Unwetter im Burgenland

„Wie eine Geisterfahrt durch Katastrophengebiete“

Burgenland
21.08.2026 09:39
Porträt von Burgenland-Krone
Von Burgenland-Krone

Ein Unwetter von enormer Wucht hat am Donnerstagabend die Gemeinde Kittsee im Nordburgenland verwüstet: Orkanartige Sturmböen rissen Dächer auf, entwurzelten Bäume und Straßenlaternen und schleuderten sogar schwere Lkw-Anhänger um. Dazu kamen Starkregen und überflutete Keller. Rund 130 Einsatzkräfte kämpften an 60 Einsatzadressen gegen die Folgen. Die Arbeiten dauern immer noch an.

Donner, Blitze, Starkregen und orkanartige Sturmböen: Die gewaltige Gewitterzelle, die am Donnerstag kurz nach 17 Uhr über den nördlichsten Teil des Burgenlandes bezogen ist, hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Besonders betroffen war die Gemeinde Kittsee. Aber auch Edelstal bekam die Ausläufer des Unwetters zu spüren.

Die Fahrt durch Kittsee glich, so die Einsatzkräfte der Feuerwehren, „einer Geisterfahrt durch ein Katastrophengebiet“. Gleich bei der Ortseinfahrt lag rechter Hand ein völlig zerstörter Baucontainer auf einer Baustelle. Auch die Bauzäune kugelten kreuz und quer umher. Am Parkplatz der großen K1 und K2 Shopping-Center sah man beschädigte Autos und zerstörte Einkaufswagen sowie in Mitleidenschaft gezogene Straßenlaternen, Bäume, Schaufenster und Einkaufswagenüberdachungen.

Unterstände für Einkaufswegen wurden völlig zerstört.
Unterstände für Einkaufswegen wurden völlig zerstört.(Bild: BFKDO-ND_16)
Straßenlaternen brachen wie Zündhölzer ab.
Straßenlaternen brachen wie Zündhölzer ab.(Bild: BFKDO-ND_18)
Die orkanartigen Sturmböen waren so heftig, dass selbst schwere Lkw-Anhänger wie Spielzeug ...
Die orkanartigen Sturmböen waren so heftig, dass selbst schwere Lkw-Anhänger wie Spielzeug umgeschmissen wurden.(Bild: BFKDO-ND_03)

Ein Feld der Zerstörung
In einem Supermarkt waren durch ein Gebrechen zahlreiche Kunden und Mitarbeiter eingeschlossen worden. An manchen Stellen stand am Parkplatz knöcheltief das Wasser. Bei der Weiterfahrt in das Ortszentrum war beinahe jeder Baum beschädigt oder ganz umgestürzt.

Örtlicher Friedhof stark betroffen
Immer wieder sah man abgebrochene Äste, kaputte Zäune oder herumgewirbelte Blumentröge. Auch einige Dächer im Ortsgebiet wurden stark beschädigt und teilweise oder komplett abgedeckt. Blechdächer drohten sich abzulösen und auf den Boden zu stürzen. Große Lkw-Anhänger wurden wie Schuhkartons umgeworfen. Auch der örtliche Friedhof wurde stark getroffen, wie die Gemeinde Kittsee berichtet.

Auch das Dach der Totenhalle am Friedhof wurde weggeweht.
Auch das Dach der Totenhalle am Friedhof wurde weggeweht.(Bild: BFKDO-ND_07)
Zahlreiche Keller standen unter Wasser.
Zahlreiche Keller standen unter Wasser.(Bild: BFKDO-ND_10)

Abseits der Sturmschäden bekam die Bevölkerung auch noch die Auswirkungen des Starkregens zu spüren. Zahlreiche Keller mussten ausgepumpt werden. Im Laufe des Abends und der Nacht wurden insgesamt sieben Feuerwehren nachalarmiert. Neben der Feuerwehr Kittsee standen auch die Feuerwehren aus Bruckneudorf, Deutsch Jahrndorf, Edelstal, Gattendorf, Neusiedl am See, Pama und Zurndorf mit insgesamt über 20 Fahrzeugen – darunter zwei Hubrettungsfahrzeuge – und rund 130 Einsatzkräften im Einsatz.

Freiwillige Mithilfe
Dabei galt es rund 60 Einsatzadressen abzuarbeiten. Die Hauptaufgaben der Feuerwehren waren Sicherungsarbeiten an Dächern, Pumparbeiten, Baumbeseitigungen und sonstige Sicherungs- und Aufräumarbeiten. In Edelstal wurden vor der Nachalarmierung nach Kittsee auch noch über zehn Einsatzadressen abgearbeitet. Kurz vor 1 Uhr früh konnten alle nachalarmierten Feuerwehren wieder einrücken. Die Feuerwehr Kittsee steht allerdings weiterhin im Einsatz. Verletzt wurde glücklicherweise nach ersten Informationen niemand. 

Schwere Äste brachen unter der Wucht des Sturms ab und stürzten zu Boden.
Schwere Äste brachen unter der Wucht des Sturms ab und stürzten zu Boden.(Bild: BFKDO-ND_11)
Ein Blick auf eine verwüstete Baustelle.
Ein Blick auf eine verwüstete Baustelle.(Bild: BFKDO-ND_06)

Die Gemeinde Kittsee hat die Bevölkerung für heute, Freitag, zu einer freiwilligen Mithilfe zur Beseitigung der Schäden aufgerufen. Die gemeinsamen Aufräumarbeiten sind seit 08.30 Uhr im Gange. 

Neusiedler See profitiert
Leicht positive Auswirkungen hatte der Starkregen auf den Wasserstand im Neusiedler See. Dieser stieg bis Freitagfrüh um fast zwei Zentimeter auf 115,03 Meter über Adria und liegt damit wieder zehn Zentimeter über dem niedrigsten Wert zu dieser Jahreszeit seit 1965, der 2022 gemessen wurde.

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