Vier Tage Musik

Saalfelden zeigt vor, wie ein Jazzfestival geht

Kultur
19.08.2026 17:40

Von 20. bis 23. August hupft das kleine Saalfelden wieder dem ganzen Land vor, was ein Jazzfestival sein kann: wagemutig und trotzdem erfolgreich, ein Musiker-Magnet gerade auch wegen der Lage tief im Land, und zugleich ein Rundum-Wohlfühl-Erlebnis. Wir haben Programmtipps von einem, der es wissen muss.

Wenn etwas zum 46. Mal stattfindet, muss man etwas richtig gemacht haben. Umso mehr gilt das für ein Jazzfestival tief im Landesinneren, das sich seit jeher widerständigen und kantigen Klängen verschrieben hat. Aber gerade weil das Festival in Saalfelden im Salzburger Pinzgau auch heuer wieder vier Tage lang beweist, wie man Hürden in Vorteile verwandelt, strahlt es als Vorzeigeprojekt in die gesamte österreichische Kulturlandschaft.

Raus aus dem Keller, rauf auf die Alm
Da wären einmal die Musiker eines Genres, das man mit Großstadt und Kellern verbindet. Welche namhaften Künstler könne man da überreden, etwa auf eine neblige Alm zu wandern und dort zu spielen? Antwort: inzwischen unzählige. Denn Saalfelden hat – auch mit attraktiven Angeboten für freiwillige Helfer – verstanden, dass Musiker für fürsorgliche Betreuung und Abwechslung zum gewohnten Trott andere Angebote links liegen lassen.

Die heimische Gruppe Shake Stew hatte 2016 in Saalfelden ihren Durchbruch – und kehrt nun ...
Die heimische Gruppe Shake Stew hatte 2016 in Saalfelden ihren Durchbruch – und kehrt nun feiernd mit Verstärkung zurück.(Bild: Victoria Nazarova)

Jazzmusiker reden (gerne und viel) miteinander, und das Schwärmen über „einzigartige Tage in den Alpen“ zieht seit Jahren immer weitere Kreise in der Kollegenschaft, wovon wiederum das Festival profitiert. Fürsorgliche Betreuung ist auch das Zauberwort bei den Besuchern: Bequeme Festival-Buchungspakete inklusive Unterkunft und andere Annehmlichkeiten sorgen für regen Zustrom und auch heuer bereits zahlreiche ausverkaufte Konzerte.

Siehe da, Jazz lässt sich verkaufen
Dass die Tourismuswirtschaft seit zwei Jahrzehnten mit im Boot ist, straft das Klischee von Jazz als schlechtem Geschäft Jahr für Jahr Lügen. Zudem hat es das Festival geschafft, etwa mit Gratis-Konzerten – und heuer zum Beispiel der Einbindung der örtlichen Blasmusik ins Programm – eine Brücke zu den Saalfeldnern zu schlagen und so eine weitere Win-win-Situation geschaffen. Die Stimmung im Ort während des Festivals ist inzwischen für viele Gäste ein wichtiges Argument für einen Besuch.

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Wenn es das Festival nicht gegeben hätte, würde ich jetzt nicht Leiter des Porgy & Bess sein.

Christoph Huber, Jazz-Impresario

In Saalfelden sei man „mittlerweile stolz auf das Festival, was nicht immer so war und der Veranstaltung durchaus guttut“, sagt einer, der es wissen muss: Christoph Huber, der im Wiener Club Porgy & Bess inzwischen landesweit dem Jazz den Takt vorgibt – und seine Lehrjahre in Saalfelden verbrachte: „Wenn es das Festival nicht gegeben hätte, würde ich jetzt nicht Leiter des Porgy & Bess sein.“

Geheimtipps vom Insider
Gleich das Auftaktkonzert am Freitag ist für Huber eines von drei Gustostückerln des Programms: Die Tirolerin Yvonne Moriel präsentiert die Resultate des heurigen Kompositionsauftrags – ein weiterer Beitrag zu musikalischer Nachhaltigkeit – für das Festival. Abseits davon empfiehlt Huber „die spannende Begegnung des bemerkenswerten Saxofonisten und Komponisten Darius Jones mit dem gitarristischen Freigeist Otomo Yoshihide aus Japan“ am Samstag.

Am selben Tag gibt es außerdem das Quintett von Marta Sanchez, die für Huber „zurecht zu den aufsehenerregenden Komponistinnen der aktuellen Szene zählt“. Den Jazz-Impresario wird man in Saalfelden in ungewohnter Rolle antreffen: als Publikum. „Wenn ich mich nicht verzählt habe, dann ist das heuer mein 40. Festivalbesuch, auf den ich mich sehr freue.“

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