Einen italienischen Espresso um einen Euro? Das ist vielerorts schon längst Geschichte. In den vergangenen Jahren hat die Inflation auch vor der berühmten Tasse Espresso nicht Halt gemacht. Erklärungen dafür gibt es viele, auch El Niño könnte mit den Espresso-Preisen zusammenhängen.
Der Espresso wird im Hochkonsumland Italien immer mehr zum Luxus. Dass man eine Tasse um einen Euro bekommt, ist vielerorts Geschichte. Eine Tasse kostet rund ein Viertel mehr als vor fünf Jahren. Im Vergleich zu Österreich ist der Kaffee aber immer noch günstig. In der Stadt mit dem höchsten Durchschnittspreis, Bozen, waren es zuletzt 1,51 Euro.
Teuer im Norden
Bei den Preisen gibt es regionale Unterschiede, geht aus einer Untersuchung des Konsumforschungszentrums CRC in Zusammenarbeit mit dem Verbraucherschutzverband Assoutenti hervor. In insgesamt elf Provinzen kostete der Kaffee inzwischen mindestens 1,40 Euro. Dazu zählten unter anderem solche mit Nähe zu Österreich wie Triest, Padua, Belluno, Trient, Treviso und Udine. Am günstigsten war der Espresso durchschnittlich dagegen im sizilianischen Messina mit 1,06 Euro pro Tasse.
Für den Preisanstieg gibt es viele Gründe, Rohstoffpreise dürften nicht allein dafür verantwortlich sein, sagt Furio Truzzi, Vorsitzender des wissenschaftlichen Komitees des CRC. Die Preise für die Sorten Robusta und Arbacia sind inzwischen günstiger als im vergangenen Jahr.
El Niño gefährdet Kaffee-Ernte
Aber: Das Wetterphänomen El Niño gefährdet unter anderem Kaffee-Ernten und die US-Wetterbehörde NOAA hat Anfang Juni festgestellt, dass El-Niño-Bedingungen bereits herrschen. Das könnte Druck auf die Preise auslösen. Für die Sorte Robusta ist El Niño problematisch, da damit typischerweise Hitze und Trockenheit in den Hauptanbaugebieten Vietnam und Indonesien verbunden sind. Bei Arabica-Kaffee, der hauptsächlich in Brasilien angebaut wird, sind die Folgen zwiespältig. Höhere Temperaturen könnten zunächst schädlichen Winterfrost verhindern, längerfristig droht jedoch Trockenheit während der wichtigen Wachstumsphase für die nächste Ernte.
Dazu kommt eine schwere logistische Unterbrechung der Kaffee-Exporte aus Kolumbien. Ursache ist ein Erdbeben der Stärke 7,4, das das südamerikanische Land getroffen hat.
Italiener ändern Gewohnheiten
Für den gestiegenen Espresso-Preis in den Cafés sind laut Truzzi aktuell vor allem höhere Energie- und Betriebskosten verantwortlich. Gleichzeitig verändert sich laut Assoutenti das Konsumverhalten der Italiener: Sie kaufen immer mehr Kaffeebohnen. Für Gabriele Melluso, den Präsidenten von Assoutenti, heißt das: Der Espresso an der Bar ist zwar weiterhin für Millionen Menschen ein fester Bestandteil des Alltags, doch das könnte sich langfristig ändern.
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