Eine ernüchternde Zwischenbilanz über das erste Halbjahr 2026 zieht die Initiative #kulturlandretten. Massive Kürzungen, Ignoranz, Schikanen und zahlreiche gebrochene Versprechen stehen an der Tagesordnung.
Die steirische Kulturlandschaft ist nicht nur von massiven Budgetkürzungen bedroht (2024 gab es im Land noch fast 13 Millionen Euro für den Kulturbereich, 2025 waren es schon 1,5 Mio. weniger, und heuer rechnet man nur noch mit 8,6 Mio.); Kulturschaffende sehen sich auch mehr und mehr mit politischen Ansprechpartnern konfrontiert, denen Kultur, gelinde gesagt, kein besonders großes Anliegen ist.
So spielt sie etwa in den städtischen Koalitionsgesprächen zwischen KPÖ und Grünen kaum eine Rolle. „Es wäre wichtig, wenn die Kultur ein eigenes Kapitel in der Koalitionsvereinbarung bekäme; unabhängig von der Ressortverteilung“, betont Edith Draxl von uniT. Auch Monika Klengel (Theater im Bahnhof) würde sich ein Ende der politischen Spielchen, bei denen jeder dem anderen den schwarzen Peter zuschiebt, wünschen.
Jahr der gebrochenen Versprechen
Pure Enttäuschung macht sich breit, wenn es um die Kulturpolitik des Landes geht. „Ein Jahr der gebrochenen Versprechen“, resümiert Klengel und verweist auf die nicht umgesetzte Kulturstrategie, die nicht erfolgte Erhöhung des Kulturbudgets, die Einbindung der Fachbeiräte bei Förderempfehlungen, auf die man bis heute vergeblich wartet, und vieles andere mehr. „Dafür haben sich die Auflagen für Fördernehmer massiv verschärft, und die Abrechnungen werden immer schikanöser“, sind sich beide einig. Auch die Kommunikation wird immer schwieriger, von Finanzlandesrat Willibald Ehrenhöfer gab es auf die Bitte um ein Gespräch nicht einmal eine Antwort.
Klare Linie und Krisenmanagement
Eine klare kulturpolitische Linie in Stadt und Land wäre ebenso wünschenswert wie ein Krisenmanagement des zuständigen Landesrats Karlheinz Kornhäusl. Bis heute hat er etwa keinen Plan, wie die wegfallende ORF-Landesabgabe kompensiert werden soll.
Auch dass die Intendanz für den steirischen herbst (Ekaterina Degots Vertrag endet 2027) noch nicht ausgeschrieben ist, beunruhigt die Kulturschaffenden. Langsam wird die Zeit knapp.
Und was den Bund angeht: Hier werden 2 Mio. Euro in der Steiermark eingespart – ungeachtet des Umstandes, dass unser Bundesland mit 4,6 Euro pro Kopf und Jahr ohnehin das Schlusslicht bei der Kulturförderung bildet.
„Wir nehmen nicht nur, wir geben sehr viel zurück“
Mittlerweile ist erwiesen, dass jeder ausgegebene Euro für Kultur um ein Vielfaches zurückkommt. Abgesehen davon, dass Kultur eine hohe Umwegrentabilität hat, profitiert die Steiermark vielfach von ihrem Ruf. Aktuell wird ihre Bedeutung jedoch eher in Richtung Schlumpfhausen getrieben. „Eine internationale Vernetzung lässt sich nämlich nur aufrechterhalten, wenn man etwas zu bieten hat und über die notwendigen Strukturen verfügt. Das kostet Geld“, konstatiert Draxl.
Aufgeben will #kulturlandretten auf keinen Fall. „Aktuell arbeiten wir an einer Kampagne zur Neubesetzung des Kulturkuratoriums die ab 1. Jänner 2027 fällig ist. Zudem wollen wir das Bewusstsein schärfen, das Einsparungen im Kulturbereich nur einen minimalen Beitrag zur Budgetsanierung beitragen aber einen großen und dauerhaften Schaden anrichten“, betont Klengel.
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