Nach Schicksalsschlag

Sternenkind-Mütter sollen besser geschützt werden

Innenpolitik
10.05.2026 08:00

Nach Schwangerschaftsverlusten sollen betroffene Frauen künftig besser abgesichert werden. Familienministerin Claudia Bauer spricht sich für einen gestaffelten Mutterschutz nach deutschem Vorbild aus – Unterstützung dafür kommt nun auch aus den Bundesländern.

Der Muttertag ist für viele Familien ein besonderer Anlass. Doch manche Mütter können ihre Kinder nicht in den Arm nehmen. Für Eltern von Sternenkindern ist dieser Tag deshalb oft mit Trauer verbunden. „Das stille Leid ist groß: Viele Familien trauern um ein Kind, das nie die Chance hatte, unsere Welt zu erleben. Und noch immer wird darüber viel zu oft geschwiegen“, sagte Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) bei einer bewegenden Veranstaltung im Kepler Universitätsklinikum Linz zum Thema Sternenkinder. Viele Betroffene würden sich laut Bauer nach einem Schwangerschaftsverlust aber alleingelassen fühlen, auch rechtlich.

Geburtsgewicht ausschlaggebend
Derzeit hängen in Österreich Schutzfrist, Wochengeld und erhöhter Kündigungsschutz nämlich vom Geburtsgewicht des Kindes ab. Diese Ansprüche gelten ab einem Geburtsgewicht von 500 Gramm, darunter bleibt häufig nur die Möglichkeit eines Krankenstands. „Doch wer ein Kind verliert, ist nicht krank, sondern trauert“, sagt Bauer. Und das bedeutet oft, dass Frauen wiederholt Arzttermine wahrnehmen und ihre Arbeitsunfähigkeit immer neu begründen müssen.

Familienministerin Claudia Bauer bekommt Unterstützung von den Bundesländern.
Familienministerin Claudia Bauer bekommt Unterstützung von den Bundesländern.(Bild: BKA Wenzel)
Bei der Veranstaltung im Kepler Universitätsklinikum Linz zum Thema Sternenkinder trafen sich ...
Bei der Veranstaltung im Kepler Universitätsklinikum Linz zum Thema Sternenkinder trafen sich betroffene Eltern, Hebammen, Ärzte und Trauerbegleiter.(Bild: BKA Wenzel)

Verbesserungen für Mütter nach dem deutschen Modell
Die Familienministerin spricht sich deshalb für einen gestaffelten Mutterschutz nach deutschem Vorbild aus – am Freitag gab es dafür zusätzlichen Rückenwind aus den Bundesländern. Bei der Landesfamilienreferentenkonferenz in Wels wurde ein einstimmiger Beschluss dazu gefasst und die Regierung mit der Einführung eines solchen Gesetzes beauftragt.

In Deutschland gelten nämlich seit Juni 2025 je nach Schwangerschaftswoche unterschiedliche Schutzfristen nach einer Fehlgeburt: ab der 13. Woche zwei Wochen, ab der 17. Woche sechs Wochen und ab der 20. Woche acht Wochen Mutterschutz. Der entscheidende Unterschied: Die Schutzfrist orientiert sich nicht mehr an einer 500-Gramm-Grenze, sondern an der tatsächlichen körperlichen und psychischen Belastung der Frau. Und weil Trauer individuell ist, soll es außerdem eine sogenannte „Opt-out-Regelung“ geben. „Manche brauchen Zeit und Rückzug, andere Stabilität durch den Alltag.“ Frauen können demnach selbst entscheiden, ob sie früher an den Arbeitsplatz zurückkehren möchten.

Zitat Icon

Klar ist: Alle Beteiligten wollen den bestmöglichen Schutz für betroffene Frauen gewährleisten.

heißt es aus dem Büro der Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ)

SPÖ am Zug, hat aber Bedenken
Zuständig für die Umsetzung ist das SPÖ-geführte Sozialministerium. Laut „Krone“-Infos gibt es aus Gewerkschafts- und Arbeiterkammer-Kreisen aber einige Vorbehalte. Aus dem Büro von Ministerin Korinna Schumann heißt es:  „Es braucht bei möglichen gesetzlichen Weiterentwicklungen eine sorgfältige Abwägung, damit bewährte Schutzstandards nicht unbeabsichtigt geschwächt werden“. Das österreichische Mutterschutzgesetz zähle bereits jetzt zu den strengeren Regelungen im europäischen Raum. „Nach einer Fehlgeburt besteht in Österreich unabhängig von der Schwangerschaftswoche ein Kündigungs- und Entlassungsschutz. Ein direkter Vergleich mit Deutschland zeigt, dass dort bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche derzeit kein entsprechender Schutz vorgesehen ist.“

Zwar sieht man insbesondere eine Ausweitung des Kündigungs- und Entlassungsschutzes auf vier Monate nach jeder Fehlgeburt – unabhängig von der Schwangerschaftswoche – als wichtigen Schritt an, bei der „Opt-out-Option“ fürchtet man aber Nachteile für die betroffenen Mütter. Geeint sind ÖVP und SPÖ sich aber jedenfalls in einer Sache: Es braucht Verbesserungen für die Mütter von Sternenkindern.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung