Die drei Lesetage der Bachmannpreis-Jubiläumsausgabe sind vorbei. 14 Autoren haben ihre Texte vorgestellt, das sind unsere Favoriten für fünf Preise und ein Stipendium, die am Sonntagmittag im ORF-Theater in Klagenfurt vergeben werden.
Der dritte und letzte Lesetag ist seit Samstag Geschichte wie die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur, die am Sonntag (ab 11 Uhr) mit der Preisvergabe zu Ende gehen. Treue „Krone“-Leser wissen: Jetzt ist der Moment für unseren traditionellen Blick in die Glaskugel. Der Ingeborg-Bachmann-Preis (30.000 €) der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee, Kelag-Preis (15.000 €), Deutschlandfunk-Preis (12.500 €), 3sat-Preis (7.500 €) sowie BKS Bank Publikumspreis (7000 €), mit dem auch das Festival-Schreiberstipendium des Carinthischen Sommers (3000 €) verknüpft ist, stehen auf dem Spiel.
Wer ganz sicher nicht ohne Auszeichnung ins niederösterreichische Zuhause gehen wird, ist die Ungarin Kinga Tóth und ihr „OstblockMädl“, das furios im Zeichen ungarischer Arbeitsmigrantinnen steht.
Existenzielle Wucht in klarer, reduzierter Sprache, die trotz mehrere Zeitebenen im Präsens bleibt und große Brutalität ebenso lakonisch umfasst wie große Zärtlichkeit, schreibt Lena Schätte mit „Was wir tragen“ zwei übergewichtigen Freundinnen und einer doppelbödigen Mutter-Tochter-Beziehung ein.
Damit steht die Deutsche für uns ebenso auf dem „Stockerl“ wie ihr Landsmann Ozan Zakariya Keskinkiliç mit seinem „Vater ohne Sohn“, der in literarischer Gleichzeitigkeit zwischen Liebhaber und Schuld vielstimmig seinen Platz in vielen Welten sucht.
Ich-Erzählungen, Faszination für die Unterschicht und penible Innenschau geben beim heurigen Jubiläums-Wettlesen den literarischen Ton an. So auch bei der Niederösterreicherin Magdalena Schrefel, die beeindruckend, kühl, beiläufig und experimentell den autofiktionalen Brustkrebs samt „Kirschen, Herz mit Verband“ im Sprachlabor seziert.
Doch auch „Das tiefe Gesicht“ der Kölnerin Gesche Heumann geht tief: Gerade einmal zwei Seiten Text, grandios verdichtet zur kunstphilosophischen Ideenskizze voller Humor und Lakonie. Die in Wien lebende Deutsche Fiona Sironic und ihr präzises Kammerspiel nicht zu vergessen, das „Mikrobiellen Befall“ in analogen und digitalen Räumen ortet.
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