Ach, übrigens...

Das tapfere Schneiderlein

Vorarlberg
15.08.2026 09:55

„Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl macht sich in dieser Woche auf die Suche nach würdigen Fragen für eine Quiz-Show, bei der man viel Geld gewinnen kann. Fündig wurde er dabei unter anderem hinsichtlich der ersten Roten Karte, die bei einer Fußball-Weltmeisterschaft gezückt wurde. In seiner Kolumne beantortet Petermichl aber noch ganz andere Fragen.

Eine auf den ersten Blick recht simple Fußballfrage hätte durchaus das Zeug dazu, in einer beliebten Quiz-Show, ob sie nun von Günther Jauch oder Armin Assinger moderiert wird, eine millionenschwere Rolle zu spielen, nämlich: Wem wurde die erste Rote Karte bei einer Weltmeisterschaft verabreicht? Bis zur Auflösung lohnt es sich, die Geschichte der bunten Kärtchen ein wenig genauer zu beleuchten. Denn obwohl es den ersten WM-Platzverweis am 14. Juli 1930 für Placido Galindo aus Peru im Spiel gegen die rumänische Auswahl um Alfred Eisenbeisser gegeben hat, sollte es noch geschlagene 40 Jahre dauern, bis Brust- und Arschkarte im Weltfußball eingeführt wurden.

Quizmaster Günther Jauch
Quizmaster Günther Jauch(Bild: Wer wird Millionär ? - Doppelfolgen/Specials)

Argentinier sprach kein Schwäbisch
Viertelfinale beim Turnier 1966 in England: Gegenüber standen sich der Gastgeber und das Team aus Argentinien, letzteres schon damals für robuste Matchpläne bekannt, und der Wahl-Stuttgarter Rudolf Kreitlein hatte als Referee alle Hände voll zu tun. In der 35. Minute zeigte der gelernte Schneidermeister dem Kapitän der Südamerikaner, Antonio Rattin, wegen Schiedsrichterbeleidigung den Weg Richtung Kabine. Da Rattin, der später meinte, er habe lediglich nach einem Dolmetscher gefragt, weil Kreitlein kein Spanisch sprach und er des Schwäbischen nicht mächtig war, die Aufforderung nicht verstehen wollte und keine Anstalten machte, den Platz zu verlassen, mussten ihn malerisch anmutende Bobbies vom Feld eskortieren. Kreitlein, seither „Das tapfere Schneiderlein“ genannt, brauchte nach der Begegnung selbst Polizeischutz, um nicht in die Hände von aufgebrachten argentinischen Fans zu geraten.

Hätten Sie's gewusst?
Die Legende sagt, dass Schiedsrichter-Betreuer Ken Aston die Karten-Idee kam, als er nach dem Spiel auf dem Weg zum Hotel auf eine Ampel zufuhr, die gerade von Gelb auf Rot schaltete. Mag sein, jedenfalls war 1966 die letzte WM ohne Karten und beim Turnier in Mexiko 1970 hatten die Unparteiischen die gelben und roten Kartons schon in ihren Taschen stecken. Gelb wurde 58-mal gezeigt, Rot vielen Statistiken nach kein einziges Mal. Das stimmt allerdings nicht, denn (um das Rätsel vom Beginn zu lösen) Erich Deuser, Physiotherapeut des DFB-Teams, besser bekannt als „Masseur Deuser“ und Erfinder des Deuser-Bands, war im Vorrundenspiel gegen Peru ohne Erlaubnis des Referees aufs Spielfeld gelaufen und dafür mit der ersten Roten Karte der WM-Geschichte bedacht worden. Das erste WM-Rot für einen Spieler gab es erst viel später, nämlich 1974 für Carlos Caszely aus Chile nach einem dämlichen Revanchefoul an Berti Vogts. Hätten Sie’s gewusst?

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