Die Alpen verlieren ihr Eis in einem rasanten Tempo. Seit dem Jahr 2000 ist die Gletscherfläche um 39 Prozent geschrumpft. Experten warnen, dass es viele Gletscher in wenigen Jahrzehnten nicht mehr geben könnte. Dazu trägt unter anderem die Erderwärmung bei.
Wer die großen Alpengletscher regelmäßig besucht, erkennt den Unterschied sofort. Wege, die früher über Eis gingen, liegen heute teilweise auf Geröll. An anderen Stellen läuft Wasser über Flächen, die vor nicht so langer Zeit noch fest zugefroren waren. Dazu kommen tiefe Spalten, die manche Touren inzwischen sehr gefährlich machen. Vanda Bonardo vom italienischen Umweltschutzverband Legambiente kennt diese Veränderungen aus eigener Erfahrung. Der Verband untersucht jeden Sommer die wichtigsten Gletscher der Alpen. „Gletscher wirken still und unbeweglich“, sagt Bonardo. Doch still bedeutet längst nicht mehr stabil.
Ein Gletscher zerfällt
Seit dem Jahr 2000 ist die Fläche der Alpengletscher um 39 Prozent kleiner geworden und es spricht derzeit wenig dafür, dass es sich wenden soll. Wie schnell sich die Landschaft verändern kann, zeigt der Forni-Gletscher bei Bormio in der Lombardei. Der Glaziologe Claudio Smiraglia beobachtet ihn seit 65 Jahren. Was er in diesem Sommer erlebt hat, habe er in seiner gesamten Laufbahn noch nicht gesehen.
Der Forni-Gletscher ist inzwischen in mehrere Teile zerfallen. Seine Oberfläche wirkt an vielen Stellen grau und schwarz. Gleichzeitig verliert er an Eis. Auch die weltweiten Zahlen zeigen, wie groß das Problem inzwischen ist. Seit dem Jahr 2000 sind nach Angaben des World Glacier Monitoring Service im Schnitt 273 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr verschwunden. 2025 waren es bereits 408 Milliarden Tonnen. Für die Alpen könnte es besonders schnell gehen. Legambiente hält es für möglich, dass bis 2050 sämtliche Alpengletscher unterhalb von 3500 Metern verschwunden sein werden.
Selbst in großer Höhe wird es zu warm
Eine wichtige Rolle spielt dabei die außergewöhnliche Wärme in den Bergen. Im Sommer lag die Null-Grad-Grenze häufig zwischen 4000 und 5000 Metern. Das bedeutet: Selbst in Höhen, in denen normalerweise Schnee liegen bleibt, kann es inzwischen über längere Zeit zu warm sein. Für die Gletscher ist das doppelt so problematisch. Die Schneedecke wirkt normalerweise wie eine Schutzschicht und verhindert, dass die Sonne das Eis direkt erwärmt. Wenn auch dieser Schnee wegschmilzt, liegt das Eis aber ungeschützt da.
Die Folgen sind nicht nur am Gletscher selbst zu sehen, sondern auch der Skitourismus bekommt den Schneemangel zunehmend zu spüren. Am Stilfser Joch mussten die Anlagen für den Sommerskibetrieb schließen, auch am Matterhorn wurde der Betrieb eingestellt. Für die Menschen in den Alpen wird damit etwas sichtbar, das lange nur langsam vor sich ging: Die Berge verändern ihr Gesicht. Und dort, wo heute noch Gletscher sind, könnte in wenigen Jahrzehnten nur wenig Eis übrig sein.
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