Die österreichischen Gastronomen und Hoteliers stecken in der Klemme. Die Gäste kommen zwar wie gewohnt – aber am Ende des Tages bleibt kaum etwas übrig. Energiekosten, der teure Einkauf und immer mehr Abgaben fressen die Erträge auf. „Das klafft immer weiter auseinander“, klagen die Branchenvertreter.
Wer in Österreich essen geht oder ein Hotelzimmer bucht, merkt wenig von der Not, die hinter den Kulissen der Branche tobt. Die Lokale sind voll, die Buchungslage für den Herbst ist gut – doch die Betreiber haben längst aufgehört zu jubeln. Denn während die Nachfrage stabil bleibt, bricht Gastronomen und Hoteliers unter der Last explodierender Kosten der Ertrag weg.
Die Branchensprecher ziehen eine schonungslose Bilanz. Geord Imlauer, Obmann des Fachverbandes Hotellerie: „Die Stimmung ist die eine Sache, die wirtschaftliche Realität die andere. Eine gute Auslastung bedeutet noch nicht steigende Umsätze – und schon gar nicht, dass am Ende etwas übrigbleibt.“
Die nackten Zahlen sind alarmierend. In der Gastronomie verzeichnen 35 Prozent der Betriebe sinkende Erträge – das ist deutlich mehr als noch im Vorjahr. Nur 14 Prozent konnten ihr Ergebnis verbessern. In der Hotellerie sieht es kaum besser aus: 26 Prozent der Hoteliers klagen über Ertragsrückgänge, nur 13 Prozent melden eine positive Entwicklung. „Das klafft immer weiter auseinander“, so Imlauer.
Energie, Wareneinsatz, Steuern: Die größten Ertragsfresser
Die Ursachen sind klar: Die Kosten explodieren an allen Fronten. Besonders die Energiekosten belasten die Betriebe massiv, 67 Prozent der Unternehmen nennen sie als stärkste Belastung. Aber auch die Preise für Lebensmittel und Getränke ziehen an – 65 Prozent der Gastronomen und Hoteliers spüren das bei jedem Einkauf. Dazu kommen immer höhere Steuern und Abgaben, die 62 Prozent der Betriebe zu schaffen machen.
Betriebe können die gestiegenen Kosten kaum an ihre Gäste weitergeben.
Das fatale Problem: Nur ein Drittel der Unternehmen schafft es, die Mehrkosten überwiegend oder vollständig auf die Preise aufzuschlagen. Der Großteil – zwei Drittel aller Betriebe – muss die Mehrkosten selbst schlucken. Die Folge: Die ohnehin schon dünnen Margen schmelzen dahin.
Dass die Gäste selbst auch sparsamer geworden sind, macht die Lage nicht besser. Sie bestellen bewusster, verzichten auf das Dessert, teilen sich Vorspeisen oder gönnen sich statt einer Flasche Wein nur noch ein Glas. „Die Gastronomie ist der beste Gradmesser, wenn sich irgendwo etwas verändert“, klagt Gastronomie-Sprecher Alois Rainer. „Die Leute haben Angst, sie legen sich Geld zurück – und sparen am leichtesten beim Essen gehen.“
„Wir haben ein richtiges Problem“
Die angespannte Lage hat fatale Folgen für die Investitionsbereitschaft der Branche. Während in den vergangenen drei Jahren noch drei Viertel aller Betriebe Geld in die Hand nahmen, um ihre Lokale und Hotels zu modernisieren, planen für die kommenden drei Jahre nur noch gut die Hälfte Investitionen. Jeder dritte Betrieb kann sich nur noch das absolut Notwendige leisten – und das ist oft nur der Austausch defekter Geräte.
„Es fehlt nicht der Investitionswille, sondern die Investitionsfähigkeit“, warnte Uhlau. Die Folgen seien dramatisch: „Die Betriebe verspielen wesentliches Potenzial zur Absicherung ihrer langfristigen Wettbewerbsfähigkeit – und das nicht nur für sich selbst, sondern für den gesamten Tourismusstandort Österreich.“
Besonders besorgniserregend: Viele Betriebe finden keine Nachfolger mehr, junge Leute wollen sich die Lasten nicht mehr antun. „Uns gehen ein bisschen die Unternehmer aus“, so Imlauer. „Es ist einfach nicht mehr sexy, Unternehmer zu sein – die Verantwortung ist zu groß, es ist zu mühsam.“
Forderungen an die Politik: „Wir brauchen Entlastungen“
Die Branche fühlt sich im Stich gelassen und richtet klare Forderungen an die Politik. An erster Stelle steht die Forderung nach einer Senkung der Mehrwertsteuer – so wie es Nachbarländer wie Deutschland oder die Schweiz vormachen. Auch ein Abbau der Bürokratie sei dringend nötig, denn viele Unternehmer verbringen bis zu zehn Stunden pro Woche mit Verwaltungsaufgaben, die sie lieber für ihre Gäste nutzen würden. Und nicht zuletzt brauche es Investitionsanreize wie Prämien und Freibeträge, um die Betriebe wieder zum Investieren zu bewegen.
„Unsere Branche braucht Entlastungen anstatt neuer Belastungen“, fordert Rainer. Die Gastronomie und Hotellerie sei eine der wichtigsten Säulen der heimischen Wirtschaft – mit 29,9 Milliarden Euro Umsatz, das sind 6,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, und rund 260.000 Beschäftigten. Doch dieser Motor droht zu stottern, wenn die Politik nicht gegensteuert.
Einigkeit herrscht in der Branche auch in einem Punkt: Die Mitarbeiter sind das höchste Gut. 86 Prozent der Arbeitgeber achten heute stärker auf das Wohlbefinden ihrer Angestellten, viele zahlen über dem Kollektivvertrag und bieten kostenlose Verpflegung sowie günstige Unterkünfte. Allein die freie Kost für die Mitarbeiter kostet Betriebe im Schnitt 12,80 Euro pro Tag – hochgerechnet rund 4700 Euro jährlich pro Mitarbeiter. „Ich kenne kaum eine andere Branche, wo das Essen komplett frei ist“, so Imlauer.
Doch auch diese Investitionen in die Mitarbeiter werden angesichts der Kostenspirale immer schwerer zu stemmen. Die Branche kämpft ums Überleben – und die Politik muss jetzt handeln, wenn sie nicht riskieren will, dass ganze Regionen ihre wirtschaftliche Lebensader verlieren.
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