„Undenkbares passiert“

250.000-Besucher-Festival wegen Hitze abgesagt

Ausland
26.06.2026 10:45
Porträt von krone.at
Von krone.at

Es sollte eines der größten Events der elektronischen Musikszene werden – doch für zehntausende Besucher endete das Festival abrupt und unerwartet. Mitten in der laufenden Veranstaltung kam die Nachricht, die niemand hören wollte: Das Hardstyle-Festival Defqon.1 ist wegen extremer Hitze vorzeitig beendet worden.

Am Freitagmorgen (26. Juni) zog der Veranstalter Q-dance die Reißleine und sagte die verbleibenden Festivaltage im niederländischen Biddinghuizen ab. Kurz zuvor hatte der niederländische Wetterdienst Koninklijk Nederlands Meteorologisch Instituut die höchste Warnstufe ausgerufen: Code Rot wegen extremer Hitze – ein bislang historisches Novum im Land.

Am Freitag wurden Temperaturen von bis zu 38 Grad erwartet. Gemeinsam mit den Behörden entschied der Veranstalter schließlich, die Sicherheit der Besucher über das Festivalerlebnis zu stellen. „Das Undenkbare ist passiert“, hieß es in einer Mitteilung an die Besucher, die intern als „Warriors“ bezeichnet werden.

Die Absage führte zu gehörigem Unmut bei einigen Besuchern:

Erste Maßnahmen reichten nicht aus
Bereits am Vortag hatte Q-dance versucht, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Laut Berichten wurden alle Tagestickets für Freitag und Samstag annulliert – rund 15.000 Besucher pro Tag weniger sollten die Belastung auf dem Gelände reduzieren. Mehr Schattenbereiche, bessere Versorgung und weniger Gedränge waren Teil des Notfallplans.

Doch die Maßnahmen reichten nicht aus. Mit der offiziellen Code-Rot-Warnung war klar, dass eine sichere Fortsetzung nicht mehr gewährleistet werden konnte. „Wir sind absolut am Boden durch diese Entwicklung“, erklärte der Veranstalter.

Zehntausende noch am Campingplatz
Besonders heikel: Noch zehntausende Besucher befanden sich zu diesem Zeitpunkt am Campinggelände. Viele hatten keine kurzfristige Möglichkeit zur Heimreise. Der Campingbereich blieb zunächst geöffnet, um eine geordnete Abreise zu ermöglichen. Neue Besucher wurden hingegen ausdrücklich aufgefordert, nicht mehr anzureisen – der Zutritt zum Gelände wurde gesperrt.

Das musikalische Programm wurde vollständig eingestellt. Ticketkosten sollen rückerstattet werden, Details zu möglichen zusätzlichen Entschädigungen will der Veranstalter nach dem Wochenende bekannt geben. Zusätzliche Ausgaben etwa für Unterkunft oder Rückreise werden nach aktuellem Stand nicht übernommen.

Ausnahmefall in der Festivalgeschichte
Defqon.1 gilt als eines der größten Hardstyle-Festivals weltweit und zieht laut Veranstalter jährlich mehr als 250.000 Besucher aus über 100 Ländern an. Seit der Gründung im Jahr 2003 war es noch nie zu einem vollständigen Abbruch mitten im laufenden Betrieb gekommen.

Auch andere Festivals in Europa waren in diesen Tagen von extremen Wetterbedingungen betroffen. So wurden etwa Veranstaltungen in den Niederlanden eingeschränkt oder abgesagt. Beim Hurricane Festival kam es zuvor zu einem Todesfall einer Besucherin; auch das Southside Festival war zeitweise von wetterbedingten Unterbrechungen betroffen, konnte später aber weitergeführt werden.

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