In der ägyptischen Stadt Luxor führt eine Reise zwischen alten Tempeln, Pharaonengräbern und dem Nil tausende Jahre zurück in die Zeit einer einstigen Hochkultur, in der noch einige Geheimnisse verborgen liegen.
„Ramses“, ruft Ahmed El Samman im Karnak-Tempel in Luxor durch die Menge. Jenen Namen, den er der Reisegruppe gegeben hat, damit diese sich unter den Touristen wiederfindet. Seit über 20 Jahren bringt der Fremdenführer Besuchern die tausende Jahre alte Geschichte Ägyptens näher. Hier in der größten Tempelanlage des Landes führt er zu großen Steinblöcken, in die Hieroglyphen in tabellarischer Form gemeißelt sind.
„Das war die erste Excel-Tabelle“, scherzt Ahmed. Imposant auch die großen Säulen und Statuen des alten Tempels, der über viele Jahrhunderte entstand und erweitert wurde. Dass man damals bereits so hoch bauen konnte, erklärt man mit Rampen, über die Steine transportiert und die später wieder abgebaut wurden.
Wie ein großes Freilichtmuseum
Luxor, das als antikes Theben einst Hauptstadt war, liegt rund 500 km Luftlinie südlich von Kairo direkt am Nil. Die Stadt mit ca. 285.000 Einwohnern ist wie ein riesiges Museum unter freiem Himmel und Besuchermagnet. Viele Gäste kommen während eines Badeurlaubs am Roten Meer oder erkunden die historischen Stätten bei einer Nilkreuzfahrt. Eine schöne Stimmung bietet sich abends bei Sonnenuntergang, wenn zahlreiche Feluken, traditionelle Segelboote, auf dem Nil unterwegs sind.
Am Himmel über Luxor schweben
Das Heulen einer Sirene ist am nächsten Tag das Signal, dass die bunten Heißluftballons bei Sonnenaufgang vom Platz am Westufer des Nils aufsteigen dürfen. Ein Erlebnis, das man auch mit Höhenangst absolvieren kann, da der Ballon keine direkte Verbindung zum Boden hat. Knapp 15 Personen fasst der Korb. In der Mitte Mohamed alias „Captain Mo“.
Er versichert, wieder sicher landen zu wollen. Aus der Vogelperspektive hat man einen einzigartigen Blick auf Sehenswürdigkeiten, die auf der heutigen To-do-Liste stehen: das Tal der Könige, der Hatschepsut-Tempel sowie der Luxor-Tempel. Vor allem zeigt sich, welch wichtige Lebensader der Nil ist. Am Ufer und entlang der seitlichen Abflüsse gibt es viel Grün, dahinter Wüste.
Wo Pharaonen ihre letzte Ruhe fanden
Ein Höhepunkt ist die Fahrt ins Tal der Könige, wo man in das Neue Reich Ägyptens eintaucht. Die Epoche, in der vor rund 3500 Jahren Pharaonen wie Ramses II. herrschten. Die teils aufwendig und kunstvoll gestalteten Gräber liegen nicht wie davor üblich in Pyramiden, sondern tief in den Felsen. Kleine Elektrofahrzeuge, die Taftafs, bringen Besucher zum Ausgangspunkt, von wo aus einige der bisher entdeckten über 60 Gräber zu besichtigen sind.
Ein Extraticket benötigt man für eine „Audienz“ in der Grabkammer KV 62 (King’s Valley, Grab 62). Hier steht man plötzlich im Angesicht des weltbekannten Pharaos Tutanchamun, der im Alter von rund 19 Jahren verstorben sein soll. Hinter Glas sieht man Kopf und Füße der mit einem Tuch bedeckten Mumie. Wenige Zentimeter trennen die Zeit vor 3000 Jahren und heute. Mehr als verständlich, dass es für den britischen Ägyptologen Howard Carter ein überwältigender Moment war, als er das Grab 1922 entdeckte.
Die Sammlung der Grabbeigaben samt Totenmaske ist im Grand Egyptian Museum in Kairo zu sehen. „Das Tal der Könige hat noch nicht alle Geheimnisse preisgegeben“, so Ahmed. Man hoffe, noch weitere Gräber zu entdecken. Ebenso faszinierend: der sehr gut erhaltene Hatschepsut-Tempel, der Totentempel der gleichnamigen mächtigen Pharaonin war.
Wie man am Basar richtig handelt
Neben all den Kulturschätzen begegnet man auch einer anderen Seite des Landes. Immer wieder sieht man zwischen Autos und Bussen Eselskarren, aber auch Kinder und Erwachsene, die betteln.
Eindrücke, die nachdenklich machen und erinnern, wie privilegiert man ist, hierhin reisen zu dürfen. Auch ein Besuch am Basar gehört dazu. Tipp: beim halben ursprünglichen Preis des Verkäufers beginnen und sich dann in der Mitte treffen.
Letzte Station ist der Luxor-Tempel. Eine knapp drei Kilometer lange Allee mit teils erhaltenen Sphingen verbindet ihn mit dem Karnak-Tempel. Hier schließt sich der Kreis der Reise in eine längst vergangene, dennoch so präsente Zeit.
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