Wegen Äußerungen für Toleranz und Demokratie und Warnungen vor der AfD war die Kultband Alphaville von einem deutschen Festival ausgeladen worden. Die Veranstalter wurden dafür heftig kritisiert, andere Musikgruppen zeigten sich empört. Campino, Sänger der Toten Hosen, nannte die Ausladung „extrem fragwürdig“.
Alphaville-Sänger Marian Gold (72) hatte die Ausladung beim Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring in einem Beitrag in den sozialen Netzwerken öffentlich gemacht und von einem „Maulkorberlass“ gesprochen. Das bekannteste Lied der Band ist „Forever Young“aus dem Jahr 1984.
Debatte um Meinungsfreiheit
Unter dem Statement der Musikgruppe (siehe Posting unten) solidarisierten sich zahlreiche Fans mit Gold und warfen den Festivalmachern vor, die Meinungsfreiheit einzuschränken.
WDR-Moderator Jan Malte Andresen etwa schrieb in den sozialen Netzwerken: „Ich lebe von Sprache, von Meinung, von Menschen, die den Mund aufmachen. Kunst, die schweigen soll, ist keine mehr.“
Veranstalter rudert zurück, doch Band will nicht mehr auftreten
Nach dieser Welle der Empörung ruderte der Veranstalter zurück, entschuldigte sich bei der Band und lud sie zum Festival wieder ein. Doch trotz Entschuldigung und Wiedereinladung wird die Band nicht beim Festival spielen.
„Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid“, sagte Markus Krampe, der das Festival seit 2023 mit dem Ex-Fußballnationalspieler Lukas Podolski organisiert, der „Bild“. „Wir laden Alphaville ein, wie geplant Teil des Festivals zu sein. Nicht als Zeichen eines Nachgebens, sondern als bewusste Entscheidung für das, was uns verbindet.“
Gage soll gespendet werden
„Wir nehmen die Entschuldigung und Wiedereinladung des Veranstalters Markus Krampe zur Kenntnis und hoffen, dass er von nun an die Bedeutung von Rede- und Kunstfreiheit beim Glücksgefühle Festival gebührend respektiert“, teilte Gold mit. „Ungeachtet dessen haben die vorangegangenen Äußerungen eine Atmosphäre geschaffen, in der wir von einem Auftritt absehen.“ Die Gage des geplatzten Auftritts soll demnach an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden.
Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid.
Markus Krampe, der das Festival seit 2023 organisiert.
„Meinungsfreiheit ist das höchste Gut“
Auslöser sei eine frühere Veranstaltung gewesen, bei der Gold sich politisch geäußert hatte, hatte Krampe auf Instagram die Ausladung begründet. Gäste hätten sich im Nachhinein beschwert: Sie wollten beim Festival abschalten und nicht das hören, was sie ohnehin aus den Nachrichten kennen. Daraufhin habe er das Management gebeten, auf politische Äußerungen zu verzichten. „Das war natürlich falsch“, sagte Krampe. Die Absage auf die Wiedereinladung akzeptiere er.
Die Veranstalter hatten unter anderem argumentiert, man habe sich mit der Band nicht darauf einigen können, „politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen“. Laut dem Bandmanager geht es um Aussagen gegen rechts und für Demokratie. „Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das wir in Deutschland haben, sie ist zu schützen“, betonte Krampe schließlich.

Campino: „Grenze überschritten und eingerissen“
Als die Nachricht über den abgesagten Auftritt die Runde machte, mehrte sich Kritik. „Letztendlich ist es so, dass wir das schon extrem fragwürdig finden und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD äußert oder gegen Trump oder wie auch immer. Jemand, der stabil ist für die Demokratie“, sagte Campino, Frontmann der Die Toten Hosen, am Mittwochabend bei einem Konzert in Münster. „Ich finde, da ist eine neue Grenze überschritten und eingerissen.“
„Ist es noch Deutschland?
Sänger Mateo von der Band Culcha Candela, die am Samstag beim Glücksgefühle-Festival auftreten soll, bewertete die Entscheidung der Organisatoren als ein kompliziertes Verhältnis zur Demokratie, „Level AfD-Hauptsponsor“. „Leben wir schon in Russland oder ist es noch Deutschland, die BRD, Demokratie?“, fragte er. „Also gestern waren wir noch Demokratie und Meinungsfreiheit.“
Letztendlich ist es so, dass wir das schon extrem fragwürdig finden und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD äußert.
Campino, Frontmann der Band „Die Toten Hosen“
Culcha Candela sage bei jedem Auftritt, was sie von der AfD halte: „Fuck Nazis!“, so der Musiker. „Und das werden wir, falls wir bis dahin nicht ausgeladen werden, auch auf dieser Bühne sagen. Und zwar lauter denn je.“
Debatte hat auch Politik erreicht
Der Co-Vorsitzende der baden-württembergischen SPD, Robin Mesarosch, sagte in einem Video auf Instagram: „Du kannst nicht nicht-politisch sein, so sehr du dir das wünschst.“
Er verwies auf Sänger Andreas Gabalier, der auf dem Festival auftreten soll und dessen Lieder auch politisch seien, wenn es etwa um Kameradschaft und Eiserne Kreuze gehe. „Es ist vor allem Murks, wenn ein Veranstalter den einen Musiker auftreten lässt, den anderen aber nicht, und dann auch noch behauptet, das wär unpolitisch“, sagte Mesarosch.
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