Social-Media-Aufrufe

„Sehen uns am 15. August“: Ceuta vor neuem Ansturm

Ausland
06.08.2026 10:59
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Migranten-Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta ist erst wenige Tage her, da verdichten sich bereits Hinweise, dass eine ähnliche Massenbewegung in Planung sein könnte. Sogar ein konkretes Datum wird in Social-Media-Gruppen anvisiert: Mitte August soll die Stadt in Nordafrika offenbar wieder überrannt werden.

Aufrufe über Instagram, Facebook, TikTok und Whatsapp-Foren lassen derzeit aufhorchen. „Brüder, 15.08.2026“, „Wir sehen uns dort am 15.! Seid pünktlich!“, ist in einschlägigen Social-Media-Gruppen zu lesen. Offenbar organisiert Marokkos Jugend im Internet einen neuen Ansturm.

Große spanische Tageszeitungen wie „El País“ und „ABC“ haben anscheinend Zugriff auf Facebook-Gruppen mit fast 400.000 Mitgliedern und neun WhatsApp-Gruppen mit mehreren Hundert Personen. „Marokkos Jugend ist sehr gut über soziale Netzwerke organisiert und vernetzt. In ländlichen und ärmeren Regionen haben viele nicht einmal die wichtigsten Grundnahrungsmittel, aber über Internet verfügen sie fast alle“, erklärt die spanische Soziologin María Guevara von der Universität Pablo de Olavide in Sevilla.

Die jungen Migranten nutzen soziale Medien als Informationsquelle – ob die Fakten überhaupt ...
Die jungen Migranten nutzen soziale Medien als Informationsquelle – ob die Fakten überhaupt stimmen, die dort verbreitet werden, ist für sie oft schwer feststellbar.(Bild: EPA/REDUAN)

Marokkos Jugend anfällig für Fake News aus sozialen Medien
Dadurch konnten sich die Jugendlichen bereits vergangene Woche gut auf einen gemeinsamen Ansturm auf Ceuta vorbereiten. Die Soziologin erklärt, dass die jungen Marokkaner wegen der Abhängigkeit von Informationen über die sozialen Medien „leicht Fake News und Manipulationen auf dem Leim gehen“. Der spanische Geheimdienst bestätigte ebenfalls, dass die Jugendlichen auch vergangene Woche Fehlinformationen von Schlepperbanden Glauben schenkten.

So wurde fälschlicherweise verbreitet, dass nach einem jüngsten Urteil des Spanischen Obersten Gerichtshof nun der perfekte Moment sei, um nach Ceuta einzudringen. Laut den Fake News sollen hier die sonst für Marokkaner üblichen direkten Rückführungen ausgesetzt worden seien – was allerdings nicht stimmte.

Nachdem sie erfahren hatten, dass die Versprechen vom problemlosen Transfer aufs spanische ...
Nachdem sie erfahren hatten, dass die Versprechen vom problemlosen Transfer aufs spanische Festland erfunden waren, verließen die meisten Migranten die Exklave wieder.(Bild: AP/Antonio Sempere)

Für neuen Ansturm werden alte Foren und Kanäle verwendet
Brisant: Wie das spanische KI-Unternehmen „Golden Owl“ herausfand, sind es anscheinend die gleichen User, die vergangene Woche den Grenzübertritt von rund 72.000 hauptsächlich jungen Marokkanern auslösten, die nun auch den neuen Ansturm für den 15. August vorbereiten. Dafür werden sogar dieselben Foren und Kanäle verwendet. 

In den Tagen vor dem Massenansturm am 30. Juli kursierten ähnliche Nachrichten, die Menschen dazu aufriefen, sich im Viertel Castillejos an der Grenze zu versammeln, um gemeinsam nach Ceuta zu gelangen. So nehmen die spanischen Behörden die aktuellen Nachrichten in den sozialen Medien über einen neuen Versuch am 15. August auch sehr ernst.

Bojen als Barrieren für schwimmende Migranten installiert
Um einen erneuten Massenansturm zu erschweren, installierten die Behörden bereits eine sich 500 Meter ins Meer ziehende, längliche Bojen-Struktur. Der aufblasbare Schwimmkörper wird zwar kaum verhindern können, dass die Menschen die 300 Meter vom marokkanischen Strand zur spanischen Seite hinüberschwimmen. Es ist jedoch ein „Grenzsperrelement“, und der letzte Ansturm wurde vor allem durch das Urteil des Spanischen Obersten Gerichtshofs ausgelöst, der direkte Rückführungen an der Grenze zu Ceuta verbot, sollten die Migranten schwimmend das spanische Territorium erreicht haben, ohne Grenzsperren überwunden zu haben.

Bei manchen Migranten wächst bereits Skepsis
Unterdessen zeigt die jüngste Auswertung der sozialen Medien durch spanische Leitmedien aber auch, dass nicht wenige anfangen, an den verbreiteten Informationen zu zweifeln. Fast alle Migranten hatten Ceuta am Samstag bereits nach 24 Stunden wieder verlassen, als sie bemerkten, dass die Versprechen vom problemlosen Transfer aufs spanische Festland frei erfunden waren. Viele Marokkaner drückten gegenüber Reportern ihre Enttäuschung aus. Sie dachten, in Ceuta mit offenen Armen empfangen zu werden, weil Spanien Arbeitskräfte braucht.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung