Drohnenangriff auf Zug
Ukraine: Lok-Crew stirbt, um Passagiere zu retten
Die russische Armee hat einen Passagierzug in der Ukraine mit einer Drohne angegriffen. Der Lokführer und sein Assistent schafften es gerade noch, den Zug zum Halten zu bringen, sodass alle Passagiere in Sicherheit gebracht werden konnten. Die beiden starben aber dabei.
Mit einer strahlgetriebenen Shahed-Drohne nahm Russland den Passagierzug Donnerstagfrüh in der Region Odessa ins Visier. Nach Angaben von Oleksandr Pertsovksyi, Chef der ukrainischen Staatsbahn, konnte die Drohne im Anflug erkannt werden, worauf die Leitstelle sofort den Befehl gab, den Zug anzuhalten.
340 Menschen in Sicherheit gebracht
Dem Lokführer und seinem Assistenten blieben nur wenige Minuten: Sie schafften es, den Zug an einem Bahnhof vollständig zum Stillstand zu bringen. Passagiere und Besatzung, insgesamt 340 Menschen, konnten den Zug rechtzeitig verlassen.
„Keine Überlebenschance“
Kurz darauf schlug die Drohne aber in die Lokomotive ein. Der Lokführer und sein Assistent wurden getötet. Die Militärverwaltung von Odessa veröffentlichte ein Video, das Feuer und Zerstörung an einem Teil des Zugs zeigt. „Sie hatten keine Überlebenschance“, so Pertsovksyi. Von den Menschen, die den Zug verlassen konnten, darunter 67 Kinder, wurde keiner verletzt. Sie wurden mit Bussen in die Stadt Odessa gebracht.
Der Drohnenpilot müsse gewusst haben, dass es sich um einen zivilen Zug handelte, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu dem Angriff. Er sprach von nächtlichen russischen Angriffen in elf Regionen des Landes. Einmal mehr forderte Selenskyj von seinen Verbündeten zusätzliche Hilfe bei der Flugabwehr und mehr Druck auf Russland.
Höchststand ziviler Opfer seit vier Jahren
Die fortdauernden russischen Angriffe fordern immer mehr zivile Todesopfer. Im Juli hat ihre Anzahl nach Angaben der UNO ihren höchsten Stand seit dem Mai des Jahres 2022 erreicht. Im vergangenen Monat seien mindestens 437 Zivilisten in der Ukraine getötet und mindestens 2610 verletzt worden. Das entspreche einem Anstieg um 30 Prozent im Vergleich zum Vormonat und um 70 Prozent im Vergleich zum Juli 2025.
Eine Auswertung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Daten der ukrainischen Luftwaffe ergab, dass die russische Armee im Juli eine Rekordzahl von Raketen auf die Ukraine abgefeuert hat.
Meiste Todesopfer seit 2. Weltkrieg
In dem im Februar 2022 begonnenen Krieg sind Hunderttausende Menschen – vor allem Soldaten auf beiden Seiten – getötet worden. Es ist damit der Konflikt in Europa mit den meisten Todesopfern seit dem Zweiten Weltkrieg. Die UNO zählt bisher 16.874 getötete Zivilisten, erklärt jedoch zugleich, dass die wahre Zahl deutlich höher liegen dürfte, da die Opferzahlen in von Russland besetzten Gebieten der Ukraine nicht bestätigt werden könnten.










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