Die zu Amazon gehörende Live-Streaming-Plattform Twitch hat offenbar heimlich, still und leise damit begonnen, von Nutzern erstellte Inhalte zum Trainieren von KI-Modellen zu verwenden. Die einzige Möglichkeit, dies zu unterbinden, bestehe darin, in den Sicherheitseinstellungen eine versteckte Option zu finden, berichteten US-Medien.
Wie die Spiele-Website „Kotaku“ berichtet, hatte der Content-Creator Zach Bussey am Mittwoch einen Screenshot von einer offenbar neu hinzugefügten Option auf Twitch veröffentlicht, mit der Nutzer verhindern können, dass ihre Inhalte und Videos zum Training zukünftiger, von Amazon entwickelter KI-Modelle und generativer KI-Tools verwendet werden.
Der Screenshot verbreitete sich rasch im Netz, ebenso wie Busseys Link zu dem entsprechenden Untermenü in den Einstellungen des eigenen Twitch-Kontos, in dem sich die Option zum Deaktivieren des KI-Trainings befindet. Dem Bericht nach dürfte diese erst vor Kurzem und ohne nennenswerte Vorwarnung oder Ankündigung hinzugefügt worden sein.
Auf einer FAQ-Seite von Twitch zum Thema generatives KI-Training liefert das Streaming-Unternehmen ein mögliches Beispiel dafür, was passiert, wenn Nutzer Amazon erlauben, seine KI-Modelle mit ihren Inhalten zu trainieren: „Ein Beispiel dafür, was passiert, wenn Sie Ihre Inhalte für das Training eines GenAI-Inhaltsmodells zur Verfügung stellen, ist, dass Ihre Audioaufnahmen dazu beitragen könnten, Modelle zu verfeinern, die Sprache in Text umwandeln. Dies würde nicht nur die Untertitel bei Twitch verbessern, sondern auch die Untertitel bei Amazon insgesamt“, heißt es dort.
Auf derselben FAQ-Seite betont Twitch zudem, dass alle Inhalte eines Twitch-Kanals zum Trainieren von Amazon-KI-Modellen verwendet werden können. Dazu gehörten Streams und Videos auf Abruf (on demand), Chats, Bilder oder auch Texte, so „Kotaku“. Die Plattform weist außerdem darauf hin, dass auch Inhalte für das KI-Training verwendet werden können, wenn man selbst die Datennutzung deaktiviert hat, aber im Stream eines anderen Nutzers chattet, der diese nicht deaktiviert hat.
Bewusst standardmäßig aktiviert
In einem Live-Stream am Mittwoch, in dem die Situation thematisiert wurde, versuchte Mary Kish, Community-Chefin von Twitch, den Einsatz von KI herunterzuspielen. Der Grund dafür, dass man nicht alle KI-Funktionen von Twitch deaktivieren könne, sei, dass Twitch „ohne gewisse Formen von KI nicht funktionieren könne“, behauptete sie. Kish selbst räumte ein, die KI deaktiviert zu haben, stellte aber klar, dass KI mittlerweile „flächendeckend“ und in vielen Live-Streaming-„Communitys“ eingesetzt werde.
Auf die Frage eines Nutzers, warum Twitch diese nicht per E-Mail über die Änderung informiert habe, antwortete Kish: „Nicht jeder liest seine E-Mails“ und fügte hinzu, dass Direktnachrichten und Mundpropaganda die Informationen „weiter verbreiten“ würden. „Das ist nicht die beste Antwort, aber Creator lesen ihre E-Mails nicht immer“, so Kish.
Der wohl „brisanteste Moment“ ereignete sich laut „Kotaku“ jedoch gleich zu Beginn des Streams, als Produktchef Mike Minton auf eine Frage im Chat erklärte, warum diese Option eine Abmelde- und keine Anmelde-Option sei. „Nun, die Antwort ist ganz einfach“, sagte Minton. „Und ich denke, die meisten von Ihnen werden das nachvollziehen können: Wenn es eine Opt-in-Option wäre, würde sich niemand anmelden. Das ist ehrlich gesagt die Antwort. Deshalb wird es standardmäßig aktiviert sein.“
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