Wer in Österreich ein Kalbsschnitzel bestellt, bekommt dabei selten österreichisches Fleisch serviert. Denn: Mehr als die Hälfte des Inlandsverbrauchs wird durch Importe aus anderen EU-Ländern gedeckt. Die Produktions-Initiative „Kalb rosé“ präsentiert sich als Gegenmaßnahme.
Weniger ausländisches Kalbfleisch importieren und keine Kärntner Kälber exportieren – so einfach es auch klingt, gestaltet sich die praktische Umsetzung dennoch als herausfordernd. Zurzeit werden jährlich etwa 68.000 Kälber aus dem EU-Ausland, insbesondere aus den Niederlanden, nach Österreich importiert.
Im Gegenzug dazu werden rund 42.000 heimische Kälber exportiert. Der Grund dafür liegt am Preis: Das Kalbfleisch aus dem Ausland kostet im Einkauf oftmals deutlich weniger und verdrängt damit sein österreichisches Gegenstück.
Genau hier setzt die Initiative „Kalb rosé Austria“ an: Die Eigenversorgung mit heimischen Kalbfleisch soll angekurbelt und die Produktion ressourcenschonend und regional gehalten werden. In der Praxis heißt das, dass die Kälber ausschließlich auf österreichischem Boden geboren, gemästet und geschlachtet werden. Das spart Transportwege und wirkt sich damit positiv auf die Umwelt sowie auf das Stresslevel der Tiere aus.
Land Kärnten fördert heimisches Kalbfleisch
Seit zwei Jahren unterstützt das Land Kärnten jene bäuerlichen Betriebe, die nach „Kalb rosé Austria“-Standard mästen. Betriebe erhalten je nach Stückzahl der Kälber eine jährliche Prämie von 700 Euro bis hin zu 2800 Euro. Agrrarreferent und Landesvize Martin Gruber spricht hierbei von einem „wichtigen Anreiz für Betriebe, einen anderen Weg einzuschlagen.“
Die Zahlen geben Gruber Recht: Seit der finanziellen Förderung hat sich die Anzahl der Kärntner Betriebe, die nach „Kalb rosé Austria“-Standard mästen, von neun auf 19 Betriebe verdoppelt. Die Anzahl der seitdem gemästeten Kälber hat sich verdreifacht.
Auch Landwirt Paul Botthof aus Feldkirchen, sieht eine positive Entwicklung, seit er am „Kalb-rosé“-Programm teilnimmt: „Die Teilnahme ist zwar herausfordernd, bietet mir aber die Möglichkeit, das Einkommen am Hof zu erhöhen, ohne große Investitionen tätigen zu müssen.“
Es muss ein größeres Bewusstsein für heimische Produktion in der österreichischen Bevölkerung geschaffen werden.
Josef Fradler, Obmann der BVG Kärntner Fleisch
Konsument entscheidet am Ende
Bei allen Maßnahmen entscheidet doch am Ende Angebot und Nachfrage über den Erfolg von „Kalb rosé Austria“. Diesbezüglich ist der Obmann der BVG Kärntner Fleisch, Josef Fradler, optimistisch: „Es ist uns gelungen, gerade im Gastronomiebereich ausländische durch heimische Produktion zu einem gewissen Teil zu ersetzen.“ Ausruhen darf man sich allerdings nicht, denn man müsse „weiterhin für Produktion und Absatz kämpfen.“, so Fradler.


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