In den vergangenen Wochen haben die Spannungen zwischen den USA und Israel zugenommen. Das hat unter anderem mit Meinungsverschiedenheiten über das Ende des Iran-Kriegs zu tun. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat nun angekündigt, dass sich sein Land aus der Abhängigkeit befreien müsse.
Er schätze die Unterstützung der Vereinigten Staaten zwar, doch Israel müsse eigene, unabhängige Rüstungssysteme entwickeln. Ziel sei es, „Unabhängigkeit von anderen zu erreichen, immer mehr Stärke aufzubauen, immer mehr Technologie einzuführen, immer mehr Generationen von Kommandeuren auszubilden“, teilte Netanyahu am Dienstag auf der Plattform X mit.
Auch andere Persönlichkeiten plädieren dafür, dass Israel seine eigenen militärischen und technologischen Fähigkeiten ausbauen soll. Der Vorsitzende des US-Israel-Ausschusses im Knesset, Ohad Tal, sagte etwa, dass man sich auf einen weniger wohlwollenden US-Präsidenten vorbereiten solle und neue Bündnisse schmieden müsse. Es gebe eine „enorme Besorgnis über die Beziehungen“ zu den USA, sagte der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, am Sonntag. Dennoch verbinde die beiden Länder noch ein unzerreißbares Band, ist er überzeugt.
Hier sehen Sie die Ankündigung von Netanyahu auf X:
Vance: „Trump hat Mitgefühl“
Belastet wird das Verhältnis unter anderem durch Meinungsverschiedenheiten über das Ende des Iran-Kriegs. US-Präsident Donald Trump hatte Netanyahu zuletzt ungewöhnlich scharf kritisiert, ihn etwa als „verrückt“ bezeichnet und das militärische Vorgehen Israels im Iran infrage gestellt. Zudem spekulierte er öffentlich darüber, Syriens Regierung zu bitten, die israelischen Truppen im Libanon zu ersetzen. US-Vizepräsident JD Vance sagte wiederum, dass Trump der einzige Staatschef weltweit sei, der Mitgefühl für Israel zeige. Nicht jede Kritik an der Regierung sei Antisemitismus.
Netanyahu unbesorgt, Bevölkerung alarmiert
Bis vor Kurzem galt Trump in Israel noch als der engste Verbündete, den das Land im Weißen Haus je hatte. Er spielte unter anderem eine führende diplomatische Rolle bei der Freilassung von Geiseln im Gaza-Krieg und bestätigte die Souveränität des Landes über die besetzten Golanhöhen. Netanyahu zeigte sich trotz der jüngsten Töne aus den USA unbesorgt. Er befürchte keine politischen Änderungen, wie eine Drosselung von Waffenlieferungen, sagten zwei Personen aus seinem Umfeld. Die Rhetorik ziele wohl darauf ab, Wählerinnen und Wähler vor den US-Kongresswahlen im November zu beunruhigen.
Viele Menschen in Israel sind aufgrund der scharfen Töne aber alarmiert. Kritik aus den USA kam bisher eher von der Demokratischen Partei. In den Vereinigten Staaten nimmt laut Umfragen die Skepsis ebenfalls zu: Im März gaben 57 Prozent der befragten Republikanerinnen und Republikaner zwischen 18 und 49 Jahren an, eine negative Meinung von Israel zu haben. Viele sind empört über die Zahl der Todesopfer und die Zerstörung im Gazastreifen.
Die USA lieferten laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri zwischen 2021 und 2025 rund 68 Prozent der israelischen Waffenimporte, darunter Kampfflugzeuge, Raketen und Präzisionsbomben. Israel selbst ist laut den Daten der siebtgrößte Waffenexporteur der Welt.
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