Die Lebensgeschichte der Kenianerin Peninah Lesorogol ist echt filmreif: Begegnungen mit einem Leoparden, der Kampf gegen das Patriarchat und die Flucht nach Österreich, von wo aus sie nun für die Frauen in ihrer Heimat kämpft. Darum bringt ihre Freundin, die Grazer Filmemacherin Andrea Eidenhammer, ihre Geschichte nun ins Kino.
„Aus meiner Sicht wäre es ja jede Lebensgeschichte wert, dass man sie verfilmt. Aber diese Geschichte ist dann doch etwas ganz besonderes“, sagt Andrea Eidenhammer. Eher durch Zufall hat die steirische Filmemacherin vor einigen Jahren in Graz die gebürtige Kenianerin Peninah Lesorogol kennengelernt, über die Jahre hat sich eine Freundschaft entwickelt. „Als sie mir von ihrer Kindheit und Jugend und ihrem Weg nach Österreich erzählt hat, blieb mir der Mund offen“, schildert sie. Aus dieser Faszination ist nun ein Filmprojekt gereift, in dem das Duo diesen Lebensweg nachzeichnet.
„Ich komme aus einer anderen Welt“, sagt Lesorogol. Aufgewachsen ist sie in einer indigenen Gemeinschaft in Samburu County – einer der trockensten Regionen der Erde. „Bei uns gehört jedes Kind nicht nur zu seinen leiblichen Eltern, sondern zur gesamten Gemeinschaft, ich hatte also ganz viele Mütter“, erzählt sie. Und weil auch die Göttin dieser Gemeinschaft weiblich ist, war das Patriarchat für die kleine Peninah ein nicht vorstellbares System: „Warum haben Frauen nichts zu sagen, wenn Gott doch eine Frau ist? Mit Fragen wie diesen bin ich bald aufgefallen“, erzählt sie.
„Da stand plötzlich ein Leopard vor mir“
Doch weil sie als Kind schon so wissbegierig war, ermöglichte es ihr Vater auch, dass sie auf eine katholische Schule in einer nahe gelegenen Stadt kommt: „Ich bin mehrere Male fast von der Schule geflogen, weil ich alles hinterfragt habe“, schmunzelt sie. Wenn sie nicht in der Schule war, musste sie alleine die Ziegenherde der Familie bewachen: „Eines Tages, als ich zwölf Jahre alt war, stand plötzlich ein Leopard vor mir und ich wusste, jetzt muss ich stark sein.“ Sie starrte dem Tier so lange in die Augen, bis es davonlief, ohne eine Ziege zu attackieren. „Da habe ich das erste Mal meine eigene Stärke gespürt.“
Sie würde diese Stärke noch brauchen. In einer arrangierten Ehe wurde Lesorogol mit einem namhaften Politiker verheiratet. „Ich dachte, seine Verbindungen würden es mir ermöglichen, den Frauen in meiner Gemeinschaft zu helfen.“ Doch es kam anders. Die Ehe war unglücklich, Lesorogol saß in einem goldenen Käfig und als ihr Mann vor ihren Augen angeschossen wurde und nur dank ihrer Ersten Hilfe überlebte, fiel der Entschluss: „Ich muss weg.“
Über eine Dating-Plattform lernte sie einen Österreicher kennen und floh kurzerhand nach Graz: „Das war ein ziemlicher Kulturschock. Auch der Umgang mit Rassismus war für mich neu. Aber ich bin ein Kind der Erde, das bedeutet, dass ich mich überall zu Hause fühle“, sagt sie. Sie bekam drei Kinder und begann Schmuck zu produzieren, den sie online und auf Designmärkten verkauft. Wegen des Erfolgs holte sie ihre Schwestern und Tanten in Kenia mit an Bord.
Als ihr Vater ihr dann ein Stück Land in ihrer alten Heimat überließ, hob ihr Einsatz für die Frauen ihrer Gemeinschaft so richtig ab: „Wir haben einen kleinen Wald angelegt, damit es Schatten gibt, in dem die Frauen trotz der Trockenheit Nahrungsmittel anbauen können“, erzählt sie. Für die Umsetzung der nötigen Bewässerung konnte sie Studierende der Montanuni in Leoben gewinnen. Mit ihnen tüftelt sie gerade auch an einer Lösung des Müllproblems in ihrer Heimat. Und auch eine eigene Schule für rund 200 Kinder baut sie gerade auf.
„Eine Brückenbauerin, die einfach anpackt“
„Peninah ist eine Brückenbauerin, die einfach anpackt“, bewundert auch Eidenhammer ihre Freundin. Gemeinsam mit dem Filmteam von AV Baby in Graz bringt sie die Geschichte nun auf die große Leinwand. Es ist auch für sie ein großer Schritt: Eidenhammer hat bis jetzt vor allem Folgen von „Land der Berge“ gedreht. „Das ist mein erster Kinofilm. Wir kommen gerade aus Kenia zurück, wo wir einige der wichtigsten Szenen gedreht haben“, erzählt sie über den Film, der nicht nur Interviews mit Peninah und ihrer Familie enthalten wird, sondern auch nachgespielte Szenen aus ihrer Geschichte.
Und das Konzept für den Film kam an: Sowohl vom ORF als auch vom Österreichischen Filminstitut wird das Projekt gefördert, das 2027 in die Kinos und später auch ins Fernsehen kommen soll. „Aber auch ein afrikanischer Streamingdienst ist an dem Film schon dran“, freut sich Eidenhammer. Und für Peninah Lesorogol ist der Film ein weiteres Beispiel für den Erfolg ihrer Lebensphilosophie: „Warte nicht auf die Veränderung. Sei selbst die Veränderung.“
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