Kultur Kompass

Warum Singen im Chor boomt – und glücklich macht

Kultur
25.08.2026 05:05

Gemeinsam Singen liegt im Trend – und macht glücklich. Was da alles mehr entsteht als schöne Klänge, darum dreht sich die aktuelle Folge des „Krone“ Podcast Kultur Kompass. Im Gespräch mit drei Musikpädagogen und Chorleitern spüren wir dem Geheimnis des gemeinsamen Singens nach. 

Hier geht es direkt zur aktuellen Podcast-Folge des Kultur Kompass!

Chorsingen boomt. Woche für Woche treffen sich Menschen in Vereinslokalen oder Pfarrsälen, um zu singen. Dabei geht es um mehr als richtige Noten und Taktgefühl: den Atem, der sich synchronisiert, das Zuhören. Den Mut, die eigene Stimme hörbar zu machen. Um die Momente, in denen ein klingendes Wir entsteht. Ganz zu schweigen von den Glückshormonen, die dabei freigesetzt werden, dem sinkende Stresslevel und dem gestärkten Immunsystem.

Starke körperliche Erfahrung
Warum das gemeinsame Singen berührt, was daran glücklich macht und wie dabei mehr entsteht als Musik, darüber sprechen drei Musikpädagogen und Chorleiter in der aktuellen Folge des „Krone“ Kultur Kompass.

Chorleiter und Musikpädagoge Johannes Kerschner (re.) ist einer der drei Gäste im aktuellen ...
Chorleiter und Musikpädagoge Johannes Kerschner (re.) ist einer der drei Gäste im aktuellen Podcast Kultur Kompass, der diesmal zu Besuch bei den Familienmusiktagen der Vokalakademie Niederösterreich in Horn war..(Bild: ZVG)

Für Thomas Holmes beginnt alles mit der körperlichen Erfahrung: „Wir spüren den Klang im Körper, spüren den Klang der Nachbarin, des Nachbarn. Das verbindet.“ Der synchrone Atem, die Konzentration auf den Augenblick, das Erleben eines gemeinsamen Klangs schaffen eine Verbindung, die viele im Alltag vermissen.

Magische Begegnungen und stilles Staunen
Dabei geht es nicht darum, die eigene Stimme aufzugeben. Im Gegenteil. Es braucht jede individuelle Nuance. Chor wird damit auch zum Modell einer idealen Gesellschaft, in der Individualität und Gemeinschaft keine Gegensätze sind.

“Es ist wie die Begegnung mit einem magischen Tier“, beschreibt Mira Blaschek Chorsingen als einen „Zauber, der immer wieder stilles Staunen zurücklässt“. Eine besondere Qualität liegt dabei im Zuhören. Wer nur die eigene Stimme verfolgt, kann sich nicht einfügen in den großen Klang. In einer Zeit permanenter Reize, Meinungen und Botschaften wirkt das fast wie eine kulturelle Gegenbewegung.

Von der Störung zur Bereicherung
Chorsingen verlangt Aufmerksamkeit für die anderen, für Zwischentöne und für die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen, ohne sich dabei zu verlieren. Dazu gehört auch, Unterschiede auszuhalten. Musik lebt nicht nur von Harmonie, sondern auch von Spannungen und Dissonanzen. Im Chor werden Gegenstimmen von der Störung zur Bereicherung. Erst im Zusammenspiel verschiedener Klangfarben, entsteht jene Tiefe, die Musik berührend macht.

Für Johannes Kerschner geht die Erfahrung noch tiefer: „Es ist eine universelle Erkenntnis – dieses aufgehen im Klang.“ Gleichzeitig ist „kein anderes Instrument so eng mit der eigenen Persönlichkeit verbunden. Wer singt, der gibt mehr als einen Ton von sich – er gibt es was von sich preis.“

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