Das Urteil ist gefallen: Marius Borg Høiby, der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Gericht in Oslo befand den 29-Jährigen am Montag wegen zwei der vier ihm angelasteten Vergewaltigungen schuldig. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung können innerhalb von zwei Wochen gegen das Urteil Berufung einlegen.
Aus gesundheitlichen Gründen verfolgte Høiby die Verkündung seines Strafmaßes in einer Videoschaltung aus dem Gefängnis.
Bezirksrichter Jon Sverdrup Efjestad verlas das Urteil kurz nach 8:30 im Osloer Gerichtsgebäude. Das Strafmaß umfasst 34 Delikte, darunter zwei Vergewaltigungen sowie Drogendelikte. Von zwei Vergewaltigungsvorwürfen sprach ihn das Gericht frei. Zudem wurde Høiby zur Zahlung von Schadensersatz an die Geschädigten verpflichtet. Im Zentrum des Verfahrens stand die Frage, ob die mutmaßlichen Opfer aufgrund ihrer Verfassung überhaupt in der Lage waren, einer sexuellen Handlung wirksam zuzustimmen.
Schwerwiegende Vorwürfe
Høiby hatte von Februar bis März wegen 40 Anklagepunkten vor Gericht gestanden, unter anderem wegen der vorgeworfenen Vergewaltigung von vier Frauen in den Jahren 2018 bis 2024, die zum Tatzeitpunkt schliefen oder bewusstlos waren.
Vor den Vergewaltigungen hatte Høiby Alkohol und Drogen konsumiert. Zudem wurde dem 29-Jährigen zur Last gelegt, mehrere Ex-Freundinnen körperlich und psychisch misshandelt zu haben.
Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und sieben Monate Haft für Høiby gefordert. Sein Verteidiger verlangte dagegen Freispruch bei den am schwersten wiegenden Anklagepunkten. Høiby hatte die mit höheren Strafen bedrohten Anschuldigungen zurückgewiesen, sich jedoch in weniger schweren Punkten schuldig bekannt. Er kann gegen das Urteil Berufung einlegen.
Høiby ist Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung vor ihrer Hochzeit mit Kronprinz Haakon im Jahr 2001. Er gehört formell nicht dem Königshaus an.
Mutter sterbenskrank
Überschattet wurde die monatelange Untersuchungshaft des Angeklagten von einer dramatischen Zuspitzung im privaten Umfeld: Dem emotionalen Druck des Prozesses auf die ganze Königsfamilie stand auch noch das schwere Leiden seiner Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, gegenüber.
Die 52-Jährige kämpft seit Jahren gegen eine chronische Lungenfibrose, doch während der Inhaftierung ihres ältesten Sohnes verschlechterte sich ihr Zustand rapide.
Wie erst kürzlich bekannt wurde, durfte Høiby die Untersuchungshaft nach mehr als vier Monaten sogar kurzzeitig für einen Freigang verlassen, um auf dem royalen Wohnsitz Gut Skaugum an einem dringenden ärztlichen Informationsgespräch über den kritischen Gesundheitszustand der Kronprinzessin teilzunehmen.
Warteliste für neue Lunge
Die existenzielle Tragweite der königlichen Erkrankung zeigte sich in aller Deutlichkeit nur zehn Tage vor der Urteilsverkündung, als Mette-Marit offiziell auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt wurde.
Nach Angaben der behandelnden Ärzte ist dieser Schritt an eine unerbittliche Bedingung geknüpft: Aufgenommen werden demnach nur Patienten, deren Lebenserwartung ohne ein neues Organ bei maximal einem Jahr liegt. Während Norwegen nun gebannt auf die juristischen Konsequenzen für den „Bonusprinzen“ blickt, bangt das Land gleichzeitig um das Überleben seiner zukünftigen Königin.
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