Was Hitzewellen heißen

Senioren „nicht allein lassen“, Bäume unter Stress

Steiermark
13.07.2026 05:00

Es bleibt heiß. Bäume sind gestresst und anfälliger für Schädlinge. Und nicht alle Steirer können sich eine Abkühlung leisten.

Es wird „ein Scheißsommer“, so titelte die deutsche „Bild“-Zeitung vergangene Woche. Dabei bezog man sich auf Prognosen von Wetter-Experten wie Jörg Kachelmann. Hitze- und Dürrephasen werden über lange Strecken vorausgesagt. Die Vorboten zeigen sich in ganz Europa. Auch Österreich erlebte im Juni eine Hitzewelle wie selten früh im Jahr.

Schon 15 Hitzetage in Folge
Zu langfristigen Prognosen meint allerdings Meteorologe Martin Kulmer von der GeoSphere Austria: „Diese sind mit großer Unsicherheit behaftet.“  Aber es zeichne sich ein klarer Trend ab. „Hochdruckgebiete halten sich länger an einem Ort. Hitzewellen kommen früher und es bleibt lange in Folge heiß“, sagt Kulmer. So verzeichnete Graz heuer schon 21 Hitzetage (über 30 Grad), davon hielten sich 15 am Stück. Im vergangenen Jahr lag der Rekord bei zwölf aufeinanderfolgenden Hitzetagen (von in Summe 30 Hitzetagen), im Jahr davor neun in Folge (von insgesamt 42 Hitzetagen). „2024 war ein heißes Jahr, aber es gab auch immer wieder Gewitterphasen, wo es abkühlte“, erklärt Kulmer. Heute sind, wie schon am Wochenende, in der ganzen Steiermark wieder über 30 Grad möglich.

Auswirkungen auf Mensch und Natur
„Die Teiche sind bald leer“, meinte ein Obstbauer unlängst zur „Krone“. Schulklassen stöhnten zuletzt unter Hitzestaus in Klassenzimmern. „Die Betroffenheit ist während Hitzewellen sehr unterschiedlich, je nach sozioökonomischen und demografischen Faktoren“, erklärt Eva Preinfalk, die am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, dazu forscht. Besonders auf ältere und sozial benachteiligte Menschen müsse man gut achtgeben. „Nehmen wir einen Pensionisten mit eingeschränkter Mobilität, der im vierten Stock ohne Lift lebt. Hier entsteht ein erhöhter Betreuungsbedarf. Man muss Senioren auch öfter an ausreichend Flüssigkeitszufuhr erinnern“, sagt Preinfalk. Es brauche auch mehr Nachbarschaftsnetzwerke und eine stärkere, mobile Pflege.

In Städten muss man langfristig kühle und konsumfreie Flächen schaffen, die allen Personen zugänglich sind.

Eva Preinfalk

Ein anderes Beispiel ist eine fünfköpfige Familie, die sich mehrere Ausflüge ins Schwimmbad einfach nicht leisten kann. Preinfalk plädiert für Lösungen wie „kühle, konsumfreie Flächen in Städten, die für alle zugänglich sind“. Denn abseits von Ventilatoren wird auch die Abkühlung in den eigenen vier Wänden zum kostbaren Gut.

Von kühlen Flächen bis zu gestressten Bäumen
Auswirkungen haben Hitzephasen auch auf die Natur. Die steirischen Feuerwehren hatten heuer bereits mit mehreren Waldbränden zu kämpfen, die schwer in den Griff zu bekommen waren. Aber die hohen Temperaturen bedeuten auch ohne solche Extremereignisse Stress für die Natur. „Wenn es zu warm ist und zu wenig Niederschlag gibt, wird es für manche Pflanzenarten besonders schlimm. In den Wäldern ist das bei Fichten gut dokumentiert. Sie sind dann geschwächter“, erklärt Biologe Adam Clark von der Universität Graz.

Bäume brauchen viel Wasser, sonst sind sie gestresst und schwach. Dadurch werden sie anfälliger für Schädlinge.

Adam Clark

Dadurch werden die Bäume anfälliger für Schädlinge wie Borkenkäfer. „Da Fichten zum Beispiel oft in Monokulturen wachsen, können sich die Schädlinge noch dazu leichter ausbreiten“, sagt Clark. Der Klimawandel werde „Pflanzen in den nächsten Jahren langfristig stressen“. Hinzu kommen weitere Faktoren wie Versiegelung beziehungsweise Flächenfraß, sowie eine Änderung bei Dünger und Landnutzung.

Die kommenden Tage geht es vorerst unbeständig weiter. Es soll warm bleiben, bis zu 30 Grad sind möglich, doch einzelne starke Gewitter sorgen zwischenzeitlich für „Abkühlung“. Laut GeoSphere kommt die Hitze aber wieder zurück.

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