen 24 Monate.
Jetzt gehe es darum, in den nächsten Monaten über Verbesserungen, Produktpläne oder Werkschließungen zu sprechen. Aus Sicht des Branchenkenners dürfte also eine bestimmte Entspannung einkehren, aber noch lange kein „Frieden“.
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