Der in Dornbirn (Vorarlberg) geborene und nun in Oberösterreich lebende Langstreckenschwimmer Bernhard Hengl verrät im Interview mit der „Krone“, was ihn antreibt. Und wie er sich nach einer Krebserkrankung neu gefunden hat.
„Krone“: Herr Hengl, Ihr Buch trägt den Titel „Gegen die Strömung“. Einerseits verweist dies auf Ihre Erfahrungen als Langstreckenschwimmer, andererseits ist es eine starke Metapher. Wann hatten Sie im Leben das Gefühl, gegen die Strömung schwimmen zu müssen?
Bernhard Hengl: Als 17-Jähriger habe ich die Schule abgebrochen, um eine Lehre zu beginnen und mich verstärkt dem Wasserballsport zu widmen. Zwei Monate später fasste ich den Entschluss, Rechtswissenschaften zu studieren – dafür wurde ich damals teilweise belächelt. Trotzdem hielt ich an meinem Ziel fest und besuchte neben Beruf und Training die Abendschule, um das Abitur zu machen. Während meiner Krebstherapie setzte ich mir das Ziel, den zehnten österreichischen Wasserball-Meistertitel zu holen – zu einem Zeitpunkt, als an regelmäßiges Training noch gar nicht zu denken war. 2017 habe ich das tatsächlich erreicht. Ähnlich war es bei meinem Vorhaben „Alpine Seven“, also der Durchquerung von sieben Alpenseen. Die Entscheidung dafür traf ich zu einem Zeitpunkt, als meine bislang längste Schwimmdistanz gerade einmal rund zwei Kilometer betrug. Rückblickend zieht sich dieses Muster durch mein Leben: Immer wieder habe ich mir Ziele gesetzt, die auf den ersten Blick unrealistisch erschienen – und bin damit im wahrsten Sinne des Wortes gegen die Strömung geschwommen.
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