Seit Monaten auf See

Ekel-Zustände auf US-Schiff setzen Soldaten zu

Außenpolitik
14.08.2026 13:00

Die Vorwürfe wiegen schwer: Auf dem US-Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ sollen die Matrosen und Marines unter schlimmen Bedingungen leben. Die Rede ist von Mini-Mahlzeiten, Sicherheitsbedenken auf den Decks und schweren psychischen Krisen – das US-Militär widerspricht.

Mehr als 260 Tage sind die US-Matrosen und Marines inzwischen auf See – vorrangig im Nahen Osten. Laut dem für die Region zuständigen US-Kommando Centcom ist die Besatzung weiterhin widerstandsfähig und entschlossen. Doch Angehörige und Politiker stellen die Situation ganz anders dar.

„Verschimmelte Duschen, kaputte Toiletten“
Die Besatzung hat „keine Seife, kein Deodorant und keine Zahnpasta“, berichtete etwa Mike Levin, demokratischer Kongressabgeordneter aus Kalifornien. Dutzende Militärfamilien hätten Alarm geschlagen, dass ihre Angehörigen an Bord der „USS Abraham Lincoln“ enorme Misstände aushalten müssten.

„Verschimmelte Duschen, kaputte Toiletten, seit Wochen außer Betrieb befindliche Waschmaschinen, lange Phasen ohne warmes Wasser, eine Mahlzeit, die sich auf eine halbe Tasse Reis und zwei Tortillas beschränkte“, beschreibt Levin die Situation an Bord.

Wichtig zu wissen

  • Am 28. Februar hatten die USA und Israel Militärschläge gegen den Iran begonnen.
  • Seither ist der Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ im Arabischen Meer im Einsatz, um die US-Seeblockade gegen Schiffe durchsetzen, die iranische Häfen anlaufen oder sie verlassen.

Richard Blumenthal, US-Senator aus dem Bundesstaat Connecticut, schlug ebenfalls Alarm und forderte eine Erklärung der US-Regierung, wie sie die Streitkräfte an Bord unterstützt. Denn neben den Problemen an Bord selbst seien auch viele an das Schiff adressierte Versorgungspakete auf dem Transportweg verloren gegangen.

Außerdem gebe es „Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Außendecks“, heißt es in einem Brief, den Levin an Verteidigungsminister Pete Hegseth und den amtierenden Marineminister Hung Cao geschickt hat.

Der US-Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ ist seit mehr als 260 Tagen im Einsatz.
Der US-Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ ist seit mehr als 260 Tagen im Einsatz.(Bild: AP/K.C. Alfred)

Soldaten psychisch am Limit
Dazu kommt: Die psychische Gesundheit der Soldaten habe sich verschlechtert. Angehörige berichteten, dass mehrere Besatzungsmitglieder versucht hätten, über Bord zu springen, weil die Situation auf dem Flugzeugträger so belastend sei. Eine Frau erklärte dem Militärmedium „Stars and Stripes“, ihr Ehemann habe ihr von der „USS Abraham Lincoln“ eine beängstigende SMS geschickt: „Er hofft, dass er morgen nicht mehr aufwacht.“

Ihr Mann habe probiert, über Bord zu gehen, nachdem sein Einsatz auf See immer wieder verlängert worden sei, berichtet eine andere Frau der „Navy Times“ – und das ist laut dem Medium kein Einzelfall.

US-Militär kontert Vorwürfe
Centcom widerspricht diesen Berichten in der Nacht auf Freitag. Anders als teilweise berichtet seien keine Besatzungsmitglieder an Bord des Flugzeugträgers ums Leben gekommen. Ein Matrose, der am 3. August über Bord gegangen sei, sei schnell und sicher geborgen worden. Centcom spricht von Falschberichterstattung.

Der Flugzeugträger weise unter allen der US Navy eine der höchsten Wiederverpflichtungsraten der Besatzung mit 84,4 Prozent auf, teilte Centcom weiter mit. Eine solche Rate beschreibt den Anteil der Soldaten, die freiwillig weiter im Militär bleiben, nachdem ihre Vertragszeit abgelaufen ist.

Kritik an Minister Hegseth
Unterdessen fordert der Minderheitsführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, auf der Plattform X den sofortigen Rauswurf von Verteidigungsminister Hegseth. Als dieser nominiert worden sei, habe jeder gewusst, dass er völlig inkompetent sei. „Jetzt zahlen unsere tapferen Matrosen dafür auf schreckliche und unfassbare Weise den Preis.“

Verteidigungsminister Pete Hegseth lobt die Soldaten auf der „USS Abraham Lincoln“.
Verteidigungsminister Pete Hegseth lobt die Soldaten auf der „USS Abraham Lincoln“.(Bild: AP/Manuel Balce Ceneta)

Hegseth selbst beharrt darauf, dass die Missstände auf dem riesiegen Flugzeugträger „völlig falsch“ dargestellt werden. „Wir stellen sicher, dass jedes Schiff, jede Besatzung und jeder Kapitän zu jedem Zeitpunkt über alles verfügt, was wir ihnen zur Verfügung stellen können“, erklärte Hegseth gegenüber Reportern. Der Minister lobte die Soldaten aber dafür, dass sie „die hohe See“ und „spartanische Bedingungen mit wenigen Hafenaufenthalten“ aushalten – inzwischen ist das Schiff schon fast neun Monate im Einsatz.

Flugzeugträger soll ersetzt werden
Offenbar soll der Flugzeugträger aus dem Nahen Osten jetzt abgezogen und durch die „USS George Washington“ ersetzt werden. Das berichten mehrere US-Medien unter Berufung auf Insider. Laut CNN war der Austausch der Schiffe allerdings bereits vor den Beschwerden geplant.

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden oder von Suizidgedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge unter der Telefonnummer 142. Weitere Krisentelefone und Notrufnummern finden Sie HIER.
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