Er nennt es ein „Bürokratiemonster hoch drei“: Der Wiener Gehaltsexperte Conrad Pramböck kritisiert im Gespräch mit der „Krone“ die EU-Lohntransparenz-Richtlinie scharf, die eigentlich künftig die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen verkleinern soll.
Eigentlich soll die EU-Lohntransparenzrichtlinie, deren Umsetzung sich in Österreich wie auch in den meisten anderen Ländern derzeit verzögert, den „Gender Pay Gap“ bekämpfen und Frauen endlich zu fairem Lohn für gleiche Arbeit verhelfen. In der Praxis könnte sie sich jedoch als bürokratisches Monster entpuppen, warnt Conrad Pramböck. Er berät Unternehmen seit Jahrzehnten in Gehaltsfragen und sieht das Vorhaben äußerst kritisch. Und das, obwohl er als Berater von der Umsetzung der Richtlinie finanziell sogar profitiert.
„Extreme Bürokratie, null Effekt“
„Für mich ist das die geballte Ladung an EU-Bürokratie. Alles, was an der EU und der Regierung kritisiert wird, gipfelt in dieser Richtlinie“, sagt Pramböck. Ein „Bürokratiemonster hoch drei“ sei das, denn der Aufwand für die Unternehmen sei gigantisch, der erhoffte Nutzen hingegen verschwindend gering. „Diese teure Lösung brauchen wir nicht.“
Brüssel will etwa, dass Arbeitnehmerinnen künftig das Recht haben, in der Firma jederzeit schriftlich Auskunft über das Durchschnittsentgelt von Kollegen mit ähnlichen Aufgaben zu verlangen. Dazu kommen neue Berichtspflichten für Betriebe ab 100 Beschäftigten zur Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern. Von SPÖ-Sozialministerin Schumann gibt es dazu bereits einen Gesetzesentwurf, den sie aber noch mit ÖVP und NEOS abstimmen muss.
Vor allem die Berichtspflichten zu den Einkommen in den Unternehmen und das neue Auskunftsrecht für Mitarbeiter sieht Pramböck als immense Belastung. Allein die Einführung der neuen Strukturen verschlingt in größeren Unternehmen schnell einen sechsstelligen Betrag. Und das für ein Gesetz, das seiner Überzeugung nach im Sande verlaufen wird: „Seit 15 Jahren gibt es Einkommensberichte. Jeder meiner Kunden sagt: Das hat niemanden interessiert. Das kommt in die Schublade und nie wieder raus.“ Die gleiche Prognose stellt er für die neuen Regelungen: „Riesenaufwand, null positive Auswirkungen.“
„Der Gender Pay Gap ist ein komplexes Thema“
Pramböck stellt klar, dass er das Ziel, Frauen und Männer gleich zu bezahlen, vehement unterstützt. Er stelle nicht das Ziel der Lohngerechtigkeit in Frage, sondern den Weg dorthin. „Das Anliegen ist absolut löblich. Frauen verdienen im Schnitt weniger und haben es im Berufsleben meist schwerer als Männer.“ Diesen aber mit immer mehr Bürokratie bekämpfen zu wollen, sei der falsche Ansatz. Der Experte hält die Diskussion für viel zu verkürzt. Die Ursachen für die Lohnunterschiede lägen in strukturellen Problemen: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, kommen dadurch seltener in Führungspositionen und wählen oft Berufe in schlechter bezahlten Branchen. Auch das österreichische Kinderbetreuungssystem spiele eine entscheidende Rolle: „Am Land ist der Kindergarten nur bis Mittag geöffnet. Wie willst du da jemals einen Vollzeitjob machen?“
Kritik an Ministerin und EU
Die Politik und die EU-Bürokratie verweigere sich dieser Komplexität und suche die einfache Lösung in zusätzlicher Regulierung. Pramböck sieht darin eine fatale Fehlentwicklung: „Erschwerend kommt dazu, dass die verantwortlichen Politiker, namentlich Arbeitsministerin Korinna Schumann, keine Berufserfahrung in der Privatwirtschaft haben und dadurch den Aufwand für die Unternehmen massiv unterschätzen.“
Das Projekt sei ideologisch getrieben und belaste die Unternehmen zusätzlich in dieser schwierigen Wirtschaftslage. „Meine Hoffnung ist, dass die ÖVP mitbekommt, dass die Wirtschaft klar dagegen ist.“ Auch sein persönlicher Wunsch ist klar: „Stampft die Richtlinie ein. Die Botschaft der gleichen Entlohnung ist überall angekommen. Noch mehr Bürokratie brauchen wir nicht.“
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