Je älter ich – Robert Schneider – werde, umso rätselhafter bleibt mir der Erfolg meines ersten Buches „Schlafes Bruder“, das ich vor genau 35 Jahren geschrieben habe. Woher nahm ich die Zuversicht, das Manuskript immer wieder zu verschicken, obwohl es 24 Verlage abgelehnt hatten?
„Das also ist der Sohn des Schriftstellers, der ,Schlafes Bruder‘ geschrieben hat“, sagte die Deutschlehrerin meines zwölfjährigen Sohns, hielt die korrigierte Schularbeit, die mehr Rottöne als Blautöne zeigte, demonstrativ in die Höhe, damit sich die ganze Klasse so recht erschrecken sollte. „Ich habe ,Schlafes Bruder‘ nie gelesen. Aber wann schreiben Sie wieder einen Bestseller?“, bemerkte unlängst ein Bekannter, von dem ich annehmen darf, dass er noch überhaupt kein Buch gelesen hat.
„Leider nur ein One-Hit-Wonder wie ,Da Da Da‘ von Trio“, sagte mein Schwiegervater, sang es noch vor sich hin, war jedoch baff, weil das Buch seiner Nichte rein gar nichts sagte. „Kannst mit deinem Schwiegersohn nicht mehr angeben, wie?“, sagte ich halblaut und zerknirscht.
Das ist also von dem literarischen Erfolg geblieben, der mein Leben vor 35 Jahren quasi wirklich von einem Tag auf den andern umgekrempelt hat? Nein. Es ist viel mehr geblieben, und ich meine damit nicht Ruhm, Geld oder Anerkennung. Von diesem Anderen will ich Ihnen im Folgenden erzählen. Aber zurück an den Anfang.
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