„Dachte, ich sterbe“

Chiara Pisati spricht erstmals über Fehlgeburt

Adabei Österreich
23.06.2026 20:00

Anfang des Jahres wurde Chiara Pisati Mutter eines Sohnes. Doch bevor sie ihr „Regenbogenbaby“ Ende Jänner gesund in den Armen halten konnte, musste die Schauspielerin einen schweren Verlust verkraften. Erstmals erzählte sie nun von ihrer Fehlgeburt, den stundenlangen Wehen, der fehlenden Betreuung – und einer Angst, die sie durch ihre nächste Schwangerschaft begleitete.

Chiara Pisati war im vergangenen Jahr überraschend schwanger geworden. Anfangs wusste sie selbst nichts davon. Als sie von der Schwangerschaft erfuhr, wollte sie zunächst abwarten, bevor sie ihrer Familie davon erzählte. Nach drei Monaten - der empfohlenen Zeit - fühlte sie sich bereit. „Ich habe mich so gefreut“, erzählt die Schauspielerin im Gespräch mit der „Heute“. Ihrer Mutter und Großmutter wollte sie die schöne Nachricht überbringen, doch kurz davor erfuhr sie bei einem Ultraschalltermin, dass sich das Baby nicht gut entwickelte.

Pisati klammerte sich zunächst an die Hoffnung, dass sich die Einschätzung noch ändern könnte. „Ich wollte es einfach nicht akzeptieren“, sagt sie. „Ich habe mir immer wieder gesagt: ,Aber das wird ja vielleicht noch.'“ Doch die Ärzte hätten ihr von Anfang an gesagt, dass die Schwangerschaft nicht gut enden würde. 

„Im Grunde machst du eine Geburt durch. Alleine“
Da die Schwangerschaft bei Pisati nicht von selbst abging, erhielt sie Medikamente, mit denen die Wehen eingeleitet werden sollten. Was danach geschah, habe sie völlig unvorbereitet getroffen. „Du bekommst die Tabletten beim Arzt – und wirst dann nach Hause geschickt. Ohne Betreuung“, schildert die Schauspielerin. „Im Grunde machst du eine Geburt durch. Alleine.“

Zu Hause nahm sie die zweite Tablette ein. Man habe ihr gesagt, dass Blutungen und Schmerzen auftreten könnten. „Ich habe angefangen zu bluten und habe sofort extrem starke Wehen bekommen“, erzählt Pisati. Da sie später ihren Sohn auf natürlichem Weg zur Welt gebracht habe, könne sie das heute klar einordnen: „Das waren echte Geburtswehen.“

Vier Stunden lang habe sie ohne Pause unter einem sogenannten Wehensturm gelitten. „Ich wusste nicht, wie ich das veratmen soll, wie ich damit umgehen soll. Ich dachte wirklich, ich sterbe.“ Besonders belastend sei gewesen, dass sie in diesem Moment vollkommen auf sich alleine gestellt war. Heute steht für sie fest: „So etwas sollte niemals alleine zu Hause passieren müssen. Das gehört in die Klinik, mit Betreuung durch Hebammen.“

Die Wochen danach
Mit dem Abgang war die körperliche Belastung für Pisati aber nicht vorbei. Fünf Wochen lang habe sie stark geblutet. „Mir stand etwas bevor, womit ich nicht gerechnet habe. Etwas, von dem ich nicht wusste, dass das auch mit einer Fehlgeburt einhergehen kann: ein echtes Wochenbett.“

Die Fehlgeburt war nicht nur für die Schauspielerin selbst, sondern natürlich auch für Freund Lukas de Roode eine enorme Belastung. Der Partner sei häufig noch hilfloser, weil er unterstützen wolle, aber kaum etwas tun könne. „Er hat ja auch ein Kind verloren“, betont sie. 

Gleichzeitig habe sie begonnen, ihren eigenen Körper infrage zu stellen. „Du denkst, dass etwas mit deinem Körper nicht stimmt, und fühlst dich schuldig.“ In ihrem Umfeld habe sie bis dahin fast nur von positiv verlaufenden Schwangerschaften gehört. Über Fehlgeburten werde kaum gesprochen – und schon gar nicht darüber, wie sie tatsächlich ablaufen können. „Es ist immer noch ein Tabuthema“, sagt Pisati. 

Eine Schwangerschaft ersetzt die Trauer nicht
Nach der Fehlgeburt wurde die Schauspielerin relativ schnell neu schwanger. Das habe ihr in gewisser Weise geholfen, weil damit eine belastende Frage beantwortet war: Kann ich überhaupt wieder schwanger werden? Doch dass die Freude über die neue Schwangerschaft die Trauer der alten überschreibt, darf nicht erwartet werden.

„Eine neue Schwangerschaft ersetzt nicht die Trauer um das verlorene Kind“, so Pisati. Sie könne Hoffnung geben, sei aber keine Heilung im klassischen Sinne. Und Freude, Angst und unverarbeitete Trauer können plötzlich koexistieren. „Jede Phase der Schwangerschaft war begleitet von Unsicherheit, von innerer Anspannung, von diesem Gefühl, dem eigenen Körper nicht mehr ganz vertrauen zu können.“

„Das muss noch raus“
Während der Schwangerschaft wurde Pisati medizinisch begleitet. Vollständig aufgearbeitet habe sie ihre Fehlgeburt bislang jedoch nicht. Sie habe die Trauer nicht mitnehmen wollen und sich deshalb kaum erlaubt zu weinen. Heute merke sie, dass die unverarbeiteten Gefühle weiterhin da sind. „Das muss noch raus“, sagt sie ganz offen. Sie wolle sich professionelle Hilfe holen, um das Erlebte zu verarbeiten. 

Ein persönlicher Gedanke habe ihr dennoch Trost gegeben: Sie stelle sich vor, dass das verlorene Kind einen zweiten Anlauf gebraucht habe. „Als wäre seine Seele schon da gewesen, aber mein Körper war noch nicht bereit. Und dann ist es einfach zum richtigen Zeitpunkt zurückgekommen.“

Mit ihrer Geschichte möchte Pisati vor allem anderen betroffenen Frauen das Gefühl nehmen, mit ihrer Erfahrung alleine zu sein. „Eine Fehlgeburt wird oft als kurzer medizinischer Zwischenfall behandelt – aber das wird der Realität nicht gerecht.“ Deswegen ihr Appell: „Man darf die physische und psychische Belastung nicht unterschätzen.“

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